Elektroautos : Elektromobilität in Berlin funktioniert bisher schlecht

Ein E-Auto ist gut und schön, aber in der Stadt? Die Suche nach Ladesäulen ist zum Verzweifeln. Wer auf dem Land wohnt, nutzt die eigene Steckdose

Peter Maahn
Anzapfen? In der Hauptstadt ist die Suche nach Ladesäulen ziemlich kompliziert, sie sind entweder belegt oder zu weit weg.
Anzapfen? In der Hauptstadt ist die Suche nach Ladesäulen ziemlich kompliziert, sie sind entweder belegt oder zu weit weg.Foto: promo

Die Regierung sitzt immer noch auf gut einer Milliarde Euro Förderprämie für Elektroautos. Nur gut 7000 Privatleute haben die pro Kopf zur Verfügung stehenden 4000 Euro bisher abgerufen. Zwar hat die Industrie ein paar Modelle auf den Markt gebracht, doch geht ihnen immer noch viel zu früh der Strom aus. Ladesäulen am Straßenrand veröden und werden immer wieder von Benzin- und Diesel-Autos zugeparkt. 

Georg H. zum Beispiel wohnt dort, wo Berlin besonders attraktiv ist. Im vierten Stock eines schönen Altbaus in der Bayernallee in Westend. Der 36-Jährige verdient sehr gut, achtet beim Einkaufen im Bio-Supermarkt auf Nachhaltigkeit und hat einen Vertrag für grünen Strom. Die perfekte Zielgruppe also für ein Auto mit Elektroantrieb. Auch deshalb, weil sein Büro im 26 Kilometer entfernten Adlershof liegt und er sich nicht auf Busse und Bahnen verlassen möchte. 

Er habe sich für einen BMW i3 interessiert, sagt der Betriebswirt, doch fahre er noch immer einen benzingetriebenen Vierer-BMW, da die Gegebenheiten vor Ort ausgesprochen unfreundlich für ein Elektroauto seien. „Ich kurve heute schon jeden Abend eine gefühlte Ewigkeit, bis ich einen Parkplatz gefunden habe“, sagt Georg H., „wo soll ich ein Elektroauto denn bitte aufladen?“ Die nächste Ladesäule am Theodor-Heuss-Platz ist eigentlich nur ein paar Minuten Fußweg entfernt. „Doch was nützt mir das?“, fragt Georg. „Wenn ich mein Auto abends dort abstelle, soll ich mir dann um drei Uhr früh den Wecker stellen und es wieder abholen, weil ich den Platz schließlich nach dem Laden wieder freigeben muss?“

 Wer in den begehrten Altbau-Wohnlagen einer Großstadt lebt, wird sich selten für die neue Autowelt erwärmen können. Ausgerechnet hier, wo die Menschen mehr verdienen als anderswo und eigentlich das nötige Geld hätten, ist ein E-Auto wenig sinnvoll. Die Parkplatznot erschwert das Aufstellen einer ausreichenden Zahl von Ladestationen am Straßenrand, und die Altbauten verfügen über keine Tiefgaragen. 

Hightech-Stromspender sind für Privatmenschen unbezahlbar

Ganz anders sieht es bei all jenen aus, die von teuren Mieten aus der Stadt vertrieben wurden, die eine Garage oder einen Carport haben und daheim nachts laden können, bevor es wieder zur Arbeit in die Metropole geht.

Dennis F. ist gerade mit Frau und Sohn in eine Doppelhaushälfte nach Falkensee gezogen und hat sich den neuen VW e-Golf zugelegt. „Ich fahre täglich elf Kilometer nach Berlin und abends wieder zurück“, sagt der Universitätsangestellte.

Den e-Golf einmal pro Woche aufzuladen, reiche völlig aus. „Nur bei Frost schließe ich das Auto jeden Abend an“, sagt er. Dazu allerdings musste Dennis F. nochmal sein Bankkonto belasten und eine sogenannte Wallbox bestellen. Gut 1000 Euro kostet sie und soll mit stärkerem Strom für schnellere Ladezeiten sorgen, als es die normale Haushaltssteckdose möglich macht. An der müsste so ein 136 PS starker Golf für gut 17 Stunden andocken, um die leere Batterie wiederzubeleben. An der Wallbox dauert das Ganze nur rund fünfeinhalb Stunden. 

Unterwegs an einer der neuen, aber seltenen Gleichstromsäulen wäre ein leerer Akku in 45 Minuten wieder zu 80 Prozent gefüllt. Doch die Hightech-Stromspender sind für Privatmenschen noch unbezahlbar und stehen meist an Autobahnen.

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