Editorial : Wissenschaft für die Zukunft

30 Jahre Forschungszentrum für Umweltpolitik an der Freien Universität – ein Grund zu feiern. Und zugleich ein Jubiläum, das für Nachdenklichkeit sorgt.

Peter-André Alt
Professor Peter-André Alt ist Literaturwissenschaftler und seit 2010 Präsident der Freien Universität.
Professor Peter-André Alt ist Literaturwissenschaftler und seit 2010 Präsident der Freien Universität.Foto: Bernd Wannenmacher

Was im April 1986, nur drei Tage vor dem Reaktorunfall von Tschernobyl, auf die wissenschaftliche Agenda unserer Universität gesetzt wurde, ist weder erledigt noch überholt. Die wachsende Luftverschmutzung, das Verschleudern von Energieressourcen, die bedrohlichen Treibhausgas-Emissionen, die gedankenlose Ausbeutung von Rohstoffvorkommen – das alles sind Effekte unverantwortlichen Wirtschaftens, die auch 30 Jahre nach der Gründung unserer Einrichtung die Welt beherrschen.

Das Forschungszentrum hat sich schnell große Reputation erworben. Seine wissenschaftlichen Schwerpunktfelder umfassen Schlüsselthemen wie Klimawandel, Stadtentwicklung, Umwelt- und Energiepolitik, Fragen der Nachhaltigkeit und des alternativen Wirtschaftens. Mit seinem interdisziplinären Masterstudiengang stellt das Zentrum eine wichtige Säule im Lehrprogramm unserer Universität dar. Zu den besonders wichtigen Themen des Unterrichts gehören neben den politischen Herausforderungen des Umweltschutzes auch Aspekte der Ökonomie und des Rechts. Auslandsaufenthalte führen Studierende des Programms an die Teri-Universität in Neu-Delhi, die japanische Nagoya University und zu europäischen Partnern in die Niederlande, nach Frankreich und Großbritannien.

Mit seinen Schwerpunkten passt das Forschungszentrum vorzüglich zum Profil der Freien Universität, die sich seit Jahren erfolgreich um Energieeinsparungen und ökologisches Wirtschaften bemüht. Erst kürzlich haben wir ein Nachhaltigkeitsleitbild veröffentlicht und auch die Stabsstelle „Nachhaltigkeit und Energie“ gegründet, die sich für eine klimafreundliche Energieversorgung und einen schonenden Ressourceneinsatz an unserer Universität engagiert. Zu den Zielen der Stabsstelle gehört auch die Verankerung entsprechender Grundwerte in Lehre und Forschung, handelt es sich doch um ein Querschnittsthema, das nicht nur bei Heizung und Stromverbrauch, sondern ebenso im akademischen Alltag eine wesentliche Rolle spielt. An den erfolgreichen Initiativen der Stabsstelle zeigt sich, dass die Herausforderungen der Umweltpolitik nicht nur ein Thema für das Forschungszentrum bilden, sondern in der Mitte unserer Universität angekommen sind.

Der Autor ist Präsident der Freien Universität Berlin.

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