• Wo einst Panzer standen, wächst künftig Thai-Gemüse Auf dem früheren Militärareal in Jüterbog will ein Gartenbau-Wissenschaftler

Boxen : Wo einst Panzer standen, wächst künftig Thai-Gemüse Auf dem früheren Militärareal in Jüterbog will ein Gartenbau-Wissenschaftler

ab dem kommenden Jahr in großem Stil asiatische Spezialitäten züchten

Stefan Jacobs

Jüterbog/Berlin – Das asiatische Süßblatt sieht aus wie Knallerbsenstrauch. „Schmeckt auch so“, sagt Michael Böhme. Es gibt sicher nur wenige Menschen, die diesen Vergleich haben, aber Böhme muss es wissen. Schließlich will der 55-Jährige ab nächstem Jahr in großem Stil asiatisches Gemüse züchten: Wasser- und indischen Spinat, Zitronengras, Thai-Auberginen, Bittergurken, Wachskürbisse, diverse Kohlsorten und eben das Süßblatt. Die Gewächshäuser sollen auf einem ehemaligen Militärgelände in Jüterbog errichtet werden, wo es zurzeit nur trockenen Kiefernwald und ein paar ausgeweidete Backsteinkasernen gibt. Vier Hektar, 50 feste Arbeitsplätze, elf Millionen Euro Investition. Wahrscheinlich kommt gleich noch ein Erlebnisbereich mit Shop und Restaurant fürs Publikum hinzu, zumal die Anlage direkt an der überaus beliebten Fläming-Skate-Strecke entstehen soll. Die Anschubfinanzierung für die „Asia-Gemüse GmbH“ ist dank der Investitionsbank Brandenburg so gut wie gesichert, und am Know-how kann es nicht scheitern, weil Böhme kein Gartenfritze mit einer fixen Idee im Kopf und Erde unter den Fingernägeln ist, sondern ein weit gereister Wissenschaftler, der an der landwirtschaftlich-gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Uni seit vielen Jahren asiatisches Gemüse züchtet.

Das Uni-Gewächshaus befindet sich nahe dem Botanischen Garten in Berlin-Dahlem. Hier sind Asien und Europa durch eine Plexiglaswand getrennt: Während nebenan die ersten Tomaten erröten, kämpft sich Böhme gerade durch die Lianen seiner Zuchterfolge und besichtigt die Wachskürbisse. Sein Handy klingelt. Es ist wieder der vietnamesische Händler, der sich nach der ersten Lieferung erkundigt hat. Böhme vertröstet den Mann, der einer seiner besten Kunden werden soll. Um den Markt macht er sich keine Sorgen: Ein Großhändler hat ihm schon zugesagt, 30 Tonnen Wasserspinat abzunehmen. Pro Woche. Böhme erwartet, dass ein Fünftel des Gemüses in asiatischen Restaurants landet, während der größte Teil an Privatleute geht. Allein in Ostdeutschland dürften 600000 Vietnamesen – legal oder illegal – leben, schätzt Böhme. Die kaufen ihre Kochzutaten bisher im Asia-Laden, wo sie weder besonders preiswert noch frisch sind, weil sie meist eine halbe Weltreise hinter sich haben.

Die Jahreszeiten sind für den Anbau allerdings ein schwieriges Thema: Im Sommer schießt das Kraut, weil die Tage in unseren Breitengraden so lang sind, und im Winter mickert es, wenn es zu wenig Licht bekommt. Zu trocken ist ihm die mitteleuropäische Luft ohnehin. Böhme forscht noch daran, wie man das Gemüse an seine neue Heimat gewöhnen kann, denn im kalten Jüterbog einen thailändischen Winter zu simulieren, grenzte an Energieverschwendung. Es gibt wenig Fachliteratur zum Thema; und selbst die Holländer haben kaum Erfahrung auf diesem Gebiet. Also kreuzt und selektiert Michael Böhme seine Pflanzen immer weiter, um möglichst wetterfeste, schnell wachsende und vitaminreiche Arten zu bekommen. Auch auf die Kundenwünsche muss er achten, denn nicht alles schmeckt der Klientel. So sieht Böhmes neu geschaffener Kohl mit den rötlichen Blattadern zwar gut aus, aber die vietnamesischen Testkunden waren wenig begeistert. Die Blattläuse dagegen sehr.

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