Prof. Axel Kufus : Reinst-Räume infizieren – was DirtyLabs zwischen Grundlagen- und Anwendungsforschungen so alles an- und ausrichten könnten…

Der Zufall ist oft Treiber von Innovationen. Durch ein unorthodoxeres Zusammenspiel von Unternehmen, Kunst und Wissenschaft könnte man ihn möglicherweise heraufbeschwören.

Prof. Axel Kufus
Prof. Axel KufusFoto: Oliver Elsner

Reinst-Räume sind Forschungs-Umgebungen, in denen die Konzentration unerwünschter Teilchen auf das kleinstmögliche Niveau geregelt wird. In der Regel ist der Mensch allerdings selbst die größte Quelle für Unregelmäßigkeiten sonst hätten in der verbummelten Petrischale Alexander Flemings keine Schimmelpilze wachsen können. Es dauerte dann aber doch noch 10 Jahre, bis seine Kollegen auf den Trichter kamen, Penicillin gezielt als Medikament zu entwickeln bis zu seinem inflationären Einsatz eines der hilfreichsten Medikamente überhaupt.

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Die Forschungsgeschichte ist voll zufälliger Entdeckungen Amerika und Dresdener Porzellan, Supraleitung und Mikrowellenherd, Teflon und GoreTex. Zufall bedeutet ja in meiner pragmatischen Begrifflichkeit dass erstens: etwas fällt und zweitens: jemand dort steht und drittens: es auffängt und was daraus macht.

Das ist dann eine Frage des Jonglierens mit multiperspektivischen Interpretationen, mit transkontextuellen Spekulationen und inter-disziplinären Verzweigungen, die zur Innovation führen kann, wenn ja wenn über den hochregulierten Kontext hinaus gedacht und geschaut, fantasiert, spekuliert, verzweigt und verknüpft werden kann.

Hier bringe ich jetzt meine Zunft ins Spiel: das Design. Eine Disziplin, deren Kernkompetenz es ist, neu zu verknüpfen: klassisch ist ja Form & Funktion, gemein verführend Ratio mit Emotio, immer inniger analog & digital, eigentlich ja Objekt & Mensch, damit natürlich Produkt & Welt, immer noch viel zu unnatürlich live & cycle, dafür immer wieder: überraschendes Potenzial mit überzeugender Idee, und, worauf ich hinaus will: Lab & Street.

Wenn also mehr aus Labor auf die Straße soll, dann müssen wir auch mit Straßenschuhen ins Labor dürfen, ernste Umgebungen zum Lachen kitzeln, Feststehendes zu Fall bringen, Aufgedecktes in Möglichkeitsräumen neu ausrichten.

Lassen Sie uns einen Spielplatz in der Forschungslandschaft abstecken, auf dem die Wissenschaften und die Techniken, die Unternehmen und die Künste kreative Anwendungsforschung treiben.

Zur Person

Universität der Künste Berlin, Institut für Produkt- und Prozessgestaltung

Axel Kufus, geboren1958, bildete sich zum Tischlermeister und Designer aus und entwickelte radikal einfache Bauweisen für Möbel und Interieurs. 1993 bekam er einen Ruf an die Bauhaus-Universität Weimar und 2004 an die UdK Berlin, wo er als Professor für Produkt- und Prozessdesign lehrt und forscht.

Links

www.design.udk-berlin.de

Schlagworte

Dirty Lab
Möglichkeitsräume
trans-kontextuell
Verzweigung
kreative Anwendungsforschung