Welthandel - TTIP : Mercosur: Europas Chance in Südamerika

Neben Zöllen und Wechselkursen ist die Bürokratie ein großes Hindernis für den Außenhandel mit Südamerika, sagt Ulrich Ackermann vom Maschinenbauverband.

Ulrich Ackermann
"Von Handelsgesprächen mit den Mercosur-Staaten versprechen wir uns nun neue Möglichkeiten vor allem für den Mittelstand."
"Von Handelsgesprächen mit den Mercosur-Staaten versprechen wir uns nun neue Möglichkeiten vor allem für den Mittelstand."Foto: Ole Spata/DPA

Dieser Text ist Teil unserer Debatte zum Welthandel. Die übrigen Texte finden Sie hier.

Als Vertreter einer Industrie mit hohen Exporten bin ich häufig in Südamerika unterwegs. Die Länder dort haben mehr mit Deutschland gemein, als man sich das vielleicht vorstellt. So gibt es zum Beispiel in Argentinien ein großes Interesse, Deutsch zu lernen. Und in Brasilien sind die Unternehmer ebenso so stolz auf ihren Maschinenbau wie ihre Kollegen hierzulande.

Trotzdem funktioniert der Handel zwischen einigen Ländern in Südamerika und Deutschland nicht so gut, wie wir Maschinenbauer uns das wünschen. Speziell im Maschinenbau sind hohe Zölle und technische Vorschriften ein großes Hindernis.

Ein Freihandelsabkommen zwischen den Mercosur-Staaten und der Europäischen Union ist eine große Chance

Wir hoffen, dass sich das bald ändert. Die Staatengemeinschaft Mercosur bietet derzeit Gespräche über ein Handelsabkommen mit Europa an. Mercosur steht für Mercado Común del Sur, gemeinsamer Markt des Südens. Neben Brasilien und Argentinien gehören Paraguay und Uruguay dazu. Fraglich ist, ob sich Venezuela als fünftes Mitglied an den Verhandlungen beteiligen wird. Trotzdem: Am Ende könnten rund 500 Millionen Europäer und 290 Millionen Südamerikaner wirtschaftlich enger zusammenrücken. Für beide Seiten ist das eine große Chance.

Ulrich Ackermann, Leiter der Abteilung Außenwirtschaft im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)
Ulrich Ackermann, Leiter der Abteilung Außenwirtschaft im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)Foto: VDMA

Zum einen geht es für die Unternehmen in Europa um einen im Grunde vielversprechenden Markt. Der deutsche Maschinenbau lieferte schon im vergangenen Jahr Waren im Wert von 4,5 Milliarden Euro nach Südamerika. Das Potenzial ist aber noch deutlich größer. Brasilien auf der anderen Seite befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise und sucht nach Möglichkeiten, seine Industrie mit neuen Technologien zu modernisieren. Argentinien hat erst kürzlich eine neue Regierung gewählt, die das Land wirtschaftlich öffnen will.

Die Zeit ist also günstig für einen Handelsvertrag zwischen Europa und dem Mercosur. Dazu kommt: Das Abkommen könnte für beide Regionen Vorteile haben. Denn was heute den Handel mit Maschinen nach Brasilien so schwierig macht, sind nicht nur Zölle – wobei auch diese derzeit im Mittel bei hohen 14 Prozent liegen. Es sind auch die zusätzlichen rund 20 Prozent an Steuern und es ist die Wechselkursproblematik, die es europäischen Firmen schwer macht, ihre Produkte zu vertretbaren Preisen in Brasilien anzubieten.

Die Zölle zwischen Europa und den Mercosur-Staaten sind sehr hoch

Das größte Problem aber ist die Bürokratie. Brasilien hat lange Jahre versucht, eine eigene industrielle Produktion durch hohe Handelsschranken zu unterstützen – damit jedoch der heimischen Industrie die Luft zum Atmen genommen. Dafür gibt es viele Beispiele. Für Investitionen in Maschinen etwa stellt der brasilianische Staat seinen Unternehmen besonders günstige Kredite zur Verfügung – aber nur für heimische Produkte.

Heutzutage ist es aber so, dass kein Staat auf der Welt alle Komponenten zu wettbewerbsfähigen Kosten im eigenen Land herstellen kann. Die brasilianische Wirtschaft ist also darauf angewiesen, moderne Technologien auch aus dem Ausland zu importieren. Auch, um die eigenen Spitzentechnologien weiterentwickeln können.

Gerade mittelständische Unternehmen könnten von einem Freihandelsvertrag profitieren

Von Handelsgesprächen mit den Mercosur-Staaten versprechen wir uns nun neue Möglichkeiten vor allem für den Mittelstand. Gerade kleinere Unternehmen haben Probleme, wenn der Handel ihrer Produkte verbunden ist mit hohen Zöllen und Bürokratie. Noch dazu, wenn es in jedem Land des Mercosur andere Spielregeln gibt. Für uns Maschinenbauer ist Freihandel wichtig, weil unsere Unternehmen rund 40 Prozent ihrer Umsätze in Ländern außerhalb der EU machen. Und obwohl der Maschinenbau in Deutschland sehr ausgeprägt ist, sind die einzelnen Unternehmen oft recht klein – im Schnitt hat eine Firma weniger als 200 Mitarbeiter.

Deswegen ist der Mercosur ist ein gutes Beispiel, warum wir dem Freihandel grundsätzlich offen gegenüberstehen sollten. Denn was ist die Alternative? Bleiben wir beim Beispiel Brasilien mit seinen 200 Millionen Einwohnern. Die derzeitige Krise hin oder her: Das Land wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten stark entwickeln. Dabei müssen die Brasilianer investieren in ihre Produktion und Infrastruktur. Das wissen auch andere Länder, China zum Beispiel, wo die Regierung die Exporte und Investitionen in Brasilien kräftig mit Finanzzusagen unterstützt.

Die Frage ist also nicht, ob Südamerika in Zukunft neue Handelsbeziehungen knüpfen wird. Die Frage ist einzig, mit wem. Deswegen setzt sich der Maschinenbau dafür ein, dass Europa das Angebot der Mercosur-Staaten positiv aufnimmt und bereit ist für neue Handelsgespräche. Es gibt viele gute Gründe, die für eine engere Zusammenarbeit sprechen. Und die Voraussetzungen dafür waren nie besser als heute.

Ulrich Ackermann ist Leiter der Abteilung Außenwirtschaft im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

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