Deutsche Post : Aus Gelb wird Grün

Die Deutsche Post will ihren Service umweltfreundlicher gestalten. Dazu fährt sie heute schon elektrisch Pakete aus.

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Maßgeschneidert. Der Streetscooter ist für die Deutsche Post ideal.
Maßgeschneidert. Der Streetscooter ist für die Deutsche Post ideal.Foto: promo

Achim Kampker ist einer, der lieber anpackt als zaudert. Der sonst eher zurückhaltende Professor für Produktionsmanagement an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen hat sich zum Ziel gesetzt das Elektroauto nicht nur bezahlbar zu machen, sondern auch zügig umzusetzen. „Wir wollten herausfinden, welche Wege man gehen kann, um in der Hälfte der üblichen Zeit ein Produkt von der Idee in die Realität umzusetzen. Dies haben wir am Streetscooter gezeigt“, sagt Kampker über den Start des Projekts.

Nichts weniger als die bisherige Logik, nach der Elektroautos einen höheren Preis und eine geringere Reichweite haben, wollte der Wissenschaftler umkehren. Aus diesem Gedanken heraus entstand Streetscooter. Gemeinsam mit regionalen Zulieferern und einem kleinen Team machte er sich daran, die Revolution im Kleinen zu beginnen. Mit großer Wirkung, wie sich zeigen sollte, denn die Deutsche Post reagierte auf die Anfrage von Streetscooter und erklärte sich bereit, gemeinsam ein neues Fahrzeug zu entwickeln.

Das ehemalige Staatsunternehmen hatte sich 2008 dem Ziel verschrieben bis zum Jahr 2020 die CO2-Effizienz seiner Flotte um 30 Prozent zu verbessern. Dabei kam die Idee eines kleinen Elektroautos gerade recht. „Für uns als Logistikunternehmen ist klar: Wir müssen was tun und wir wollen was tun“, sagt Post-Sprecherin Christina Müschen. Achim Kampker und sein Team arbeiteten an einem passenden Konzept für den Briefgiganten: Ein kleines, wendiges Auto in der Größe eines VW Polo, aber mit rein elektrischem Antrieb.

200 Starts und Stopps müssen die Autos täglich absolvieren

„Der Ansatz war: Wir bauen maßgeschneiderte Elektrofahrzeuge. Für uns war die Idee ideal, weil wir für bestimmte Zwecke auch die geeigneten Fahrzeuge brauchen“, erklärt Müschen den Beginn der Kooperation. So kamen Tüftler und Konzern zusammen. In Windeseile wurde der „Compact“, wie die erste Fahrzeugstudie hieß, auf die Bedürfnisse des neuen Partners hin weiterentwickelt. Aus der Anfangsidee entstand ein Baukasten, mit dessen Hilfe sich aus dem für den Stadtverkehr entwickelten Auto mit zwei Sitzen ein Kombi oder eben ein Kleintransporter machen lässt.

Damit war der Streetscooter geboren. Rund 14 Millionen Euro hat die Deutsche Post seitdem in das Projekt investiert, sechs Millionen davon kamen vom Bund. Heute steht das Konsortium, hinter dem rund 80 Firmen stecken, kurz vor der Serienproduktion des Fahrzeugs. Im vergangenen Juli kam die Bestätigung für die Einzelbetriebserlaubnis von der Dekra. Seitdem fahren 20 Streetscooter in Bonn beim Projekt „CO2-freie Zustellung Bonn“. 30 weitere sind in anderen Gebieten Deutschlands unterwegs.

Der Job, den die Streetscooter übernehmen, ist keineswegs einfach. Bis zu 200 Starts und Stopps müssen die Autos täglich absolvieren. 300 Tage im Jahr sind sie im Einsatz. Im Sommer, eventuell bei tropischen Temperaturen ebenso wie im Winter bei großer Kälte. Auf den etwa 4,60 Metern Länge ist ausreichend Ladevolumen für die Post vorhanden. Auch die Reichweite genügt den Ansprüchen in der Paketzustellung. Im Postbetrieb kommen die Transporter aufgrund der schweren Ladung auf 80 Kilometer Reichweite, mit weniger „Gepäck“, also im Normalfall, wären es sogar 120 Kilometer.

Bonn ist mittlerweile Musterstadt für CO2-freie Zustellung

Die Deutsche Post hat sich hehre Ziele bei der Erneuerung ihrer Flotte gesetzt. Auch größere Fahrzeuge sollen künftig umweltfreundlich ans Ziel kommen. Dazu fahren in Berlin beispielsweise zwei Iveco Daily als Stromer im Dienst der Gelben umher, deutschlandweit sind es weitere 28. Bis zu 3,5 Tonnen Gesamtgewicht bewegen die Transporter CO2-frei. Dazu wurden drei Batteriemodule integriert und ein Elektromotor verbaut. Die ersten Elektrotransporter sind mittlerweile seit fünf Jahren auf der Straße.

„Wir mussten nicht einmal die Batterien tauschen“, sagt Manfred Kuchlmayr von Iveco. Mit 41 zugelassenen Fahrzeugen ist der italienische Hersteller Marktführer bei elektrischen Transportern bis zu 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht. „Derzeit sind es wenige Kunden mit einem ausgeprägten Umweltbewusstsein, die den Nachweis CO2-freier Transportketten führen“, sagt Kuchlmayr.

Diesbezüglich sind wichtige Fortschritte im Programm gemacht. Die Hälfte des Weges bis 2020 ist mit Projekten wie dem Streetscooter oder den elektrischen Dailys bereits beschritten. Die Stadt Bonn ist mittlerweile Musterstadt für CO2-freie Zustellung geworden. Bis 2016 sollen dort 141 Elektrofahrzeuge unterwegs sein. Die würden dann jedes Jahr über 500 Tonnen Kohlendioxid einsparen. Das dürfte sicher nicht nur die Deutsche Post erfreuen. Markus Mechnich

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