3. Platz, Schüler : Verrat im Zuckerschloss - von Zeinab Chanboura

Zeinab Chanboura

Einst lebte ein Zuckerkönig mit seinen vier Töchtern und seinem liebsten Kater in einem zauberhaft schönen Zuckerschloss. Die Vorratskammern des Schlosses waren randvoll mit feinkörnigem, schneeweißem Zucker gefüllt. Im Dorf erzählten sich die Leute, dass der König so verrückt sei, jeden Tag seinen Zucker mit einer kostbaren Porzellantasse abzumessen. Und so war es auch. Jeden Tag verbrachte der König unzählige Stunden damit, seinen Zuckervorrat tassenweise zu zählen. Das war schon ein wenig umständlich, aber andererseits hatte er sonst nichts zu tun. Auch ging das Gerücht um, dass er den Kater viel lieber hätte als seine eigenen Töchter.

Eines schönen Tages richtete der König ein Festmahl aus. Er ließ die meterlange Holztafel mit den herrlichsten Zuckerspeisen decken. Es gab himmlisch duftenden Zuckerkuchen, klebrigsüße Zuckerstangen, Zuckerplätzchen mit Zimt, Zuckerstreuselbrot und heiße Waffeln mit einer dicken Schicht Puderzucker. Der König nahm mit seinen vier Töchtern und seinem Kater Platz. "Bediene dich, du mein allerliebster Kater!", sprach der König. Das ließ sich der Kater nicht zweimal sagen und schnurrte mit wässrigem Maul: "Ich danke dir, edler König!" Er schmauste, schleckte und knabberte mit Genuss an all den köstlichen Speisen. Die jüngste Tochter Maria wollte auch gerade mit Appetit in ein großes Stück Zuckerkuchen beißen, da schrie der Vater: "Nein, leg es wieder hin! Dies ist ein königlicher Befehl!"

Maria schaute ihn ungläubig an und fragte: "Warum denn? Soll Zucker nicht besonders wertvoll für unsere Gesundheit sein?" Der König stand auf und rief erregt: "Der Zucker ist zu wertvoll für euch undankbaren Geschöpfe. Das ganze Festmahl ist nur für meinen treuen und allerliebsten Kater bestimmt!" Die vier Töchter waren fassungslos. "Was? Für dieses Biest? Du wirst schon sehen, was du davon hast!", riefen sie voller Empörung durcheinander und die Älteste bestimmte: "Kommt Mädchen, wir gehen in unsere Gemächer!" Ohne ihren Vater noch eines Blickes zu würdigen, verließen sie den Speisesaal.

Am nächsten Morgen zählte der König wieder seinen Zucker. Nach stundenlanger Arbeit stellte er mit Entsetzen fest, dass vier Tassen Zucker fehlten. Sofort befahl er seinem Diener, nach seinen Töchtern zu rufen. "Ihr vier habt von meinem Zucker gestohlen. Gebt es zu!", brüllte er so laut, dass die königlichen Wände wackelten. Die Älteste entgegnete zornig: "Niemals würden wir so etwas tun. Frag doch lieber mal deinen Kater!" "Ihr wollt den Verdacht aufmeinen armen Kater lenken. Das wird mir jetzt zu viel. Ich weiß, dass ihr es wart, und deshalb werde ich euch aus meinem Schloss verbannen!" Es sah so aus, als würde der König vor Wut gleich explodieren. Die vier Töchter rannten weinend aus dem Saal. Genau in diesem Moment erschien der Kater und schlich schnurrend um die Beine seines herrn. Er wusste bereits Bescheid, denn er hatte die Szene von einer Säule aus beobachtet. "Mein edler König, Ihr habt die richtige Entscheidung getroffen!", säuselte er mit zuckriger Stimme.

Schon im ersten Morgengrauen des nächsten Tages wollte der könig nach einer schlaflosen Nacht seinen Zucker zählen. Gerade als er die Kammer öffnen wollte, hörte er von innen eine singende Stimme: "Ich esse Zucker und verscheuche die Königskinder. Das ganze Zuckerschloss gehört nur mir allein, ich werde eines Tages der König sein!" Der König war schockiert. Es war sein allerliebster Kater, der dies sang. Sofort rief der König seine Diener und befahl ihnen, den Kater hinter Schloss und Riegel zu bringen. "Deine Töchter wirst du nie wieder sehen. Sie sind tief, tief in den Wald gelaufen". Das waren die letzten Worte des Katers, bevor man ihn in den Kerker warf.

Der König machte sich große Vorwürfe und suchte im ganzen Land nach seinen Kindern. Jahre vergingen, aber er fand sie nicht. Eines Tages kam ein Bote zum Zuckerschloss und rief: "Oh König, lasst mich hinein! Ich habe eine gute Nachricht für Euch!" Der Bote erzählte von seiner Reise durch einen tiefen Wald, auf der er den vier Töchtern begegnete. Sie lebten dort friedlich in winzigen Holzhütten mit ihren Männern und Kindern. Der König dankte dem Boten überschwänglich und schenkte ihm vier Säcke Zucker. Sogleich machte er sich auf den Weg in den tiefen Wald, um seine Töchter nach Hause zu bringen. Als er sie schließlich fand, konnte er sein Glück kaum glauben. Freudestrahlend rief er: "Oh, meine Töchter, meine allerliebsten, habe ich euch endlich gefunden. Bitte verzeiht mir und kommt mit mir zurück in unser schönes Zuckerschloss!" Alle vier rannten zu ihrem Vater und fielen ihm überglücklich in die Arme. Sie hatten ihm längste verziehen.

So lebten sie wieder alle gemeinsam im Zuckerschloss, verbrauchten nach Herzenslust die Zuckervorräte und liebten sich bis an ihr Lebensende.

Zeinab Chanboura (12 Jahre alt, Klasse 8a Andersen Grundschule)

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