Berliner Hochschulvertrag : Ein gutes Signal

In der Rekordzeit von knapp acht Wochen ist der Berliner Hochschulvertrag ausverhandelt worden. Das, was mit dem Senat verabredet wurde, kann sich sehen lassen.

Peter-André Alt
Professor Peter-André Alt ist Literaturwissenschaftler und seit 2010 Präsident der Freien Universität.
Professor Peter-André Alt ist Literaturwissenschaftler und seit 2010 Präsident der Freien Universität.Foto: Bernd Wannenmacher

Die Hochschulen erhalten von 2018 an jährlich 3,5 Prozent mehr als im vorherigen Vertragszeitraum, wodurch sie am Ende der Vertragslaufzeit – 2022 – einen Zuschuss von insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro erreichen werden. Eine solche Steigerung hat es seit 20 Jahren nicht gegeben. Das Vertragswerk würdigt damit die herausragende Arbeit der Berliner Universitäten, Fachhochschulen und künstlerischen Hochschulen in Lehre und Forschung. Die Politik erkennt aber auch die enormen Anstrengungen der Universitäten in den vergangenen Exzellenzwettbewerben an und wird diese mit gesonderten finanziellen Mitteln dabei unterstützen, im anstehenden Exzellenz- Verfahren an die bisherigen Erfolge anzuknüpfen.

Der Hochschulvertrag schafft eine gute Basis für die Fortsetzung der erfolgreichen Arbeit, stellt aber hohe Erwartungen an die beteiligten Einrichtungen. Zunächst ist festzuhalten, dass die Hochschulen auf dem hohen Niveau der aktuellen Aufnahmekapazitäten verbleiben. Das ist insbesondere deshalb erforderlich, weil der Bund nur dann 144 Millionen Euro jährlich nach Berlin gibt, wenn die Auslastung der Studienplätze entsprechend hoch ist. Einige Fächer werden also weiterhin große Studierendenzahlen bewältigen müssen, damit die Rechnung aufgeht. Allerdings existiert ein Bereich, der wachsen soll: die Lehramtsausbildung. Gelingt es hier, die erwarteten Zielwerte zu erreichen, dann werden sich auch die Gesamtlasten besser verteilen. Dies ist eine der größten Herausforderungen, die sich aus der neuen Vertragskonstruktion ergeben.

Mehr Geld, aber auch mehr Aufgaben

Die lehrkräftebildenden Hochschulen des Landes sollen die Zahl der jährlich abschließenden Lehramtsstudierenden auf nun 2000 verdoppeln. Für alle Berliner Universitäten bedeutet das einen erheblichen Ausbau von Studienplatzkapazitäten. Nachdem schon im vergangenen Jahr eine Erweiterung der Grundschullehrer-Ausbildung mit dem Land vereinbart worden war, erhöht sich die erforderliche Absolventenquote im Lehramt nochmals deutlich. Das ist mit Blick auf die wachsende Stadt eine gesellschaftliche Herausforderung, derer sich auch die Hochschulen annehmen werden. Sie schaffen im Laufe der kommenden Monate weitere Professuren in der Lehramtsausbildung und werden entsprechende Raumkapazitäten bereitstellen, die für die höheren Ausbildungszahlen erforderlich sind. Noch ist allerdings offen, ob es auch zu einer Steigerung der Bewerberzahlen kommt. Neben allen organisatorischen Anpassungsprozessen sind es gemeinsame Aufgaben für die Hochschulen und das Land, die ineinandergreifen müssen: Junge Menschen für ein Lehramtsstudium zu motivieren und Berlins Schulen als Berufsfeld attraktiv zu machen. Nur so wird sich das Problem des Lehrkräftemangels in Berlin nachhaltig lösen lassen.

Fazit: Mehr Geld, aber auch mehr Aufgaben – und wie immer, wenn man die Zukunft plant, einige Unwägbarkeiten, die die Berliner Hochschulen herausfordern werden. Unter dem Strich aber bedeutet der neue Vertrag ein gutes Signal für die Wissenschaftsstadt Berlin und ihre vielfältigen Handlungsfelder.

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