Hallenspielplätze : Auf Socken herumtoben

In Berlin gibt es ein gutes Dutzend Hallenspielplätze. Gefragt sind sie vor allem bei kühler Witterung. Eltern kommen mit ihren Kindern und spielen dann angesichts der Attraktionen selbst gerne mit.

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Balla Balla. Keine Spielhalle kommt ohne Bällchenbad aus. Aber auch Klettergerüste und Rutschen gehören zum Standard. Foto: Kitty...

Viele Berliner stöhnen über das derzeitige Tauwetter. Über matschige Straßen, riesige Pfützen auf den Gehwegen, Temperaturschwankungen. Nur Jakov Gutman freut sich darüber. Weil dann der Ansturm auf „Jacks Fun World“ besonders groß ist. Durchschnittlich 12 000 Gäste pro Monat besuchen den Hallenspielplatz in Reinickendorf. Bei schlechtem Wetter sind es sogar ein paar Hundert mehr. „In der Zeit von Oktober bis Ostern haben wir die meisten Besucher“, sagt Jakov Gutman, Marketingleiter von „Jacks Fun World“. Nur wenn das Thermometer die 25-Grad-Marke übersteigt, kommen kaum noch Gäste. Schönes Wetter mag Gutman gar nicht, zumindest aus beruflichen Gründen.

In der kühlen Jahreszeit bieten sogenannte Indoorspielplätze Eltern gute Beschäftigungsmöglichkeiten für ihre Kinder. Toben, spielen, Abenteuer erleben, ist hier wetterunabhängig möglich. „Die Entscheidung, einen Indoorspielplatz zu besuchen, treffen die Erwachsenen und nicht die Kinder“, sagt Gunther Zeidler vom „Bambooland“ in Steglitz. Meist sind es Väter, die mit ihrem Nachwuchs kommen, „vielleicht weil denen daheim nicht so viel einfällt, wie sie ihre Kinder unterhalten können“, vermutet Zeidler.

Die ersten dieser überdachten Spielplätze entstanden in den 80er Jahren in den USA, meist in leer stehenden Tennishallen. In den 90ern kam der Trend schließlich in Deutschland an. In Berlin gibt es mittlerweile ein gutes Dutzend Indoorspielplätze. Das „Bambooland“ wird im Herbst dieses Jahres zwei neue Standorte eröffnen – einen in Spandau und einen in Tempelhof.

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dpa

„Jacks Fun World“ ist mit über 4000 Quadratmetern Fläche der größte, 2003 feierte er Eröffnung. Der durchschnittliche Besucher ist acht Jahre alt, kommt mit einem Geschwisterkind und einem Elternteil, vorzugsweise am Wochenende ab 12 Uhr. Er bleibt in der Regel knapp zweieinhalb Stunden. Besonders beliebt bei den Kindern sind das Bungeetrampolin und die Bumperboote, die auf Luftkissen durchs Wasser treiben. Die stehen übrigens auch bei den erwachsenen Begleitpersonen hoch im Kurs. Sehr zum Unmut der kleinen Gäste. „Bei uns werden die Eltern oft selbst wieder zu Kindern, weil sie Sachen erleben können, die es in ihrer eigenen Kindheit gar nicht gab“, sagt Jakov Gutman. Und wenn sich die Kleinen ihr Spielvorrecht partout nicht streitig machen lassen, gibt es für die Großen immer noch die Möglichkeit, sich ins angrenzende Café zurückzuziehen.

Wer mit seinem Nachwuchs einen Nachmittag im Indoorspielplatz plant, der muss einige Sicherheitsregeln beachten. So sollte die Kleidung der Kinder keine langen Kordeln oder Schlaufen haben, weil man damit zum Beispiel am Klettergerüst hängenbleiben kann. Auch Schmuck sollte man besser vorher ablegen. „Die Feinmotorik bei Kindern ist noch nicht gut entwickelt“, sagt Jakov Gutman. Sie seien so mit dem Spielen beschäftigt, dass sie alles um sich herum vergessen. Und aus hygienischen Gründen gilt Sockenpflicht.

Die Stiftung Warentest untersuchte vor dreieinhalb Jahren Hallenspielplätze auf ihre Sicherheit. Das Ergebnis: Elf von deutschlandweit insgesamt 19 getesteten Orten wiesen Mängel auf, darunter auch „Jacks Fun World“. Die Beanstandungen an den entsprechenden Geräten seien mittlerweile behoben worden, sagt Jakov Gutman.

Verbraucherschützer mahnen Besucher trotzdem zur Vorsicht. Denn bislang gibt es für Indoorspielplätze keine DIN-Norm und auch keine Behörde, die die Hallenspielplätze auf ihre Sicherheit überprüft. Betreiber können freiwillig den TÜV mit einer Überprüfung beauftragen. In Ermangelung verbindlicher deutscher Richtlinien würde der aber die – großzügige – europäische Norm zur Grundlage nehmen, kritisiert Gunther Zeidler vom „Bambooland“. Der Verband Deutscher Hallenspielplätze (VDH) hat deshalb in Zusammenarbeit mit einem Indoorspielplatzbetreiber ein eigenes Sicherheitssiegel entwickelt. Im März soll es bei einem VDH-Treffen in Berlin vorgestellt werden.

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