Rund um die Zeitung : Schreiben, sprechen, lauschen

Der Erzählwettbewerb des Tagesspiegels dreht sich diesmal ganz um die Zeitung. Mit seinem Vorlesefinale liegt er voll im Trend.

Dorothee Nolte
erzählwettbewerb
Wortgewaltig. Das öffentliche Vorlesen in den Dahlemer Museen ist stets der Höhepunkt des Tagesspiegel-Wettbewerbs. -Foto: David Heerde

Zeitungen stecken voller Geschichten, wahren und nicht ganz wahren. Die Nachrichten und unerhörten Begebenheiten, die in früheren Epochen mündlich weitergetragen wurden, stehen heute in der Zeitung. Zeitung ist ein städtisches Phänomen, ist erzählte Stadt – und ein Ort, wo sich Geschichtenschreiber austoben können. Nicht ohne Grund verdienten Erich Kästner, Kurt Tucholsky oder Joseph Roth ihr Geld auch als Zeitungsschreiber.

Der Erzählwettbewerb des Tagesspiegels, der zum siebten Mal stattfindet, bringt diesmal die Welten zusammen: das schriftliche und das mündliche Erzählen, die Zeitung und die – ganz oder teilweise erfundenen – Geschichten. Schüler und Erwachsene sind aufgerufen, Geschichten rund ums Thema „Zeitung“ einzusenden. Sie können von Zeitungsausträgern handeln, von normalen Leuten, die sich plötzlich in der Zeitung wiederfinden, von überraschenden Begegnungen, von Zeitungsknäueln und -konfetti, kurz, von Zeitung in allen Formen.

Es winken Geld- und Sachpreise, die besten Geschichten werden gedruckt. Aber es kommt nicht nur darauf an, gut zu schreiben. Wichtig ist, dass die Geschichte auch beim mündlichen Vortrag überzeugt: Beim öffentlichen Halbfinale beziehungsweise Finale in den Museen Dahlem sollen die Erzähler das Publikum maximal acht Minuten lang fesseln. Und das gelingt vor allem mit den Ausdrucksmitteln der mündlichen Sprache: Stimme, Mimik, Blick, Kontakt zum Publikum.

Eine Geschichte zu hören, birgt eben eine andere Faszination als sie zu lesen. Unter anderem deswegen erlebt mündliches Erzählen oder auch Vorlesen in letzter Zeit einen Aufschwung. Wer gerne traditionelle oder auch moderne Geschichten hört, findet in Berlin viele Anlaufpunkte. An diesem Donnerstag beginnen wieder die Berliner Märchentage, diesmal steht die Schweiz im Mittelpunkt. An der Universität der Künste gibt es sogar einen Honorarprofessor für Story Telling, den Engländer Ben Haggarty. Die zahlreichen Lesebühnen finden seit Jahren ihr Publikum, und in der von Oliver Rohrbeck, Sprecher in der Kinderhörspielserie „Die drei ???“, gegründeten Lauscher Lounge kann man einmal im Monat zuhören, wie bekannte Schauspieler aus Drehbüchern und Hörspielen vorlesen. Lauschen, das heißt: Sich von einer Stimme davon tragen lassen, Bilder im Kopf sehen, mitfiebern, mitleiden und manchmal auch – den eigenen Ohren nicht trauen.

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