"Werkbundstadt" in Berlin-Charlottenburg : 33 Architekten entwerfen kostenlos neues City-Quartier

Vom Tanklager zum neuen Stadtviertel: Neben dem Kraftwerk Charlottenburg will der Deutsche Werkbund rund 1100 Mietwohnungen bauen.

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Bislang nur aus Holz: So sehen die Pläne für das neue Quartier aus.
Bislang nur aus Holz: So sehen die Pläne für das neue Quartier aus.Foto: Werkbund Berlin / Erik-Jan Ouwerkerk

Ein solches Planungsverfahren gibt es nicht oft: 33 Architekten aus Deutschland und anderen europäischen Ländern arbeiten ein Jahr lang honorarfrei zusammen und einigen sich auf einen Entwurf für ein Stadtquartier, ohne dass eine Jury entscheiden muss. Am Donnerstag stellte der Deutsche Werkbund das Projekt „Werkbundstadt“ neben dem alten Kraftwerk Charlottenburg zwischen der Spree und der Quedlinburger Straße vor.

Die „urbane und innerstädtische“ Mustersiedlung mit „kurzen Wegen“ sei eine Antwort auf die Frage, „wie wir heute leben wollen“, sagte die Vorsitzende des Berliner Werkbunds, Claudia Kromrei. Anders als üblich in der City West sind keine luxuriösen Eigentumswohnungen geplant, sondern rund 1100 Mietwohnungen. 30 Prozent davon sollen der Mietpreisbindung unterliegen. Das 29.000 Quadratmeter große Industriegelände diente lange als Öl-Tanklager.

Nun will das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf ein Bebauungsplanverfahren starten. Baustadtrat Marc Schulte (SPD) schwärmte von dem „tollen Projekt“ und betonte, es gehe nicht nur um Wohnungen, sondern tatsächlich um ein ganzes Stadtviertel. Also müsse man noch genauer über die Landschaftsgestaltung und die Infrastruktur nachdenken.

Potenzielle Investoren und Mietinteressenten melden sich schon

Um die angestrebte Baudichte zu erreichen, gehören zwei Hochhäuser mit je 16 Etagen zum Entwurf. Das Ex-Tanklager gehört dem Hamburger Projektentwickler Plus Bau, der an der gleichen Stelle früher großflächigen Einzelhandel ansiedeln wollte – was der Bezirk ablehnte. Nun zieht Plus Bau mit dem Werkbund an einem Strang, wie Firmenvertreter Simon Vodopivec betonte. Allerdings werde man nicht den Bau der ganzen Siedlung finanzieren und suche Partner. Nach Auskunft des Werkbunds haben sich erste potenzielle Investoren gemeldet – und sogar schon Mietinteressenten.

Wann der Bau der „Werkbundstadt“ beginnen kann, ist noch offen. Zu klären bleibt noch, ob es wegen des Heizkraftwerks nebenan Probleme mit dem Immissionsschutz gibt. Ein Vattenfall-Mitarbeiter sagte, abgesehen vom vielleicht zu hohen Lärm „erfüllen wir alle Vorschriften“.

Hier kann es nur schöner werden. Das frühere Industriegelände mit Öltanks.
Hier kann es nur schöner werden. Das frühere Industriegelände mit Öltanks.Foto: Werkbund Berlin / Erik-Jan Ouwerkerk

Der 1907 gegründete Werkbund sieht sich als „interdisziplinäre“ Plattform für Stadtplaner. Das Projekt wurde anlässlich des „Deutschen Werkbundtags“ vorgestellt, der von Freitag bis Sonntag an der Quedlinburger Straße 11 läuft. Am Sonntag von 11 bis 18 Uhr kann sich jeder Interessierte bei freiem Eintritt die Entwürfe ansehen, mit den Architekten reden und eine Ausstellung über frühere Werkbundprojekte besuchen. Es gibt auch Führungen durch das Tanklager, das Kraftwerk, die benachbarte Bildgießerei Noack und den als „Mierendorff-Insel“ bekannten Kiez. Die Ausstellungen laufen bis zum 27. November.

Weitere Informationen unter www.werkbundstadt.berlin

Der Standort der geplanten Werkbundstadt zwischen der Spree, dem Kraftwerk Charlottenburg und der Quedlinburger Straße.
Der Standort der geplanten Werkbundstadt zwischen der Spree, dem Kraftwerk Charlottenburg und der Quedlinburger Straße.Grafik: Tsp/Bartel

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