Da die meisten Drohnen mit elektrischen Motoren angetrieben sind, ist ihre Flugdauer durch die Akkuleistung begrenzt. Gerade vor dem Hintergrund der beschlossenen Klimaziele in Paris spielen Emissionen bei Fragen der Logistik eine immer größere Rolle. Seit 2013 ist durch die EN 16258 eine standardisierte Berechnung der Emission für alle Transportarten vorgeschrieben. Durch Drohnen könnte der Ausstoß von Klimagasen und Schadstoffen pro transportiertem Kilogramm enorm verringert werden.
Wenn die Vorteile von Drohnen in der Distributionslogistik so außergewöhnlich sind, warum gehören Lieferdrohnen dann immer noch nicht zum Alltag? Der Hauptgrund, wie bei vielen Innovationen ist auch hier, dass Gesetze und Rahmenbedingungen noch nicht mit dem technisch-machbaren und wirtschaftlich-sinnvollen Schritt halten.
Regulatorische und gesetzliche Hemmnisse und fehlende Erfahrungen
Da ist vor allem die Luftraumintegration und die - durchaus begründeten - Zweifel und Ängste verschiedener Stakeholder zu nennen. Fast alle kommerziellen Drohnen operieren derzeit im niedrigen und sehr niedrigen Luftraum (unter 500 m über Grund). Hier wird auf Sicht geflogen und ausgewichen. Betrachtet man die Lieferdrohnen nun als Luftfahrzeuge, müssen diese in der Lage sein, anderen Teilnehmern im Luftraum auszuweichen. Steuert ein Fernsteuerer die Drohne in Sichtweite vom Boden aus, kann er das übernehmen. Fliegt die Drohne aber außerhalb der Sichtweite (Beyond-Visual-Line-of-Sight) eines Steuerführenden - eine der wichtigsten Grundvoraussetzung für Lieferdrohneneinsatz - kann das Ausweichen derzeit nicht standardisiert und gesetzeskonform sichergestellt werden.
Und natürlich macht Logistik-Drohneneinsatz nur dann wirtschaftlich Sinn, wenn er vollautomatisch in allen Flugphasen (Start, Navigation im Reiseflug, Landung) erfolgen kann. An dieser Hürde scheitern aber derzeit schon Autohersteller am Boden. Wenn ein Computer eine sicherheitskritische Entscheidung trifft, stellt dies im Schadensfall unser heutiges Rechtsverständnis vor zahllose Probleme. Wer haftet bei einem Unfall mit Personenschaden? Der Hersteller des Geräts oder der Sensoren, der Programmierer oder der Halter des Geräts? Diese Fragen stellen sich in der Luft wie auf der Straße.
Ein europäisches Beispiel ist in der Schweiz zu beobachten
Auch das Drohnen mit Kameras ausgestattet sind, ist für viele der Verteidiger von bestehenden Rechtssphären ein rotes Tuch. Interessanterweise sind hier Unternehmen wie Privatpersonen gleichermaßen von den Aspekten des Datenschutzes und der Privatsphäre betroffen. Niemand hat ein Interesse im Vorgarten gefilmt zu werden und fast alle Unternehmen wollen sich vor Wirtschaftsspionage schützen. Solche Fragen der gesamtgesellschaftlichen Akzeptanz, der Haftung, der Versicherung und der Luftraumintegration können nur durch intensive Forschung und Erfahrungswerte angegangen werden.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir weltweit die ersten großflächigen Anwendungen von Drohnenlogistik in Schwellen- und Entwicklungsländern erleben werden. Ein europäisches Beispiel kann man derzeit in der Schweiz beobachten.
Die Schweizerische Post arbeitet bei der Lieferung in entlegene Regionen mit dem Lieferdrohnen-Startup Matternet zusammen. Eine wegweisende und erfolgsversprechende Kooperation von Silicon-Valley Startup und eidgenössischer Pünktlichkeit. Es bleibt dennoch abzuwarten, wann und wo Drohnen flächendeckend Teil von Logistikketten werden.
Wichtig ist vor allem, dass Europa nicht den Anschluss an andere Regionen verliert. Gezielte Grundlagen- und Anwendungsforschung, Förderung von Startups sowie eine veränderte Wahrnehmung sollten erste Schritte in die richtige Richtung sein.
Christian Janke ist Research Engineer beim European Aviation Security Center e.V.
Der EASC e.V. ist das unabhängige Forschungszentrum für Luftsicherheit in Europa. Der Hauptfokus seiner Forschungstätigkeit sind nicht nur technische Innovationen sondern auch deren Auswirkungen auf angrenzende Bereiche wie Datenschutz, Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit.
- Was Drohnen in der Logistik leisten könnten
- Bald Realität oder noch Zukunftsmusik?
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