Vergleichsstudie : Berlin ist bei Kitagebühren am billigsten

Berliner Eltern müssen laut einer neuen Studie im bundesweiten Vergleich am wenigsten Kindergartengebühren aufbringen. Potsdam ist dagegen sehr teuer.

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Eltern zahlen in Berlin für einen Kindergartenplatz deutlich weniger als in den meisten anderen deutschen Städten. Das ist das Ergebnis des „Kindergartenmonitors 2010“, den das Institut der deutschen Wirtschaft in Berlin vorstellte. Im Vergleich aller Normalverdiener-Familien mit einem Kind sind es die Berliner, die mit durchschnittlich 365 Euro jährlich, verteilt über die gesamte Kindergartenzeit, sogar den bundesweit niedrigsten Kostenbeitrag in gebührenpflichtigen Städten leisten. In Bremen beispielsweise werden Familien mit 1752 Euro zur Kasse gebeten. Günstiger als in Berlin kommen Eltern nur in Städten weg, in denen eine grundsätzliche Beitragsfreiheit gewährt wird. Diese gilt zum Beispiel in Düsseldorf, Koblenz, Mainz und Heilbronn.

In Berlin liegen Gutverdiener mit 940 Euro ebenfalls klar unter dem Schnitt. Noch vor zwei Jahren waren es 1316 Euro mehr. Ausschlaggebend für die positive Bilanz ist laut Oliver Steinbach, stellvertretender Chefredakteur der Zeitschrift „Eltern“, die die Studie gemeinsam mit der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in Auftrag gegeben hatte, dass für zwei von drei Kindergartenjahren in Berlin inzwischen der Senat die Kosten trägt. Das senkt den Beitragsschnitt enorm. Ab 2011 soll auch das erste Betreuungsjahr gebührenfrei sein. Damit wäre Berlin die einzige deutsche Millionenstadt, die die Kinderbetreuung komplett bezahlt. „In puncto Familienfreundlichkeit ist Berlin also ein absoluter Vorreiter“, sagt Steinbach, der bemängelt, dass der Staat zwar die Schulen unterhalte, nicht aber durchgehend auch die Kindergärten. Noch immer gebe es deshalb Vier- und Fünfjährige, die keinen Kindergarten besuchen. „Das muss sich ändern“, fordert Steinbach. „Gerade gezielte Förderung im Kleinkindalter kann verhindern, dass sich Bildungsarmut über Generationen hinweg vererbt“, sagte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr.

Während Berliner Familien demnach reichlich Grund zur Freude haben, sieht es bei den brandenburgischen Nachbarn eher düster aus: In Potsdam und Cottbus zahlen Eltern zum Teil die höchsten Beiträge. Familien mit zwei Kindern und einem Einkommen von 80 000 Euro müssen in Potsdam beispielsweise jährlich 3696 Euro zahlen. „Insbesondere Städte mit angespannten Finanzen sehen sich häufig gezwungen, den Kindergarten teurer zu machen, als sie wollen“, sagt Steinbach und spricht von einer „Todesspirale“. Dort, wo Förderung am notwendigsten ist, sei meist kein Geld für sie da.

Im Rahmen der Untersuchung verglichen Wissenschaftler die Kindergartengebühren in den 100 größten Städten am Beispiel von Modellfamilien mit ein bis zwei Kindern und einem jährlichen Bruttoeinkommen von 45 000 beziehungsweise 80 000 Euro. Die Gebührenhöhe bezieht sich auf die jeweilige Mindestbetreuungszeit, in der Regel eine Halbtagsbetreuung. Im Osten sind die Preise tendenziell höher als im Westen. Auch ein Nord-Süd-Gefälle stellten die Forscher fest: Im Norden belasten die Kindergartengebühren das Familienbudget erheblich stärker als in Süddeutschland.

Im Berliner Senat nahm man die Ergebnisse der Studie am Montag erfreut zur Kenntnis. „Sie beweisen, dass Berlin familienpolitisch auf einem guten Weg ist“, sagte Pressesprecher Martin Sand. „Deshalb wurde im vergangenen Jahr die Entscheidung getroffen, die Kindergartengebühren auf lange Sicht abzuschaffen: Frühkindliche Förderung darf nicht am Geld scheitern.“

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