Forschung : Wie wichtig ist China als Innovationspartner für Deutschland?

China will die technologische Entwicklung beschleunigen. Die Zusammenarbeit in Forschung birgt großes Potenzial - und Risiken.

Margot Schüller
Modell des chinesischen Satellitennavigationssystem Beidou auf der „China Beijing International High-Tech Expo“ im Juni 2017.
Modell des chinesischen Satellitennavigationssystem Beidou auf der „China Beijing International High-Tech Expo“ im Juni 2017.Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa

„Innovation gemeinsam gestalten“ heißt das Thema des Aktionsplans, der 2014 zwischen Deutschland und China verabschiedet wurde. Wie wichtig China als Innovationspartner für Deutschland ist, betonte Bundeskanzlerin Merkel auf dem Deutsch-Chinesischen Forum am 1. Juni 2017. Aber, ist das Schwellenland China wirklich der richtige Partner für die deutsche Forschung und Entwicklung?

China will die technologische Entwicklung beschleunigen. Bis Ende 2020 will das Land zu den Top 15 der innovationsstärksten Länder gehören, bis 2050 soll zur Spitze aufgeschlossen werden. Bei der Intensität von Forschung und Entwicklung etwa liegt China mit 2,08 Prozent bereits über dem OECD-Durchschnitt. Nicht zufrieden ist die Regierung mit den Forschungsergebnissen und der Entwicklung neuer Produkte und Prozesse. Dabei sind die Unternehmen mit einem F&E-Anteil von 77 Prozent die Hauptträger der Innovation. Nur wenige Industrien investieren jedoch ausreichend in F&E. Ausnahmen sind die IT-Industrie, die Automobil- und Chemieindustrie.

Bislang verfolgte China einen Top down-Ansatz in der Wissenschafts-, Technologie- und Innovationsentwicklung. Die Herausforderung, schneller als bisher Innovation zu generieren, erfordert jedoch neue Maßnahmen. Die Regierung will die Rolle des Marktes und der individuellen Akteure, darunter Universitäten und Unternehmen, stärken. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen: Besserer Schutz geistigen Eigentums, Bekämpfung der Monopole staatseigener Unternehmen, ein Risikokapitalmarkt und steuerpolitische Förderung. Im innovationspolitischen Dialog zwischen Deutschland und China werden erfolgreiche Ansätze und „best practice“ diskutiert, aber auch Möglichkeiten der Kooperation in Forschung und Innovation.

Staatliche Förderung von Industrien und Digitalisierung bieten Chancen - und Herausforderungen

Verstärkt investiert China in die Grundlagenforschung, die im Vergleich zur angewandten Forschung vernachlässigt worden war. Ehrgeizige Reformen des Wissenschaftssystems setzen auf institutionelle Veränderungen und Verbesserung der Anreizsysteme sowie auf Reformen des Wissenschaftsmanagements. Die Orientierung an deutschen Strukturen, etwa in der außeruniversitären Forschung und bei unabhängigen Projektträgerstrukturen wird die bilaterale Zusammenarbeit zukünftig erleichtern.

Auf der Unternehmensebene ist die F&E-Zusammenarbeit abhängig von den Industrien und Geschäftsmodellen. Die staatliche Förderung strategischer Industrien und der Digitalisierung der verarbeitenden Industrien bieten Chancen und Herausforderungen zugleich. Ernsthafte Konkurrenz aus China existiert bereits bei der 5G-Technologie, im Cloud Computing, bei globalen Navigationssatellitensystemen und Halbleitern. In der Entwicklung intelligenter Fertigungssysteme und Robotik ist das deutsche Industrie 4.0-Ansatz richtungsweisend, bei neuen Materialien hat China für eine Zusammenarbeit viel zu bieten. Das Potential für eine erfolgreiche Kooperation ist vorhanden. Gleichzeitig bleibt China Konkurrent im Wettbewerb um die globale Innovationsführerschaft.
Die Autorin ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am GIGA Institut für Asien-Studien.

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