Diskussionsrunde an der TU Berlin : Digitale Hauptstadt Berlin

In einer Diskussionsrunde an der TU Berlin wurde über die Zukunft Berlins diskutiert. Mit dabei: Der regierende Bürgermeister.

Peter-André Alt
Die Technische Universität Berlin: Hier diskutierten der Präsidenten Christian Thomsen zusammen mit dem regierenden Bürgermeister über Themen der Zukunft zu diskutieren.
Die Technische Universität Berlin: Hier diskutierten der Präsidenten Christian Thomsen zusammen mit dem regierenden Bürgermeister...Foto: dpa

Ende Juni traf sich auf Einladung des Präsidenten Christian Thomsen eine hochkarätig besetzte Runde an der Technischen Universität Berlin, um in Gegenwart des Regierenden Bürgermeisters ein Schlüsselthema der Zukunft zu diskutieren. Auf der Tagesordnung stand die Frage, wie Berlin seine Rolle als deutsche Hauptstadt der Informationstechnik (IT) weiter ausbauen und wie sie im globalen Maßstab konkurrenzfähig werden kann.

Vor Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wurden neun Referate von jeweils sieben Minuten Dauer gehalten – keine Vorträge im klassischen Sinne, sondern „Aufschläge“, neudeutsch: „Pitches“. Das Spektrum der Themen reichte von IT als Wirtschaftsfaktor über vernetzte Industrie und Big Data bis zu Smart City, Gesundheitsforschung und digitalen Geisteswissenschaften. Es ging um Ideenlabors, Start-up-Förderung und neue Kommunikationssysteme, um veränderte Infrastrukturen und technische Erfordernisse beim Aufbau des mobilen Internets.

Der Befund war nicht ganz eindeutig, die Botschaften blieben vielstimmig. Wo die einen Berlin schon als europäisches Zentrum der Digitalisierung sahen, forderten andere mehr Investitionen für innovative Netzwerke im Bereich von Kommunikation und Industriekooperation. Offen blieb die Frage, ob alles schon da ist und die Einzelteile nur besser zusammengebracht werden müssen, oder ob der aktuelle Schub, der durch zahlreiche junge Firmen entstand, das Risiko fehlender Nachhaltigkeit birgt.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass der Moment für gemeinsame Aktivitäten günstig ist. Im Vergleich zu weltweit bekannten Innovationszentren wie Kalifornien, Singapur oder Tel Aviv stehe Berlin, so fand Heinrich Arnold, Chef der T-Labs der Telekom, nicht schlecht da. Gerade im Bereich der Kommunikationstechnik, auf den Feldern von Design und Kreativwirtschaft tummeln sich Start-ups mit hohem Potenzial, die sich schnell vernetzen und die Lücken in den traditionellen Dienstleistungsketten schließen.

Probleme entstehen dort, wo die Gefahr von unkoordinierten Parallelaktionen droht. Die Gesundheitsforschung zum Beispiel benötigt enorme Rechnerkapazitäten, um personalisierte Medizin auf der Grundlage möglichst zahlreicher Individualdaten zu betreiben. Das technische Potenzial dafür bietet der Großrechner am Konrad-Zuse-Zentrum in Dahlem, das wissenschaftliche Know-how wächst im Berliner Institut für Gesundheitsforschung heran – nur müssen beide Bereiche klug zusammengeführt werden, damit keine Doppelstrukturen entstehen.

Die Berliner Wissenschaft weist ein gewaltiges Spektrum von Themen auf, in denen Digitalisierung ein Querschnittsthema für Innovationen ist – in der E-Mobilität, der Klimaforschung, der Zellbiologie oder der Geoarchäologie. Jetzt wird es ernst, denn der vom Regierenden Bürgermeister ins Leben gerufene Arbeitskreis zur Digitalisierung beginnt in wenigen Wochen mit seinem Programm. Dabei will man keinen weiteren Masterplan für die Schublade produzieren, sondern die Grundlagen für gemeinsames Handeln schaffen. Die Zeit ist reif, damit Berlin wirklich digitale Metropole des 21. Jahrhunderts wird.

Der Autor ist Präsident der Freien Universität Berlin.

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