Deutschlandstipendium : Stipendiaten im Porträt

In zwei Jahren Deutsch gelernt: Sulav Duwal aus Nepal erforscht Stoffe, die das HI-Virus hemmen.

Peter Schraeder
Kampf gegen Aids: Sulav Duwal promoviert im Fach Bioinformatik.
Kampf gegen Aids: Sulav Duwal promoviert im Fach Bioinformatik.Foto: Bernd Wannenmacher

Für Aids gibt es nach wie vor keine Heilung oder Impfung. Um die Krankheit zu bekämpfen, ist Prävention immer noch am wirkungsvollsten. In seiner Doktorarbeit forscht Sulav Duwal, der zwei Jahre lang Deutschlandstipendiat war, an einer Verbesserung virushemmender Wirkstoffe. Als Vorbild dienen Malaria-Impfstoffe, die die Vermehrung des Parasiten im Ansatz verhindern. „Ähnliches will ich für das HI-Virus erreichen“, sagt Duwal. Schon in Nepal, seinem Heimatland, engagierte sich der heute 29-Jährige in einer Hilfsorganisation, um die Bevölkerung über Verbreitungswege der Krankheit aufzuklären. 2005 kam Duwal nach Deutschland, um in Kassel und an der Freien Universität Berlin Bioinformatik zu studieren. Er sprach kein Wort Deutsch, lernte die Sprache aber in nur zwei Jahren. Besonders hilfreich fand Duwal, dass ihm während seiner Stipendienzeit ein Mentor zur Seite stand, ebenfalls ein Bioinformatiker. Mit ihm konnte er sich sowohl über Privates als auch über Berufliches austauschen. „Das hat mir eine Richtung gegeben“, sagt der Doktorand. „Und wir stehen heute noch in Kontakt.“

Mehr Zeit für andere Dinge: Rosa Schritt ist für ein Auslandssemester im italienischen Bologna

Lehramtsstudentin Rosa Schritt freut sich über die Anerkennung ihrer Leistungen.
Lehramtsstudentin Rosa Schritt freut sich über die Anerkennung ihrer Leistungen.Foto: privat

„Es gibt viele Parallelen zu Berlin“, findet sie. „Bologna ist voll von Studenten. Es herrscht eine sehr multikulturelle und offene Stimmung“, meint Rosa Schritt. Neben ihrem Studium engagiert sie sich ehrenamtlich: In einem Sportverein trainierte sie Jugend- und Seniorengruppen. Zuletzt hat die Studentin eine Lizenz als Kursleiterin für präventive Wirbelsäulengymnastik erworben. "Das Stipendium verschafft mir Zeit für diese Dinge. Und die finanzielle Unterstützung ist eine Anerkennung meiner Leistungen“, sagt die Stipendiatin, die an der Freien Universität einen Lehramts-Masterstudiengang in Mathematik und Latein belegt hat. Seit Herbst 2015 wird Rosa Schritt von der Friede Springer Stiftung gefördert. Bevor sie nach Italien aufbrach, gab es ein erstes Treffen mit der Stiftung, die insbesondere die Ausbildung von Grundschullehrern in den Fächern Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften fördert. „Ich hoffe, nach dem Auslandssemester ergibt sich die Gelegenheit für einen intensiveren Austausch – vielleicht auch mit der prominenten Förderin“, sagt Rosa Schritt.

Doppelt Glück gehabt: Marcel Kaiser schätzte den Austausch mit Förderern und Mentor

Heute ist Marcel Kaiser Unternehmensberater und reist viel nach Osteuropa.
Heute ist Marcel Kaiser Unternehmensberater und reist viel nach Osteuropa.Foto: Bernd Wannenmacher

"Ich hatte mit meinem Stipendium doppeltes Glück“, sagt Marcel Kaiser. Denn er konnte sich nicht nur mit seinem Mentor, einem Vertreter der Automobilindustrie, über fachliche Fragen austauschen. Auch seine Förderer, der Geschäftsführer einer Kommunikationsagentur und eine Investitionsbank, standen ihm mit Rat und Tat zur Seite. „Das hat mir sehr geholfen bei der Frage: Wohin geht es nach dem Studium?“ Inzwischen hat Kaiser diese Frage geklärt. Er ist Unternehmensberater bei einer Berliner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und reist oft nach Osteuropa. Zwei Jahre lang war er Deutschlandstipendiat. Während seines Wirtschafts- und Managementstudiums an der Freien Universität engagierte er sich bei einem sozialen Projekt für die Entwicklung eines beruflichen Orientierungs-Workshops für Schüler. Zusammen mit Freunden nahm er 2010 an dem Funpreneur-Wettbewerb der Freien Universität teil. Die Gruppe gewann das Planspiel, bei dem es darum geht, mit fünf Euro Startkapital eine Gründungsidee umzusetzen. Ihr Produkt war ein neuartiger Stadtführer für Berlin, den das Team schließlich produzierte und in den Verkauf brachte.

Viele Kontakte: Peter Venjakob war neugierig auf die Fächer der anderen Stipendiaten

Raus aufs Land: Peter Venjakob arbeitet heute als Tierarzt und promoviert an der Freien Universität.
Raus aufs Land: Peter Venjakob arbeitet heute als Tierarzt und promoviert an der Freien Universität.Foto: Bernd Wannenmacher

Peter Venjakob hat Veterinärmedizin auf dem Campus in Düppel studiert, tief im Süden Berlins, etwas entfernt vom Hauptcampus der Freien Universität in Dahlem. Umso mehr habe er sich gefreut, dass er durch das Deutschlandstipendium Kontakt zu Studierenden vieler anderer Fachrichtungen bekommen habe, sagt er. Die Förderung erhielt er nicht nur wegen guter Noten, sondern auch dank seines sozialen Engagements: Venjakob brachte sich in die heimatliche Kirchengemeinde ein und war in der Fachschaft seines Studienbereichs aktiv. Sein Förderer kam aus der Life-Science-Branche, sein Mentor aus der Bioinformatik. Gegen Ende des Studiums schlug er aber die Richtung ein, die ihn schon früh am meisten interessiert hatte: die Arbeit als praktischer Tierarzt. „Ich wollte in die Natur, hinaus aufs Land.“ Heute arbeitet er halbtags in einer Tierarztpraxis in Baruth und promoviert an der Freien Universität. Venjakob lobt besonders die Organisation des Stipendiums durch das Team der Geschäftsstelle Deutschlandstipendium der Freien Universität. Ob er das Stipendium weiterempfehlen würde? „Hab ich schon“, sagt er und lacht, „meine Schwester ist jetzt im Programm.“

FÖRDERER GESUCHT

Bereits mit einer monatlichen Spende von 150 Euro können Sie die Ausbildung von Studierenden der Freien Universität Berlin unterstützen. Dieser Betrag wird in gleicher Höhe aus Mitteln des Bundes ergänzt, sodass die Stipendiatinnen und Stipendiaten eine Studienfinanzierung von monatlich 300 Euro erhalten. Dem Auswahlverfahren wird ein weiter Leistungsbegriff zugrunde gelegt: Gute Noten und Studienleistungen gehören ebenso dazu wie die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, oder das erfolgreiche Meistern von Hindernissen im eigenen Lebens- und Bildungsweg. Als Förderer können Sie die Kriterien für die Vergabe mitbestimmen, etwa das Studienfach einer Bewerberin oder eines Bewerbers. Darüber hinaus können Sie im Rahmen unseres Mentoring-Programms den Studierenden mit Tipps, Erfahrungen und Feedback beratend zur Seite stehen. Da das Engagement als gemeinnützig anerkannt ist, können Sie die Kosten von der Steuer absetzen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt Ihnen ein „Förderer-Signet“ zur Verfügung.

Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf, wir freuen uns auf Ihr Engagement!

Freie Universität Berlin
Abteilung Forschung, Deutschlandstipendium
Kaiserswerther Straße 16-18, 14195 Berlin
E-Mail: deutschlandstipendium@fu-berlin.de
www.fu-berlin.de/deutschlandstipendium

Lesen Sie hier ein weiteres spannendes Porträt einer Deutschlandstipendiatin an der Freien Universität.

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