Dr. Anne Baillot : Was genau ist ein Text? Literatur im digitalen Zeitalter

In der digitalen Literaturwissenschaft steht Annotation an der Schnittstelle zwischen Edition und Interpretation. Die bisherige strikte Trennung dieser beiden Bereiche wird in Frage gestellt.

Dr. Anne Baillot
Dr. Anne BaillotFoto: Oliver Elsner


Die analoge Literaturwissenschaft beschäftigt sich hauptsächlich mit Edieren und Interpretieren. Die digitalen Methoden stellen diesen literaturwissenschaftlichen Habitus vor Herausforderungen. Denn in der analogen Welt sind Edieren und Interpretieren zwei strikt getrennte Bereiche (nach dem Motto: Wer ediert, interpretiert nicht). In der digitalen Literaturwissenschaft steht Annotation an der Schnittstelle zwischen Edition und Interpretation. Es ist eine wichtige Aufgabe der künftigen digitalen Literaturwissenschaft, eine solche genuin literaturwissenschaftliche Annotation als Interpretation- und Editionsmodell auszubauen. Mit solchen Annotationen kann man u.a. historisch angelegte Fragestellungen beantworten: Fragen nach der Werkentstehung und Werkrezeption, Ideenzirkulation, Intertextualität, Werkzirkulation, Zitationspraxis.

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Dr. Anne Baillot
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Literaturwissenschaftlich strukturierte Texte können und sollen aber für allerlei Fragestellungen offen sein. Dies geht aber nur mit der Verwendung von offenen Formaten und offenen Lizenzen. Auch das ist eine Herausforderung für die Literaturwissenschaft!

Zur Person

Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für deutsche Literatur

Anne Baillot studierte in Paris Germanistik und Philosophie an der École Normale Supérieure. 2005 wurde sie im Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft aufgenommen. Sie leitet an der HU die Nachwuchsgruppe „Berliner Intellektuelle 1800-1830“ und den Einstein-Zirkel Digital Humanities.

Links

www.literatur.hu-berlin.de/de/forschung_idl/forschungsprojekte/Berliner_Intellektuelle

Schlagworte

Digital Humanities
Annotation
digitale Literaturwissenschaft
Netzliteratur
Open Access