IT in der Schule : Das digitale Klassenzimmer existiert

Die Heinz-Galinski-Schule in Charlottenburg ist nicht die erste, in der Laptops im Unterricht eingesetzt werden. Aber die Vernetzung mit dem Whiteboard und der sogenannten Dropbox ist – zumindest im Grundschulbereich – berlinweit einzigartig.

Rita Nikolow
Schule Computer
Die Viertklässler der Heinz-Galinski-Schule verbringen etwa ein Fünftel der Unterrichtszeit vor ihren kleinen Notebook. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

„Wie süß“, rufen zwei Mädchen. Sie suchen gerade im Internet nach einem Eichhörnchenbild. Die neunjährige Estrellia hat schon eines gefunden und kopiert es in ihr Word-Dokument, in dem es um einen Besuch im Wald geht.

Estrellia besucht eine von zwei Klassen an der Charlottenburger Heinz-Galinski-Schule, die seit September regelmäßig mit speziellen kleinen Laptops arbeiten: sogenannten Classmate-PCs. Die handlichen Rechner haben einen Tragegriff und eine Touchscreen, also einen Bildschirm, der auf Fingerdruck reagiert. Alle 17 Schüler haben ihren eigenen kleinen Classmate-PC vor sich stehen.

Aber auch wenn das moderner aussieht, als wenn sich die Schüler über ihre Schreibhefte beugen: Die Fragen, mit denen die Deutschlehrerin Martina Godesa die Viertklässler quält, sind die gleichen: „Wo ist in diesem Satz das Subjekt?“, fragt sie. Ein Schüler meldet sich, kommt nach vorne und zeigt die Lösung am Whiteboard, das zwar in etwa so groß ist wie eine Schreibtafel, aber aussieht wie eine riesiger Computerbildschirm.

Auf das Whiteboard kann man zum einen schreiben, und zum anderen kann die Lehrerin dort auch Dokumente öffnen, die sich auf ihrer Festplatte gespeichert hat. Wie eben die Sätze über den Waldspaziergang. Der Neunjährige fährt nun mit seinem Finger über das Whiteboard, und zieht eine Linie nach oben in Richtung des Satzes „Die Kinder entdecken den Wald“. Die Linie platziert er dann unter „die Kinder“, um das Subjekt zu kennzeichnen.

„Sehr schön“, sagt Martina Godesa, die auch eine Art „Big Sister“ ist, denn sie kann auf ihrem Rechner immer nachschauen, was ihre Schüler gerade schreiben, und das den Klassenkameraden auf dem Whiteboard auch zeigen. Außerdem kann die Pädagogin überprüfen, ob ein Schüler etwas anderes im Internet sucht als Bilder von Tieren im Wald.

Die Galinski-Schule ist nicht die erste, in der Laptops im Unterricht eingesetzt werden (s. u.). Aber die Vernetzung mit dem Whiteboard und der sogenannten Dropbox ist – zumindest im Grundschulbereich – berlinweit einzigartig: Die Dropbox ist eine Art virtueller Ordner, zu dem man über die Internetseite der Schule gelangt. Nicht nur die Schüler, sondern auch die Eltern können von zu Hause aus auf die Dropbox zugreifen, und dort etwa auch das lesen, was die Klassenkameraden geschrieben haben.

„Die Eltern sind sehr interessiert an diesem Projekt“, sagt Maya Zehden von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Sie erhofft sich von der ultramodernen technischen Ausstattung auch eine verstärkte Nachfrage nach der Galinski-Schule und betont, dass die Schule auch für nichtjüdische Kinder offen ist. Die Teilnahme am Classmate-Projekt kostet neun Euro im Monat, wenn die Rechner gemietet, und 13 Euro, wenn sie gekauft werden. Nach und nach sollen nun alle Schüler ab der dritten Klasse mit den Rechnern arbeiten. Allerdings werden sie nur für etwa 20 Prozent der Unterrichtszeit eingesetzt. So ist klar, dass es weiterhin ganz normale Papierhefte gibt, um Schönschrift zu üben. Das Tippen mit zehn Fingern wird aber auch erlernt.

Nicht alle Pädagogen sind allerdings so begeistert von der neuen Technik. „Die Feinmotorik geht baden“, fürchtet etwa Swantje Goldbach, Lehrerin und Gründerin der Reformnachhilfeschule Lernwerk. Gerade für jüngere Schüler sei es wichtiger, selbst einen Stift in der Hand zu halten und zu schreiben oder zu malen als mittels Tastatur oder Touchscreen Buchstaben oder Bilder zu produzieren.

Vor allem aber befürchtet Goldbach, dass die Kinder sich zu früh daran gewöhnen, bei jeder Gelegenheit den Rechner anzuschalten. „Sie gewöhnen sich das an und spätestens in der Pubertät kommt man nicht mehr raus“, fasst Goldbach die Erfahrung vieler Eltern zusammen. Sie rät, Kinder in dem Alter nicht mehr als insgesamt eine Stunde pro Tag vor den Fernseher oder PC zu lassen.

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