Schnelles Internet : Für Ältere und 'Hidden Champions'

Gerade das Land muss ans schnelle Netz. Hier leben viele Ältere - und starke Mittelständler, sagt die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz.

Malu Dreyer
Auf dem Land leben viele Ältere - gerade Sie brauchen das schnelle Internet zur Unterstützung im Alltag, sagt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer.
Auf dem Land leben viele Ältere - gerade Sie brauchen das schnelle Internet zur Unterstützung im Alltag, sagt die...Foto: Jens Wolf dpa/lah

Rheinland-Pfalz will seine Position als Land der digitalen Möglichkeiten ausbauen. Viele kennen Schlagworte wie „smart city“, aber in Deutschland leben eigentlich über 60 Prozent der Menschen auf dem Land und sie tun dies gerne. Deshalb wollen wir auch die ländlichen Räume „smart“ weiterentwickeln, das heißt wir wollen digitale Lösungen einsetzen, die das Leben und Arbeiten angenehmer und einfacher machen. Es fängt beim Telearbeitsplatz im Home Office an und geht dahin, dass man zeitaufwändige Amtswege von zu Hause über unser Rheinland-Pfalz-Portal erledigt. So haben wir im Projekt SUSI TD, die Abkürzung steht für „Sicherheit und Unterstützung für Senioren durch Integration von Technik und Dienstleistung“, einen Fern-Alarm für Notsituationen erprobt. Spannend ist für mich das Projekt "Digitale Dörfer". Wir haben in einem Wettbewerb zwei Kommunen identifiziert, die unterstützt vom Fraunhofer Institut eine „smart rural area“ werden möchte. Denn gerade im ländlichen Raum treffen zwei Megatrends aufeinander: der demografische Wandel und die Digitalisierung.

Im ländlichen Raum treffen zwei Megatrends aufeinander: der demografische Wandel und die Digitalisierung. Daher müssen gerade ländliche Räume "smart" werden

Das Forschungsprojekt „Digitale Dörfer“, geleitet von Prof. Peter Liggesmeyer, Geschäftsführender Direktor am Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) der Technischen Universität Kaiserlautern, entwickelt bis zum Sommer 2018 in zwei Testregionen, wie intelligente Vernetzung in der Praxis umgesetzt werden kann. Die Studie bietet Unternehmen, der Wissenschaft, den Bürgerinnen und Bürgern und der Politik die einzigartige Möglichkeit, Technologien und Methoden in einem realistischen Szenario zu erforschen. Das Land unterstützt die Studie mit 1,5 Millionen Euro. Das Interesse ist riesengroß. 30 Kommunen hatten sich zunächst beworben. Im Mittelpunkt stehen die Nahversorgung und die Logistik.

Unser erstes Ausbauziel in Rheinland-Pfalz sind 50 Megabit - das reicht aber auf die Dauer nicht

Voraussetzung für den Erfolg ist flächendeckendes, schnelles Internet. Unser Ausbauziel bis 2018 sind 50 Megabit. Beim Zuwachs schneller Internetverbindungen lag Rheinland-Pfalz in den letzten beiden Jahren bundesweit an zweiter Stelle. Die Landesregierung investiert in den kommenden Jahren weitere 70 Millionen Euro, um die Dynamik beim Ausbau zu beschleunigen.
Das reicht uns aber nicht. Die zunehmende Vernetzung verlangt höhere Bandbreiten. Wir lassen mit der 300-Mbits-Studie als erstes Land erforschen, auf welchem Weg der Glasfaserausbau deutlich weiter vorangetrieben werden kann – also nicht nur, was es kosten wird, sondern auch, wie es am besten organisiert werden kann. Aus den Ergebnissen der Studie soll sich die Netzplanung für alle 2306 Gemeinden des Landes ergeben.

Für viele "Hidden Champions" im ländlichen Raum ist die Digitalisierung der Schlüssel

Dabei geht es nicht nur um die Versorgung der Menschen, sondern auch um die wirtschaftliche Entwicklung. Auch knapp 60 Prozent der 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland arbeiten im ländlichen Raum. Industriebetriebe sind in Rheinland-Pfalz nahezu flächendeckend verteilt, viele Hidden Champions arbeiten nicht in Oberzentren, sondern auf dem Land. Für das Industrieland Rheinland-Pfalz, dessen Bruttowertschöpfung überdurchschnittlich vom produzierenden Gewerbe abhängt, ist die Digitalisierung der Schlüssel zur weiteren Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.
Wenn ich von digitalen Möglichkeiten spreche, sehe ich dies im Dreiklang mit Breitband, Bildung und Beschäftigung. Daher möchte ich auf den Kompetenzerwerb für den bewussten Umgang mit digitaler Technik hinweisen. Mit dem Programm ´Medienkompetenz macht Schule´ verfolgt die Landesregierung schon seit 2007 das Ziel, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern und Schulleitungen umfassend medienkompetent zu machen. Alle weiterführenden Schulen werden mit digitalen Werkzeugen ausgestattet, um das Unterrichten mit digitalen Medien zu ermöglichen. Neue Lerninhalte und Methoden werden begleitend entwickelt und erprobt. Damit Lehrer und Lehrerinnen die Möglichkeiten digitaler Lösungen denken und diese vermitteln können, wird die digitale Bildung in der Aus- und Weiterbildung an allen Universitäten und in den Studienseminaren verankert.

Unser Ziel ist, die Menschen in den Städten und gerade auf dem Land fit für die Chancen zu machen, die wir in smarten Lebensräumen organisieren wollen.

Wir haben mit dieser Bildungsoffensive großen Erfolg, vielleicht auch unterstützt von der Tatsache, dass Rheinland-Pfalz im Bundesdurchschnitt das jüngste Lehrer-Kollegium hat mit großer Affinität für das Thema Zukunftstechnik. So führen wir die kommende Generation frühzeitig, schon in der Grundschule, an die Möglichkeiten der Digitalisierung heran. Unser Ziel ist, die Menschen in den Städten und gerade auf dem Land fit für die Chancen zu machen, die wir in smarten Lebensräumen organisieren wollen.

Malu Dreyer (SPD) ist Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz.

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