Boxen : Wo Jesse Owens frühstückte, soll ein Hotel entstehen

Deutsche Kreditbank will im olympischen Dorf in Elstal eine Sportler-Herberge einrichten

Claus-Dieter Steyer

Elstal - Der Eigentümer des olympischen Dorfes von 1936 in Elstal macht mit den Plänen für ein großes Hotel ernst: Gestern stellte die Deutsche Kreditbank (DKB) die Ergebnisse eines Architekturwettbewerbes für das vor den Toren Spandaus gelegene frühere „Speisehaus der Nationen“ vor. Hier waren im Sommer 1936 die rund 4500 männlichen Teilnehmer der Spiele versorgt worden. Um das aus zwei geschwungenen Flügeln bestehende Haus hatte der Architekt Werner March, der auch das Olympiastadion entwarf, rund 140 Unterkunftsgebäude errichten lassen. Davon stehen noch 20 Häuser, darunter das der amerikanischen Delegation mit dem Wundersprinter Jesse Owens.

Diese Häuser sollen in den neuen Hotelkomplex einbezogen werden. Ein Baubeginn steht allerdings noch nicht fest. Zunächst sollen die Ideen des Architekturwettbewerbes in einem Workshop weiterentwickelt werden. „Wir wollen das unter Denkmalschutz stehende Gelände endlich aus seinem Dornröschenschlaf befreien“, kündigte Peter Kahn, Aufsichtsratschef der DKB, an. „Bauherr wird die vor einem Jahr gegründete DKB-Stiftung für gesellschaftliches Engagement sein.“ Diese Stiftung solle das Hotel auch selbst betreiben. Mit dem Bau soll noch im nächsten Jahr begonnen werden.

Vorbild für das Engagement ist das 30 Kilometer nördlich Berlins gelegene Schloss Liebenberg, das die DKB vor zwei Jahren als Hotel und Managementschule eröffnete. Hier liegt die Auslastung bei 70 Prozent. In dem Hotel finden regelmäßig Begegnungen von Spitzensportlern mit Politikern und Wissenschaftlern statt. Diese Beziehungen der Bank zur Spitze der Verbände haben offenbar die Idee eines großen Sporthotels reifen lassen. „Allerdings sollen nicht nur Leistungssportler nach Elstal gelockt werden“, erklärte Wilma Glücklich vom Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin, der den Wettbewerb gemeinsam mit der DKB veranstaltete. Es gebe in den Entwürfen wunderbare Ideen für Spitzen- und Leistungssportler gleichermaßen. Trainingsstätten im Freien und in Hallen würden verschiedene Interessenten ansprechen. Allerdings müssen die Vorstellungen noch mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden.

Der Bürgermeister der Großgemeinde Wustermark, Bernd Drees, äußerte sich erfreut über die Pläne. „Ein Hotel passt sehr gut in die Landschaft, befindet sich doch gleich gegenüber die vom Tierfilmer Heinz Sielmann gekaufte Döberitzer Heide“, sagte er. Allerdings ermunterte er die DKB, sich nicht einseitig auf ein Sporthotel festzulegen. „Hier passt bestimmt auch eine von der Wirtschaft und politischen Stiftungen getragene Denkfabrik her.“ Seit dem Abzug der russischen Armee 1992 liegt das Gelände brach. Bisher hatten sich alle Pläne für ein Hotel, eine Reha-Klinik oder eine Fußballschule zerschlagen.

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