Das Italienzentrum an der FU : Ciao Berlino!

Seit 20 Jahren bündelt das Italienzentrum an der Freien Universität die Forschung zu dem südeuropäischen Land.

Manuel Krane
Francesco Petrarca: Der italienische Dichter aus dem 15. Jahrhundert ist heute noch ein Botschafter seines Landes.
Francesco Petrarca: Der italienische Dichter aus dem 15. Jahrhundert ist heute noch ein Botschafter seines Landes.Foto: Wikimedia

Bis ins Jahr 1996 war die Italienforschung an der Freien Universität disziplinär eingegrenzt. Sie existierte an einzelnen Fachbereichen, war aber nicht miteinander verknüpft: Am Institut für Romanische Philologie befasste man sich mit italienischer Sprache und Literatur, am Kunsthistorischen Institut mit Werken italienischer Maler, am damaligen Fachbereich Politische Wissenschaft mit italienischer Politik.

Es gab in vielen Bereichen Forschung zu Italien, aber keinen Ort, an dem diese zusammenlief. So entstand die Idee der Professoren Klaus Hempfer und Jürgen Trabant, der Gründungsväter des Italienzentrums, eine Institution zu schaffen, die die gesamte Italienforschung in Berlin und Potsdam bündelt.

„Durch den Austausch zwischen den verschiedenen Disziplinen konnten nun italienrelevante Themen umfassender erforscht werden“, sagt der heutige Direktor des Zentrums, Professor Bernhard Huß. So entstand eine Kooperation zwischen der Freien Universität, der Humboldt-Universität, der Technischen Universität, der Universität Potsdam und dem zur Italienischen Botschaft gehörigen Italienischen Kulturinstitut.

Ziel des Italienzentrums sei es immer gewesen, Brücken zu schlagen zwischen verschiedenen Disziplinen, die beim Thema Italien zusammenkommen. „Es ist auch gelungen, das Spektrum immer mehr zu erweitern“, sagt Bernhard Huß, „dabei geht es nicht nur um naheliegende Fachrichtungen wie Kunstgeschichte oder Archäologie, wir haben auch schon mit Meteorologen, Chemikern und Biologen kooperiert.“

Bis 35 Programmpunkte stehen pro Jahr im Veranstaltungskalender

Vor 20 Jahren wurde das Zentrum durch Abschluss eines Kooperationsvertrages zwischen dem Italienischen Kulturinstitut und den beteiligten Universitäten gegründet. Der eigentliche Betrieb begann drei Semester später. Im November 1998 folgte die feierliche Inaugurationsveranstaltung, bei der dem Schriftsteller und Wissenschaftler Professor Umberto Eco die Ehrendoktorwürde der Freien Universität verliehen wurde.

Seitdem hat das Italienzentrum mit zahlreichen Angeboten auf sich aufmerksam gemacht. 30 bis 35 Programmpunkte pro Jahr umfasst der Veranstaltungskalender. Dazu gehören Workshops, Vorträge sowie Buch- und Filmpräsentationen, die als öffentliche Veranstaltungen auch von vielen interessierten Berlinern aufgesucht werden.

Ziel solcher Veranstaltungen sei es auch, verschiedene Disziplinen zusammenzubringen, sagt Sabine Greiner, die als Geschäftsführerin das vielfältige Programm koordiniert. Sie nennt als Beispiel eine Performance zu Francesco Petrarcas Gedichtsammlung „Trionfi“, die Studierende der Italianistik und der Kunstgeschichte entwickelt haben. Dabei wurden die Verse des Schriftstellers, der im 14. Jahrhundert lebte, von einem Orchester für Alte Musik musikalisch untermalt. „Das war ein ganz besonderer Abend“, sagt Greiner, „die Mischung aus Musik und Text hat die Werke auf eine schöne Weise dem Publikum nähergebracht.“

Im Italienzentrum versammeln sich bei Tagungen regelmäßig Wissenschaftler aus der ganzen Welt in Dahlem. Dabei werden auch neue Methoden erprobt. Bei einer Tagung, die sich mit dem Werk Giorgio Bassanis befasste, sollten alle Teilnehmer zu genau einer Seite aus dem Werk des Schriftstellers referieren. „Daraus sind fantastische Beiträge entstanden; das Experiment hat sich als fruchtbar erwiesen“, resümiert Greiner. Es konnten ganz neue Facetten des Autors erschlossen werden, der in Deutschland vor allem für seinen Roman „Die Gärten der Finzi-Contini“ bekannt geworden ist. In dem Buch wird das Leben einer jüdischen Familie im faschistischen Italien geschildert. Auch die Studierenden profitieren von der Einrichtung eines interdisziplinären Italienzentrums: Viele Veranstaltungen des Zentrums sind Teil ihres Lehrplans.

Im Herbst kommt der Botschafter

Seit einigen Jahren gibt es den Bachelorstudiengang Italienstudien, in dem das südeuropäische Land aus kultur-, wirtschafts-, und rechtswissenschaftlicher Perspektive betrachtet wird; hinzu kommt eine umfangreiche Sprachausbildung. „Wir haben sehr viel Kompetenz an Bord und können das auch in der Praxis für die Studierenden umsetzen“, sagt Sabine Greiner über den Studiengang, und Bernhard Huß ergänzt: . „Ein solches Angebot in dieser Dichte gibt es in Deutschland nur bei uns.“

Das Zentrum wird mitfinanziert vom Italienischen Kulturinstitut, mit dem über dessen Direktor Luigi Reitani eine erfolgreiche Kooperation besteht. Der italienische Botschafter in Berlin, Pietro Benassi, war seit seinem Amtsantritt 2014 bereits mehrfach am Italienzentrum zu Gast.

Im Herbst will er wiederkommen. Dann soll Pietro Benassi bei der Eröffnung des Wintersemester-Programms zur Rolle Deutschlands und Italiens im Kontext der gesamteuropäischen Situation sprechen. Der Botschafter weiß auch um die Bedeutung der akademischen Kontakte, die über das Italienzentrum geknüpft wurden.

Für die Freie Universität hat das Italienzentrum einen hohen Stellenwert, es ist ein Beispiel für die internationale Vernetzung der Hochschule. „Wenn es um den akademischen Kontext geht“, sagt Bernhard Huß, „ist heute relativ klar, dass die Freie Universität in Bezug auf Italien-Studien die erste Anlaufstelle in Deutschland ist.“

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