2. Platz, Schüler : Auch Götter lernen dazu - von Laura Ribet

Die Unsterblichen haben es gut auf dem Olymp. Doch beim Blick auf die Erde kommt Neid auf.

Laura Ribet

Hoch oben über den Wolken, über den Sternen, dort sitzen die Götter und schauen neidisch auf die Erde herab. Diana, die Göttin der Jagd, flüsterte Venus zu: „Ich rieche, dass die Sterblichen sich wieder etwas Essbares zusammengebraut haben, was wir nicht besitzen.“

„Das, was du riechst, ist der Duft von frischem Kaffee, aber keine Angst, ich versuche auch gerade mein Glück“, antwortete Zeus und blickte von seiner „Bedienungsanleitung für Kaffeemaschinen“ und dem davor stehenden Gerät auf.

Ares, der Gott des Krieges, erhob sich und sagte fest: „Wieso stürmen wir nicht die Erde und klauen uns eine funktionierende Maschine?" „Nein! Zeus kriegt das hin!“, antwortete Apollo.

„Hat jemand eine Steckdose gesehen?“, fragte Zeus und sah sich suchend um. Die Götter schlugen sich alle gleichzeitig an die Stirn. „Vielleicht ist das doch nicht so eine schlechte Idee, die Erde zu stürmen“, wiederholte der Gott der Musik Ares’ Vorschlag.

Gerade in diesem Moment flog eine Wolkentür auf und ein Kellner, mit einem Stapel Speisekarten in den Händen, taumelte in den Raum. Ein zweiter Diener trug ein Paket und stellte es vor Penelope, der Gattin Odysseus’, ab. Während sie das Paket öffnete, erzählte sie: „Als ihr diskutiert habt, hab ich schnell bei Ebay nachgeschaut und hab es geschafft, eine fertig aufgebaute, batteriebetriebene, mit Anleitung versehene Kaffeemaschine zu ersteigern!“

Ein erstauntes „Wow“, ging um die Tafelrunde. Zehn Minuten später roch es nach frischem, süßem Kaffee. Dazu hatte der Kellner exotische Früchte wie Ananas, Kiwi, Orange, Banane oder Mango zur Verfügung gestellt. „Tja, gut, dass wir noch die von Menschen unentdeckten Früchte essen können!“, lallte Athene. „Ähm“, räusperte sich Venus, „es tut mir leid, aber das können die Menschen auch schon anbauen. Sie können es sogar im tiefsten Winter essen“.

„Im Winter? Wirklich? Wie soll denn das gehen?“, fragte Achilles ungläubig.

„Keine Ahnung. Aber ich weiß, dass die Sterblichen schlauer sind als vor einem Jahrhundert“, antwortete Apollo, der Gott der Musik.

„Knack!“, machte es in die betretene Stille hinein. Alle starrten Achilles an, der eine Tafel Vollmilchschokolade in der Hand hielt und ein Stück in seinem Mund verschwinden ließ. „Was glotzt ihr denn so blöd?“, fragte er und erwiderte ihre Blicke. „Was ist das?“, fragte Aphrodite. „Na ja, das ist Schokolade. Kinderschokolade. Ich glaube, sie gehört zu den besten Marken in Deutschland“, antwortete Achilles.

„Ich glaube, dass wir uns mal aufklären müssen. Wir schicken einen hinunter zur Erde“, überlegte Ares. „Hermes !“ Der Götterbote kam trippelnd heran. „Ja, Eure Göttlichkeit?!“ „Du gehst hinunter zur Erde, kommst bald zurück und klärst uns auf! Ich will wissen, was da abgeht, was sie Neues erfunden haben und ob und wie sie schlauer geworden sind!“ „Ja, ist mir eine Ehre, Euer Ehren“, vernahm Ares, der Kriegsgott. Das waren die letzten Worte Hermes’, bevor er zur Erde hinab flog.

Die Götter hoch oben über den Wolken und über den Sternen warteten und warteten. Nach einem Monat schickten sie den nächsten Gott hinunter auf die neue, moderne Welt.

Nach fünf Jahren sind jetzt alle Götter in unserer Umgebung verteilt, weil alle die Erde so praktisch fanden und nicht mehr zum altmodischen Olymp hinauf fliegen wollten. Nur ein Gott ist in seiner Heimat geblieben: Zeus! Bis heute bastelt er an seiner nicht funktionierenden Kaffeemaschine herum.

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