Was machen wir heute? : Hefte kaufen

Ladenöffnungzeiten vs. Schulanfangszeiten: Wie eine Mutter die Stadt erleben kann.

Nicola Kuhn

Auch wenn Jan und Josefine mittlerweile in die dritte Klasse gehen, so haben sie sich noch immer nicht ganz daran gewöhnt. Jeden zweiten Morgen kommen wir fast zu spät: Mal ist eine Karambolage beim Zähneputzen, mal ein rausgerutschter Schnürsenkel schuld daran. Auch mit den Schulsachen, die laut Hausaufgabenheft neu mitzubringen sind, klappt es noch immer nicht so ganz. Meist fällt Josefine kurz vor dem Schlafengehen kreischend ein, was noch fehlt. Um dem Kind schlechte Träume zu ersparen, erkläre ich dann stets souverän: „Keine Sorge, das kaufen wir morgen früh vor der Schule ein.“ Pädagogisch ist das höchst fragwürdig, so lernt die kleine Schlampina nie, selbst daran zu denken.

Doch seit diesem Schuljahr ist uns auch dieser Rettungsweg versperrt. Jan und Josefines Schule hat einfach den Unterrichtsbeginn um eine Viertelstunde auf acht Uhr vorverlegt, damit die Kinder längere Pausen haben und ihre Lehrer in Ruhe die Klasse wechseln können. Recht haben sie, auch wenn das unsere morgendliche Hast erhöht. Nur unser Lieblingsladen, das Schreibwarengeschäft, weigert sich, seine Öffnungszeiten anzupassen. Bis vor den Sommerferien konnten wir immer noch kurz vor Schulbeginn in den Laden rasen, „Liniert!“ oder „Füllerpatronen!“ brüllend. Stets wurden wir zuvorkommend bedient, auch wenn die Putzfrau mit ihrem Staubsauger noch herumfuhrwerkte. Die freundlichen Verkäufer haben uns nun eisern erklärt, dass Service zwar zu ihren Qualitäten gehört, aber zwölf Stunden Öffnungszeiten müssten reichen; früher ginge nicht. Für uns ist das fatal: Zwei Mal habe ich schon Hefte in den Unterricht nachgereicht, von Josefine mit seligem Lächeln quittiert. Noch hat mich ihre Lehrerin nicht ermahnt. Zum Glück. Doch ich bin zuversichtlich, dass wir auch das lernen, so wie jeder Morgen die Chance zum Pünktlichkommen birgt. Gemeinsam haben wir noch mindestens neun Jahre Zeit. Die Freude war zu früh, als ich mich mit dem Abitur der Schule entlassen fühlte.

Thörner fürs Büro, Salzburger Str. 9, Tel. 789592-0.

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