Tag der Talente : Nach Schulschluss: Himmelsforschung im Planetarium

Julian Petrasch und Lennart Schlieder sind den Asteoriden auf der Spur – Jetzt vertreten sie Berlin beim ersten bundesweiten Tag der Talente

Maria Ugoljew
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Den Himmel im Blick. Julian Petrasch (links oben) und Lennart Schlieder am

Ein Talent zu haben ist so etwas wie ein Geschenk, nur dass man sich das nie erst wünschen muss, sondern einfach in die Wiege gelegt bekommen hat. Dass das nicht immer nur toll ist, beschreibt Daniel Kehlmann in seinem Roman „Die Vermessung der Welt“. Dort haben Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß mächtig mit den Vorurteilen der Zeitgenossen zu kämpfen. Denn niemand versteht sie und ihre für die Welt seinerzeit revolutionären Gedanken.

So ähnlich ist das auch bei den beiden 17-jährigen Gymnasiasten Julian Petrasch und Lennart Schlieder aus Zehlendorf. „Als meine Klassenkameraden erfuhren, was wir machen, meinten die einfach nur: Ihr seid doch Freaks“, sagt Julian und lacht im nächsten Moment. Aufgeschlossen plaudern sie an einem der runden Tische in der Eingangshalle des Planetariums am Insulaner in Steglitz zwischen Meteoritenfunden und Weltallaufnahmen über die Schule, ihre Hobbys und ihr Projekt SAMS – Sky Align Methods Simulator, zu Deutsch Simulator für Himmelsvermessungsmethoden.

„Wenn man mich fragt, ob ich das mal erklären kann, sage ich immer nur: Du bist verrückt, wenn du das verstehen willst“, erzählt Julian, der mit sechs Jahren sein erstes Teleskop geschenkt bekommen hat und aktuell das Werner-von-Siemens-Gymnasium besucht. Einfach nachzuvollziehen ist es für einen Laien und nicht naturwissenschaftlich affinen Zuhörer dann auch wirklich nicht, wenn die 17-jährigen Nachwuchsforscher erläutern, wie sie das Computerprogramm zur Ortsbestimmung von Asteroiden entwickelt haben.

„Zwar gibt es schon solche Programme. Aber die sind oft veraltet oder an Betriebssysteme gebunden. Unseres ist leicht zu bedienen, kann mit jedem Betriebssystem geöffnet werden und liefert auch noch genauere Daten“, erklärt Julian. Zwei Jahre haben sie im Rahmen der Arbeitsgruppe Astrometrie der Wilhelm-Foerster Sternwarte am Insulaner an ihrem SAMS-Projekt gearbeitet. Und es hat beiden, da sind sie sich einig, „sehr viel Spaß gemacht“. „Und wenn etwas Spaß macht, dann sitzt man auch gerne mal länger daran. Sogar länger als in der Schule“, sagt Lennart, der das Zehlendorfer Schadow-Gymnasium besucht. Für die viele Arbeit gab’s im Mai dieses Jahres den ersten Preis beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“.

Als Preisträger solch eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Wettbewerbs haben sie für das kommende Wochenende auch eine Einladung zum Tag der Talente. Neben den beiden Nachwuchsastronomen zählen zu den geladenen Gästen 298 weitere Preisträger, die aus den diesjährigen Bundeswettbewerben wie Theatertreffen der Jugend, Treffen Junger Autoren sowie den internationalen mathematischen und naturwissenschaftlichen Olympiaden hervorgegangen sind.

Allein aus Berlin sind neben Julian Petrasch und Lennart Schlieder zehn weitere Preisträger dabei. Sie haben so unterschiedliche Wettbewerbe gewonnen wie den Bundeswettbewerb Fremdsprachen, den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, den Auswahlwettbewerb zur Internationalen Biologie-Olympiade oder sie reüssierten bei „Jugend musiziert“.

Der Tag der Talente steht in diesem Jahr unter dem Motto „Am Anfang steht Begeisterung“. Mit diesem Gedanken wird Susanna Schmidt vom Bundesbildungsministerium alle Teilnehmer am Sonnabend im Tipi am Kanzleramt in Empfang nehmen. Der Sonntag steht dann im Zeichen der Praxis: 15 von Experten geführte Workshops sind geplant, bei denen die jungen Talente Spannendes und Neues erfahren werden und die Möglichkeit haben, Kontakte mit anderen Teilnehmern und Experten zu knüpfen. Mit der Rede von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Montag wird die dreitägige Veranstaltung, die auf Leistungen und Begabungen der jungen Talente aufmerksam machen soll, feierlich beendet.Maria Ugoljew

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