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NHL Lockout : Sklaven des Geldes

12.12.2012 18:03 Uhrvon
So gigantisch wird es 2013 nicht. Daniel Brière (l.) in Philadelphia beim Winter Classic 2012.Bild vergrößern
So gigantisch wird es 2013 nicht. Daniel Brière (l.) in Philadelphia beim Winter Classic 2012. - Foto: Getty

Der Arbeitskampf in der National Hockey-League geht weiter – und er schadet einer Liga, in der es längst nicht mehr vorrangig um das Eishockey geht.

Es wird Eishockey gespielt in Nordamerika. Ohne, dass viel Geld im Spiel ist. Wie jede Saison laufen Tausende Nachwuchsspieler und Profis in Ligen wie der East Coast Hockey League dem Puck hinterher. Nicht mal alle Aktiven der National Hockey-League (NHL) sind inaktiv, viele von ihnen spielen für europäische Klubs. Nur die Fans der NHL leiden unter dem Lockout. Vor ein paar Tagen protestierten Anhänger der New York Rangers vor dem Hauptquartier der Liga in Manhattan. Auf einem Fan-Transparent war zu lesen: „All I want for Christmas is hockey!“ Dieser Wunsch geht nicht Erfüllung. Am Montag strich die Liga aufgrund des nun mehr als 80 Tage dauernden Arbeitskampfes alle Spiele bis zum 30. Dezember.

Die Anzahl der ausgefallenen Begegnungen erhöht sich damit auf 526, das sind über 40 Prozent. Eine komplette Absage der Saison ist wahrscheinlich. Die Verluste der Klubs sind astronomisch. In Boston etwa beläuft sich das Minus in den Bars rund um den Garden, der Heimspielstätte der Bruins, auf bis zu eine Million Dollar pro ausgefallenem Spiel. Dem Klub gehen pro Nicht-Spieltag drei Millionen Dollar verloren. NHL-Chef Gary Bettman rechnet vor, dass alle Spieler zusammen täglich zehn Millionen Dollar verlieren – die Klubeigner doppelt so viel. Dabei ist die Sache absurd: Die Liga verliert Geld, weil um Geld gestritten wird. Es geht darum, wie die Jahreseinkünfte von 3,3 Milliarden Dollar aufzuteilen sind zwischen Klubs und Spielergewerkschaft. Es geht um wenige Prozente. Und es geht nur ums Geschäft.

Die NHL entfremdet sich vom Eishockey. Einst hat sie ihren Sport erhöht. Jeder gute junge Eishockeyspieler der Welt träumt davon, in der stärksten Liga der Welt zu spielen. Inzwischen ist die Liga, die vergangenes Jahr mehr verdient hat als jede Fußballliga der Welt, vor allem Sklave des Geldes. Zu horrenden Eintrittspreisen schauen sich die Fans über 80 Vorrundenspiele an, deren sportlicher Wert eher zweitrangig ist – 16 von 30 Klubs erreichen die Play-offs. Sicher, weil so viel Geld gezahlt wird, spielen die besten Eishockeyprofis der Welt in der NHL. „Allerdings spielen die besten Spieler nicht immer das schönste Eishockey“, sagt Matthew Foy. Der Kanadier brachte es einst auf ein paar Spiele in der NHL, weil er nicht gut genug war, stürmt er nun für die Eisbären Berlin. Und das macht er gern, weil das Spiel auf der größeren Eisfläche viel mehr Platz für die technischen Vorzüge seiner Sportart lasse.

In der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) spielen einige in der NHL ausgesperrte Profis, als nächster wird sich Jochen Hecht von den Buffalo Sabres seinem Heimatklub, den Adler Mannheim anschließen. Was bringen die NHL-Gastspieler der DEL? Sicher, ein Christian Ehrhoff oder Dennis Seidenberg sind sehr gute Spieler, aber ihr NHL-Gehalt ist absurd hoch: Ehrhoff hat vergangenes Jahr in Buffalo neun Millionen Dollar verdient – ein Durchschnittsverteidiger in der DEL kommt vielleicht auf 150 000 Euro – heißt also, Ehrhoff ist etwa 30 mal so wertvoll wie etwa Nationalspieler Frank Hördler von den Eisbären. Doch 30 mal so gut ist Ehrhoff nicht.

Es hat schon etwas Komisches, dass Ehrhoff nun aus Verbundenheit für seinen Heimatklub Krefeld Pinguine spielt und das mit viel Engagement. Ehrliches Eishockey. Wie früher. Auch andere wollen nichts haben, aber geben – weil es ja so schön ist im alten Europa, speziell in Berlin. So sieht es Daniel Brière, Star der Philadelphia Flyers. Er sollte in Philadelphia für acht Jahre insgesamt 52 Millionen US-Dollar bekommen, wovon er allein zehn Millionen im ersten Jahr erhalten hat. Nun sagt Brière, dass er gerne für die Eisbären spielt. Auch für ein Fast-Nichts. Aber so ein Multimillionär kann sich das leisten. Wie verfolgt Brière die unzähligen, ergebnislosen Gespräche der beiden Streitparteien? „Ich lese inzwischen nur noch die Schlagzeilen“, sagt er. Es werde schon irgendwann etwas passieren. Er kenne das schon. Es sei ja schließlich schon sein zweiter Lockout.

Angst davor, dass die NHL an dem, was sie stark gemacht hat, ein Stück kaputtgeht – am Geld–, hat Brière nicht. 2004/2005 wurde auch eine komplette Saison abgesagt, dann gab es einen neuen Tarifvertrag, danach boomte die NHL mehr denn je. Wenn man das Produkt eben lange nicht anbieten kann, wächst die Nachfrage. Dieses Gesetz ist älter als das Eishockey – auch wenn dieser Sport in der NHL immer mehr Nebensache wird.

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