Boxen : Wo der Gen-Mais wächst

Die Hälfte der deutschen Anbaufläche ist in Brandenburg geplant. Die Orte sind jetzt veröffentlicht

Thorsten Metzner

Potsdam - In Brandenburg sind 22 großflächige Genmais-Felder mit einer Anbaufläche von rund 475 Hektar geplant. Damit liegt die Hälfte der Anbaufläche von gentechnisch manipulierten Pflanzen in der Bundesrepublik (950 Hektar an 92 Standorten) in Brandenburg. Das geht aus dem neuen Standortregister der Bundesregierung für den Anbau von Genprodukten hervor. Darin werden – eine Folge des jetzt in Kraft getretenen Gentechnik-Gesetzes – erstmals die Felder veröffentlicht, für die der Anbau von Gen-Mais beantragt wurde. Es handelt sich unter anderem um Flächen in Guben (Lausitz), Seelow, Gusow, Neutrebbin (alles Märkisch- Oderland) und Liebenwalde (Oberhavel). Das Erbmaterial der Pflanzen ist so verändert, dass sie ein für Schädlinge, aber auch andere Insekten, tödliches Gift produzieren – ein Patent der Firma Monsanto.

Zwar gehöre diese Transparenz zu einer offenen Gesellschaft, sagte Bauernpräsident Udo Folgart, zugleich SPD- Landtagsabgeordneter. Dennoch hoffe er, dass die neue Offenheit nicht von militanten Gentechnik-Gegnern ausgenutzt werde. „Nach den Erfahrungen der Vergangenheit kann man Anschläge leider nicht ausschließen“, so Folgart. Ähnliche Sorgen gibt es auch im Landesministerium für Verbraucherschutz und ländliche Entwicklung. Sprecher Jens-Uwe Schade erinnert daran, dass „Versuchsfelder regelmäßig zerstört“ worden sind. Ziel solcher Aktionen waren die bereits bekannten Versuchsfelder in Potsdam- Golm, in Berge (Prignitz) und in Dahmsdorf (Teltow-Fläming).

„Man verhindert Gentechnik aber nicht, wenn man Felder plattmacht“, sagt Peter Rudolph, der Gentechnik-Verantwortliche im Ministerium. Er ist zugleich „Koexistenz-Beauftragter“, der zwischen herkömmlicher Landwirtschaft und den Gentechnik-Landwirten vermittelt. Denn traditionelle Landwirte und Biobauern sorgen sich, dass ihre Felder durch den Pollenflug von benachbarten Genpflanzen verseucht werden könnten. Zwar werden um Gen-Felder Schutzzonen ausgewiesen, doch praktische Erfahrungen über deren Wirkung gibt es bislang kaum.

Gentechnik-Gegner rufen bereits zu Protesten auf. Das landesweit operierende „Barnimer Aktionsbündnis gegen Gentechnik“ hat die neue Karte der Gen-Äcker sofort auf seiner Internetseite veröffentlicht. „Um Widerstand zu planen, stellen wir euch Informationen zur Verfügung.“ Noch sei es möglich, dass die Landwirte ihren Plan rückgängig machen. Auf der Homepage wird ohne Distanzierung auch über zerstörte Freilandversuchsfelder berichtet.

Die Ortsbeschreibungen der nun bekannt gewordenen neuen Standorte sind bislang noch allgemein, was sich jedoch demnächst ändern wird. Auf der Homepage des Bundesverbraucherschutzministeriums kann man den Antrag herunterladen, um die personenbezogenen Daten des Betreibers oder Ackerbesitzers zu erhalten. Wozu das führen kann, hat die Potsdamer Biotechfirma Solavista erlebt, die im Prignitzer Dorf Berge seit einigen Jahren einen Freilandversuch mit Gen- Kartoffeln betreibt. Auf der Karte des Barnimer Aktionsbündnisses kann man schon seit längerem die Flurkarte mit der exakten Acker-Lage einsehen. „Sie stammt aus unserem Genehmigungsantrag“, sagt Solavista-Geschäftsführerin Martina Döring. Das Feld sei bereits zerstört worden und mehrfach Schauplatz von Protestaktionen gewesen.

Die Liste der Anbauflächen im Netz:

www.bvl.bund.de/standortregister.htm

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