Ägyptologie an der FU Berlin : Eine hochentwickelte Kultur

Am ägyptologischen Seminar der Freien Universität Berlin wird das enorme Wissen der alten Ägypter erforscht.

Osiris, der Gott der Mumifizierung und der Toten wird auf dieser Papyrus-Malerei (1570- 715 v. Chr.) angebetet, und ihm wird ein Opfer dargebracht.
Osiris, der Gott der Mumifizierung und der Toten wird auf dieser Papyrus-Malerei (1570- 715 v. Chr.) angebetet, und ihm wird ein...Foto: Ullsteinbild – Archiv Gerstenberg

Sie errichteten Tempel und Pyramiden, dank ihres komplexen Wissens über Architektur. Sie hatten enorme medizinische Kenntnisse, die der europäischen Welt erst im Mittelalter bekannt waren. Und sie waren eines der ersten Völker, die ein hochentwickeltes Schrifttum besaßen: die Hieroglyphen als Monumentalschrift und die hieratische Schrift für Profantexte auf Papyrus und Dokumente aus Ton und Stein. Doch die Menschen im alten Ägypten und ihre hochentwickelte Kultur geben Wissenschaftlern bis heute Rätsel auf.

Forscher am Ägyptologischen Seminar der Freien Universität Berlin helfen dabei, einige dieser Rätsel zu entschlüsseln. Zeitlich deckt ihre wissenschaftliche Arbeit die ganze Breite der alten ägyptischen Kulturgeschichte ab: von der prädynastischen Zeit im späten 4. Jahrtausend v. Chr. über die pharaonische Epoche von etwa 3000 v. Chr. an bis hin zur koptischen Zeit, in der sich das Christentum in Ägypten ausbreitete. Die Ägyptologie ist breit angelegt: Sie vereint philologische Studien, also die Lektüre und Auslegung von Originaldokumenten, mit archäologischer Forschung vor Ort.

„Beide Elemente sind Teil des Studiums. Das ist ein klarer Vorteil“, sagt Elisabeth Kruck, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut. Die Ägyptologin schreibt derzeit an ihrer Doktorarbeit über Bestattungen im alten Ägypten. „Ich untersuche, in welcher Weise im Alten Ägypten Begräbnisse vonstatten gingen, welche Beigaben in die Gräber gelegt wurden und welche Texte in diesem Zusammenhang eine Rolle spielten.“ Dabei beschäftigt sich Elisabeth Kruck mit dem Mittleren Reich, das etwa 2100 v. Chr. beginnt. In dieser Zeit herrschte bei den Ägyptern die Vorstellung, dass sich Diesseits und Jenseits ähnelten. „Aus diesem Grund legte man Gegenstände, zu denen auch Nahrungsmittel gehörten, in die Gräber. Sie sollten dem Verstorbenen auch im Jenseits zur Verfügung stehen.“

Parallel dazu gab es die Vorstellung einer vom Gott Osiris beherrschten Unterwelt. „Im Neuen Reich war die Vorstellung zentral, dass die Verstorbenen im Tagesverlauf gemeinsam mit dem Sonnengott in einer Barke über den Himmel ziehen und somit jeden Morgen mit der Sonne aus der Unterwelt auferstehen“, sagt Elisabeth Kruck. Die Ägyptologin betont die Vielschichtigkeit der ägyptischen Kultur: „Es existierte eine hochentwickelte religiöse Vorstellung vom Jenseits und von der Rolle der Götter. Es ist faszinierend zu sehen, wie komplex die Ägypter ihre Welt sahen.“ Am Ägyptologischen Seminar arbeiten zurzeit drei Professorinnen und Professoren und vier wissenschaftliche Mitarbeiter. Professor Jochem Kahl ist auf die pharaonische Zeit spezialisiert. Derzeit erforscht er in einem Langzeitprojekt die altägyptische Nekropole von Assiut, in der sich unter anderem Gaufürstengräber der Ersten Zwischenzeit und des Mittleren Reiches befinden. Sebastian Richter ist Professor für Koptologie und damit Experte für die Zeit der koptischen Christen in Ägypten. Zudem gibt es eine Juniorprofessur, die von Joanne Rowland vertreten wird. Sie untersucht in einem Drittmittelprojekt die prähistorische Zeit im Nildelta.

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