Globalisierung : Warum wir offene Märkte brauchen

Nicht Protektionismus, sondern eine inklusive Gestaltung der Globalisierung kann Nutzen für alle bringen. Darin sind sich Deutschland und China einig.

Zheng Chunrong
Die „CSCL Globe“ der Reederei China Shipping Group ist das größte Schiff der Welt, hier zu Gast in Hamburg.
Die „CSCL Globe“ der Reederei China Shipping Group ist das größte Schiff der Welt, hier zu Gast in Hamburg.Foto: Christian Charisius/dpa

Deutschland ist Gewinner der Globalisierung; kaum eine andere große Volkswirtschaft profitiert so sehr von ihr. Grund ist Deutschlands beispiellos enge globale Vernetzung: 2017 erwirtschaftet es 45 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts mit dem Außenhandel, ein Viertel seiner Arbeitsplätze ist vom Export abhängig.

Dass Deutschland sich in der globalisierten Wirtschaft bewährt, beruht auf seinem auf internationale Wettbewerbsfähigkeit angelegten Wirtschaftsmodell, das durch qualifizierte Fachkräfte und einen hohen Stellenwert von Forschung und Entwicklung geprägt ist. Vor nicht allzu langer Zeit galt Deutschland zwar noch als „kranker Mann Europas“ – doch dann hat das Land sich durch tiefgreifende Reformen wie die Agenda 2010 wieder für die Globalisierung fit gemacht.

Deutschland will bei der Gestaltung der Globalisierung eine Schlüsselposition einnehmen. Es spricht sich für weltweit offene Märkte und die Fortentwicklung des globalen Handelssystems aus und setzt sich angesichts der wachsenden Bedeutung der aufsteigenden Mächte dafür ein, diese noch fester in die bestehende Wirtschaftsordnung einzubinden. Dabei weiß es, dass die bestehenden Institutionen der internationalen Wirtschaftsordnung angepasst werden müssen, damit sie den tektonischen Verschiebungen zwischen den Industrienationen und den aufsteigenden Mächten Rechnung tragen können.

Protektionismus und Nationalismus können negative Folgen der Globalisierung nicht vermeiden

Von Beginn an brachte die Globalisierung Staaten und Völkern nicht nur Vorteile. Doch spätestens mit den US-Präsidentschaftswahlen und dem Brexit-Votum hat die Globalisierungskritik eine neue Qualität erreicht. Der Aufstieg der rechtspopulistischen Parteien in Europa ist auch auf die Angst vor der Globalisierung zurückzuführen. Gleiches gilt für die in Deutschland zutage getretene Skepsis gegenüber dem Freihandelsabkommen TTIP und jüngste Widerstände gegen Investitionen aus aufsteigenden Märkten.

Doch hat Deutschland gelernt, dass Protektionismus und Nationalismus negative Folgen der Globalisierung nicht vermeiden können. Einziger Weg hierfür ist vielmehr eine inklusive, d.h. allen Staaten und Bevölkerungsteilen zugute kommende Globalisierung. Seiner Verantwortung hierfür ist sich Deutschland in vollem Umfang bewusst. Eine inklusivere Gestaltung der Globalisierung zum Nutzen aller steht daher ganz oben auf der Agenda der laufenden deutschen G-20-Präsidentschaft.

Gerade in der gegenwärtigen von Unsicherheit geprägten Zeit ist Deutschlands Rolle als Triebfeder der Globalisierung von wachsender Bedeutung. Es sollte diese Rolle jedoch nicht allein auszufüllen suchen, sondern im Verbund mit gleichgesinnten Ländern in Europa und unter den aufsteigenden Staaten – vor allem mit seinem größten Handelspartner, China.

Deutschland und China bilden eine enge Verantwortungsgemeinschaft

Deutschland weiß: Nur wenn Europa stark ist, werden Brüssel und Berlin in der Welt ernstgenommen. Daher muss es sich noch mehr für Europa engagieren, gemeinsam mit Frankreich unter dem neuen Präsidenten Macron die Krisen der Europäischen Union überwinden und sie schließlich zu einem verantwortungsvollen Akteur der Globalisierung machen.

Mit China hat Deutschland in den vergangenen 45 Jahren eine immer engere Kooperation entwickelt. Auch zum Erfordernis der inklusiven Gestaltung der Globalisierung sind beide Länder einer Meinung: Ihre Positionen hierzu stimmen sie unter anderem im Rahmen der G20 ab. So bilden Deutschland und China bei der inklusiven Gestaltung der Globalisierung eine enge Verantwortungsgemeinschaft.
Prof. Dr. Zheng Chunrong ist Direktor des Deutschlandforschungszentrums an der Tongji-Universität in Shanghai.

Weitere Beiträge zur politischen und kulturellen Entwicklung in China lesen Sie auf unserer Themenseite.

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