Lernspiele : Immer einen Zug voraus

Gute Lernspiele machen schlauer. Aber vor allem machen sie Spaß

Maria Marquart
284792_0_bb813a90.jpg
... und raus bist du! Bis zum Alter von etwa fünf Jahren ist Kindern das Gewinnen gar nicht so wichtig. Danach geht’s aber um die...

Mit Ritter Kunibert spielend die Mathematik entdecken oder mit der Sprech-Hexe Wörter erkunden: Vom einfachen Brettspiel bis zur ausgefeilten Software lässt sich die Spielwarenbranche einiges einfallen, um Kindern spielerisch Wissen zu vermitteln. Eltern nehmen das Angebot gerne an. Eine Umfrage des Marktforschers NPD Group ergab 2008, dass 83 Prozent beim Spielekauf auf den Lerneffekt achten. Worauf es ankommt und wie man gute Produkte findet, sagen drei Pädagoginnen.

WARUM SIND LERNSPIELE IM KOMMEN?

„Viele Eltern wollen ihre Kinder jenseits von Schule und Kindergarten fördern“, sagt Julia Höke. Die Pädagogin vom Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen in Ulm entwickelt zusammen mit dem Ravensburger-Verlag Lernspiele für Kinder. „Der Anspruch geht in die Richtung, dass Kinder auch in ihrer Freizeit etwas Sinnvolles tun sollen“, sagt Höke. Auch Studien hätten gezeigt, dass im Spielen viele Chancen zur Förderung von Kindern liegen.

WAS MACHT EIN GUTES LERNSPIEL AUS?

Natürlich sollte es Spaß machen, rät Julia Höke. Außerdem sollte es den Entwicklungsstand des Kindes berücksichtigen, Erfolgserlebnisse bieten und Frustration vermeiden. „Etwas lernen kann man eigentlich in jedem Spiel“, meint Höke. So werde bei „Mensch ärgere dich nicht“ neben Zahlenverständnis auch strategisches Denken und der Umgang mit Emotionen trainiert. Diplom-Psychologin Sigrid Zverina vom Verein Spiel Gut warnt vor einer Reizüberflutung im Kinderzimmer. Nicht immer brauche es ein organisiertes Spiel. „Auch bei einem Spaziergang können zum Beispiel verschiedene Kompetenzen gefördert werden. Kinder lernen in allen Situationen.“

WAS SOLLTE MAN BEIM KAUF BEACHTEN?

„Das Spiel sollte zu Alter und Interessen des Kindes passen“, rät Höke. Bis etwa fünf Jahre stehe für Kinder zum Beispiel nicht das Gewinnen im Vordergrund. Oft ist auf der Packung schon beschrieben, was gefördert werden soll. Einige Verlage bieten Lernspielprogramme, die man vor dem Kauf im Internet durchforsten kann. Auch die Mitspieler sind wichtig. Eltern sollten sich überlegen, ob sie selbst Lust auf das Spiel haben. „Tipps für gute Spiele kann man sich auch im Kindergarten bei Erzieherinnen holen“, sagt Julia Höke. Auf gute Qualität weisen zudem Auszeichnungen und Gütesiegel hin, etwa das „Spiel des Jahres“ oder die des unabhängigen Vereins Spiel Gut.

AB WANN IST LERNSOFTWARE SINNVOLL?

„Ab etwa vier Jahren“, sagt Medienpädagogin Anne Radlinger, die sich bei Spiel Gut mit Computerspielen beschäftigt. Kinder im Vorschulalter sollten aber nicht täglich und nur maximal 30 Minuten am Tag vor dem Bildschirm sitzen, Grundschüler maximal eine Stunde. In diese „Medienzeit“ sollte auch die Zeit vor dem Fernseher eingerechnet werden. Der PC dürfe nicht zum Ersatz für andere Spiele werden. Und: Beim Spielekauf unbedingt auf die Alterskennzeichnung der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) achten.

WELCHE COMPUTERSPIELE SIND GUT?

„Die Software muss die Kinder ansprechen“, meint Anne Radlinger. Die Spiele sollten klar und übersichtlich gestaltet sein und positive Identifikationsfiguren enthalten. Im Idealfall regen sie zu Aktivitäten in der realen Welt an und locken die Kinder damit wieder vom Bildschirm weg. Eltern sollten den Nachwuchs nicht alleine am PC sitzen lassen, sondern sich auch mal die Spiele erklären lassen, rät die Medienpädagogin. Das gebe den Kleinen Selbstsicherheit. Außerdem sei es wichtig, zusammen mit den Kindern Regeln für die Spieldauer festzulegen. Als Belohnung oder Druckmittel („Heute kein Computer!“) sollte das Spielen am PC nicht verwendet werden.

SIND LERNSPIELE WICHTIGER ALS

„NORMALE“ SPIELE?

„Man sollte mit Kindern vor allem spielen, weil es Spaß macht“, sagt Pädagogin Julia Höke. Oft sei es weniger wichtig, was man spielt, sondern dass man überhaupt miteinander spielt. Der Computer könne traditionelle Brettspiele oder Lernmethoden nicht ersetzen, meint Medienpädagogin Anne Radlinger. „Ich sehe ihn nur als Erweiterung und Ergänzung des Lernens“, sagt die Expertin. Und: Trotz der Spiele bleibe Lernen ein anstrengender Prozess. Sie seien keine Wundermittel, könnten Kinder aber motivieren und das Lernen attraktiver machen.

Mehr im Internet:

www.spielgut.de

www.spieleratgeber-nrw.de

www.schau-hin.info

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben