Cornelia Yzer im Interview : „Wir setzen jetzt schon Maßstäbe“

Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer über das internationale Schaufenster, Bürokratie und die E-Autos des Senats.

von
Mehr Energie. Bis Ende 2015 sollen in Berlin 1600 Ladesäulen für Elektroautos installiert werden.
Mehr Energie. Bis Ende 2015 sollen in Berlin 1600 Ladesäulen für Elektroautos installiert werden.Foto: Paul Zinken/dpa

Frau Yzer, in Berlin sollen im kommenden Jahr 10 000 Elektroautos fahren, aktuell sind es nicht einmal halb so viele – ist das zu schaffen?

Unser Ziel ist klar: Berlin soll Referenzstadt der Elektromobilität werden. Schon heute fahren auf den Berliner Straßen deutschlandweit die meisten Elektro-Pkw und -Nutzfahrzeuge. Die Hauptstadt hat damit einen Anteil von zehn Prozent am Gesamtmarkt in Deutschland. Ich bin optimistisch, dass die Zahl weiter steigen wird, wenn wir jetzt unsere Ladeinfrastruktur deutlich ausbauen.

Wichtig ist dabei, Elektromobilität gerade auch im gewerblichen Bereich zum Einsatz zu bringen. Mit dem Projekt „Initiativ-E Berlin- Brandenburg“ der Emo werden 500 Fahrzeuge Unternehmen per Leasing zur Verfügung gestellt. DHL sowie drei soziale Dienste in Berlin setzen bereits E-Fahrzeuge im Alltag ein. Zudem ist Berlin auch Europas Carsharing-Hauptstadt mit einem wachsenden Anteil an Elektrofahrzeugen.

Dem internationalen Schaufenster fehlt es dennoch an Ausstrahlung. Ist die Bürokratie schuld?

Elektromobilität ist ein zentraler Baustein für ressourcenschonende Mobilität im urbanen Raum. Hier darf Berlin den Zug nicht verpassen, sondern sollte Vorreiter dieser Entwicklung sein. Elektromobilität bedeutet nicht nur die Entwicklung von Fahrzeugen, sondern auch die Vernetzung und Kommunikation von Verkehr und Umwelt. Aus wirtschaftspolitischer Sicht sehe ich hier eine Chance für die Wertschöpfung: Die Entwicklung und Produktion neuester Techniken schaffen Wirtschaftswachstum und sichern Arbeitsplätze.

Die Hauptstadtregion setzt schon heute Maßstäbe. Es gibt mit über 150 Vorhaben mehr Projekte als in jedem anderen Ballungsraum Deutschlands. Darüber hinaus sind rund 200 Unternehmen in Berlin im Bereich der Elektromobilität aktiv. Beste Beispiele sind Ubitricity, Hubject oder Yoove. Der Autozulieferer Brose hat an seinem Standort Berlin bereits die Produktion für E-Bike-Mittelmotoren beschlossen.

Zudem sind wir in Gesprächen mit interessierten Unternehmen, die sich in Berlin ansiedeln möchten, vor allem in den Bereichen Ladeinfrastruktur, IKT-Lösungen oder Mobilitätsdienstleistungen. Strahlkraft ergibt sich aber auch aus Produkten, die für die Bürger gefördert werden, und hier sind die Ergebnisse bereits sichtbar.

Auf dem Euref-Campus in Schöneberg entsteht ein Stadtquartier der Zukunft mit einem Praxislabor der Elektromobilität. Anfang April startet die Serienproduktion des E-Scooters C Evolution im BMW-Motorradwerk Spandau. Und: 2015 macht die Formel-E, die elektrische Variante der Formel 1, mit einem Rennen Station auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Ein Projekt, das zeigt, dass Elektromobilität nicht nur vernünftig ist, sondern auch Spaß macht.

Cornelia Yzer ist seit 2012 Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung.
Cornelia Yzer ist seit 2012 Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung.Foto: promo

Auch die zweite Hauptstadtkonferenz Elektromobilität verspricht Innovationen – welche sind das?

Große Automobilhersteller laden inzwischen zu „electrified!“-Wochen in den ehemaligen Flughafen Tempelhof oder stellen mit großer Medienaufmerksamkeit neue Fahrzeugtypen vor. Auch die Hauptstadtkonferenz darf sich diesem Trend nicht verschließen, und das Format wird sich in diesem Jahr innovativer und interaktiver präsentieren als zuvor.

Zudem wird erstmals auf der Konferenz das Aktionsprogramm „Elektromobilität 2020“ vorgestellt, das zeigt, wie die Elektromobilität in der Hauptstadtregion noch erlebbarer gemacht werden und für eine dynamische Wirtschaftsentwicklung und Steigerung der Lebensqualität beitragen kann. Für Berlin ergeben sich durch die neue Technologie innovative Handlungsfelder. Die Hauptstadt bietet durch ihre breit aufgestellte Forschungslandschaft beste Rahmenbedingungen. Wirtschaft, Wissenschaft und Politik arbeiten bereits eng zusammen, diese Vernetzung treiben wir weiter voran.

Die Anbieter von E-Autos bemängeln, dass es in Berlin zu wenig Ladesäulen gibt. Schon im Sommer 2013 wollte sich der Senat für Betreiber der Infrastruktur entscheiden. Wie ist der Stand der Ausschreibung?

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung betreibt mit Hochdruck das Vergabeverfahren. Ende Mai soll die Zuschlagserteilung erfolgen, damit bis Ende 2015 die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur auf rund 1600 Ladepunkte erweitert ist.

Die öffentlichen Fuhrparks sollen Vorbild sein und elektrisch aufrüsten. Wie viele E-Fahrzeuge hat die Senatsverwaltung im Einsatz?

Der Senatsverwaltung für Wirtschaft stehen drei Fahrzeuge zur Verfügung, davon ist noch keines komplett elektrisch unterwegs. Aufgrund notwendiger Langstreckenfahrten setzen wir leider noch auf den Hybridantrieb.

Die Fragen stellte Henrik Mortsiefer.

Jetzt Kfz-Versicherung wechseln

Finden Sie die günstigste Versicherung für Ihren PKW. Hier geht's zum kostenlosen Versicherungsrechner.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben