Engagement an der FU : Wie geht Nachhaltigkeit?

Studierende können sich in der universitätsweiten Initiative SUSTAIN IT! engagieren.

Christine Boldt
Machen mit bei SUSTAIN IT! Die Studentinnen Anne Schindhelm (rechts), die das Projekt "Uni Gardening" mitinitiiert hat, und Janine Beyert.
Machen mit bei SUSTAIN IT! Die Studentinnen Anne Schindhelm (rechts), die das Projekt "Uni Gardening" mitinitiiert hat, und Janine...Foto: Michael Fahrig

Anne Schindhelm tut es und Felix Große-Kreul auch: Die Biologiestudentin mit dem Schwerpunkt Ökologie und der Masterstudent im Fach Politikwissenschaft beschäftigen sich mit dem Thema Nachhaltigkeit. Natürlich interessieren sie dabei die großen Fragen: Wie lässt sich der Klimawandel weltweit stoppen? Was können Politik und Gesellschaft für den Klimaschutz tun? Nur: „Da erstarrt man leicht vor den Riesenproblemen“, sagt Felix Große-Kreul. Deshalb lassen die Studierenden die globale Perspektive mal beiseite und fragen sich vor allem: Was kann ich selbst tun? Wie kann ich in meinem Alltag ganz konkret einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten?

Anregungen und Antworten finden sie bei SUSTAIN IT!, einer von Karola Braun-Wanke vom Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU) koordinierten Nachhaltigkeitsinitiative der Freien Universität. Unter dem Motto „Mitmachen beim Nachhalten“ versammeln sich dort seit 2010 Studierende, Wissenschaftler und Mitarbeiter der Hochschule und organisieren Aktionstage, Ringvorlesungen, Konferenzen und Seminarreihen. Dort setzen sie sich mit den eigenen Konsumgewohnheiten und Lebensstilen auseinander – und suchen nach Handlungsmöglichkeiten im Alltag.

Dialog- und Aktionsplattform

SUSTAIN IT! versteht sich als eine Dialog- und Aktionsplattform – wobei Anne Schindhelm vor allem der Aspekt „Aktion“ zusagt: „Mir gefällt es, als Naturwissenschaftlerin mit Studierenden aus anderen Fächern etwas voranzubringen, praktisch zu arbeiten – nicht, wie sonst vielfach an der Uni, nur theoretisch.“

Die Biologiestudentin, die gerade ihre Masterarbeit über die wechselwirkende Beziehung von Boden und Pflanzen schreibt, hat eines der vielen Projekte von SUSTAIN IT! mitinitiiert: Im Rahmen von „Uni Gardening“ betreibt eine Gruppe Studierender verschiedener Berliner Universitäten und anderer Interessierter mehrere Beete nach den Prinzipien der Permakultur. Darunter versteht man eine dem Standort angepasste Gestaltung in Form von Hügel-, Hoch- und Frühbeeten für Nutz- und Nahrungsmittelpflanzen, den Bau einer Kräuterspirale sowie vertikale Begrünungen, die die vorhandenen Ressourcen und Stoffkreisläufe optimal nutzen.

Auf einer rund 200 Quadratmeter großen Fläche im Botanischen Garten baut die gärtnernde Gruppe unter anderem Tomaten, Zucchini, Kürbis und Kräuter an. Gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Janine Beyert koordiniert Anne Schindhelm die „buntgemischte und generationenübergreifende Truppe“, die sich ein bis zwei Mal in der Woche trifft.

Fächerübergreifender Ansatz

Auch Felix Große-Kreul reizt es, „im lokalen Kontext Dinge zu bewegen“. Durch die Zusammenarbeit mit Kommilitonen anderer Fächer, Wissenschaftlern vom FFU und Mitarbeitern der Stabsstelle Nachhaltigkeit und Energie der Freien Universität lerne er viel über Nachhaltigkeit und Klimaschutz, sagt der 27-Jährige. Aber auch darüber, wie eine Institution funktioniere, welche Veränderungen durch gutes Management möglich seien – und welche schwierig. „Das interessiert mich als Politikstudent natürlich.“

Seit drei Jahren engagiert Felix Große-Kreul sich bei SUSTAIN IT!. In diesem Wintersemester wird er gemeinsam mit Götz Kaufmann vom FFU ein Seminar zum Thema „Umweltgerechtigkeit in Theorie und Praxis“ anbieten. Sein Ziel: Studierende aus verschiedenen Fächern für den Kurs zu gewinnen. Schließlich sei es gerade beim Thema Nachhaltigkeit wichtig, „verschiedene Perspektiven zu integrieren, um Lösungen finden“. Dieser fächerübergreifende Ansatz sei wegen der verschiedenen Studienordnungen nicht einfach umzusetzen; hier sieht er Nachholbedarf: „Wenn Nachhaltigkeit ein Thema in der Lehre sein soll, müssen sich die Kurse interdisziplinär zusammensetzen – das gilt für die Inhalte und für die Teilnehmer.“

Auch Anne Schindhelm freut sich über die Fächervielfalt bei SUSTAIN IT! – auch wenn es für sie als Naturwissenschaftlerin, wie sie einräumt, anfangs nicht einfach gewesen sei, mit Politologen, Soziologen oder Literaturwissenschaftlern gewissermaßen eine gemeinsame Sprache zu finden: „Nachhaltigkeit ist einfach ein Querschnittsthema“, sagt die Ökologin.

Man muss sich ein Herz fassen

Dass SUSTAIN IT! auch das leistet – die verschiedenen Stimmen, Fachrichtungen und Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen – zeigt das von der Initiative entwickelte „Leitbild Nachhaltigkeit“. Neun Studierende, Wissenschaftler und Verwaltungsangehörige haben einen Entwurf mit Ansprüchen und Zielen entwickelt, der vom Präsidium der Universität weitgehend übernommen wurde und anschließend zur universitätsinternen Diskussion stand. Anfang November wird es an der Freien Universität eine öffentliche Veranstaltung geben, in der die daraus gewonnenen Vorschläge vorgestellt werden.

Nachweise für das gute Energiemanagement der Hochschule gibt es längst: So konnte durch technische und bauliche Maßnahmen sowie ein universitätsinternes Anreizsystem der Energieverbrauch seit 2000/2001 um etwa ein Viertel reduziert werden – das sind knapp 40 Millionen Kilowattstunden. Auch das neue Leitbild wird im Grunde schon gelebt: durch Anne Schindhelm, Felix Große-Kreul und die vielen anderen, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen. Oder es noch tun werden. Irgendwann, sagt Anne Schindhelm, müsse man sich ein Herz fassen, wenn man sich engagieren wolle. Dafür werde man dreifach belohnt: „Man tut etwas Sinnvolles, lernt neue Leute kennen – und vieles dazu.“

Wer bei SUSTAIN IT! mitmachen möchte, melde sich per E-Mail an sustain-it@fu-berlin.de

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