Schule : Beim Abitur gelten für alle dieselben Regeln

Die Senatsschulverwaltung legt neue Pläne vor. Am Gymnasium sollen nicht alle Pflichtkurse zählen.

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Nun also doch – auch an den Gymnasien fließen keine zusätzlichen Kurse in die Abiturnote ein. Ideen aus der Senatsschulverwaltung, wonach bei Gymnasiasten mehr Kurse in die Abiturbewertung eingehen sollten als bei Sekundar- beziehungsweise Gesamtschülern, sind vom Tisch. Vertreter von Gymnasien atmeten am Mittwoch auf: Wird der Entwurf zur Änderung der „Verordnung über die gymnasiale Oberstufe“ bestätigt, werden bei Abiturienten aller Schulen nun 24 Grundkurse und acht Leistungskurse in die Endnote eingerechnet. Belegen – also ohne für das Abitur relevante Benotung – müssen Gymnasiasten hingegen 32 und Sekundarschüler 25 Grundkurse.

Hintergrund ist, dass die Schüler der Sekundarschulen und der Oberstufenzentren überwiegend in 13 Jahren zum Abitur gehen, während die Gymnasiasten generell nur zwölf Jahre haben. Damit sie in dieser kürzeren Zeit die von der Kultusministerkonferenz festgelegte Gesamtstundenzahl erreichen, müssen die Gymnasiasten in den letzten zwei Schuljahren mehr Stunden belegen als die anderen Abiturienten – mindestens 33. Früher reichten unter Umständen schon 28.

Vor allem beim Verband der Oberstudiendirektoren ist man erleichtert über die gestrige Klarstellung: Wer in kürzerer Zeit zum Abitur gebracht werde, solle nicht noch jeden einzelnen Kurs mit der Sorge besuchen, dass seine Noten komplett ins Abitur einfließen könnten, sagte Verbandschef Ralf Treptow. Schließlich hätten Sekundarschüler und Fachgymnasiasten insgesamt drei Jahre Zeit bis zum Abschluss. Befürworter des Beschlusses von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) drücken es so aus: „Die einen nehmen den Expresszug zum Abitur, da sollte man wenigstens nicht in allen Kursen um die Note fürchten müssen. Die anderen nehmen den Bummelzug und haben ohnehin mehr Zeit, die nötige Stundenzahl zu sammeln.“

Zöllner erklärte am Mittwoch, dass nun gewährleistet sei, dass Schüler von Sekundarschulen, beruflichen Gymnasien und Gymnasien bei den Abiturergebnissen den gleichen Regeln unterliegen – unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Schulzeit. Die Lehranstalten ermunterte der Senator ausdrücklich, „attraktive Kurse“ anzubieten. Verhindert werden soll, dass Schüler diejenigen Kurse gelangweilt absitzen, die für ihre Abiturnote unwichtig sind. Geplant ist etwa, Bewerbungstraining anzusetzen.

Demnächst werden Lehrer- und Elternverbände zum Vorschlag befragt. Kaum aber jemand geht davon aus, dass die Verordnung noch torpediert wird. Auch aus der Lehrergewerkschaft GEW gab es positive Reaktionen. Ihre Vorsitzende Rose-Marie Seggelke lobte: „Zöllner hat Ruhe unter Schülern und Eltern geschaffen.“

Diese Ruhe war zwischenzeitlich völlig dahin, zumal die Informationslage dürftig war. Etliche Schulleiter vervollständigten die Verwirrung noch durch eigene Fehlinterpretationen der mündlich überbrachten Vorgaben.

Auch in der GEW hatte es zuvor eine Debatte gegeben. Einige Bildungsexperten argumentierten, dass niemand gezwungen sei, ein Gymnasium zu besuchen. Deshalb könnten für die Schüler dort auch höhere Anforderungen gelten. Ein gutes Abitur könne man schließlich ebenso an einer Sekundarschule ablegen. Der grüne Bildungsexperte Özcan Mutlu sagte gestern, das jetzt beschlossene Vorhaben sei ein richtiger Schritt, um das Abitur an den drei Schulformen gleichwertig zu machen. Hannes Heine

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