Institut für Prähistorische Archäologie : Von der Jungsteinzeit bis zu Kelten und Germanen

Frühe Kulturen zwischen Mittel- und Südosteuropa sind Gegenstand der Forschung am Institut für Prähistorische Archäologie.

Menschenleben um 200 n. Chr. wird mithilfe der Ausgrabung einer Siedlung bei Marwedel in Niedersachsen rekonstruiert. Foto: Institut für Prähistorische Archäologie, Freie Universität Berlin
Menschenleben um 200 n. Chr. wird mithilfe der Ausgrabung einer Siedlung bei Marwedel in Niedersachsen rekonstruiert. Foto:...Foto: fotolia

Tierknochen, Werkzeuge, Steinreste und Alltagsgegenstände: Mit Zeugnissen aus den Anfängen der Menschheitsgeschichte befasst sich die Prähistorische Archäologie. Das Fach widmet sich aber auch dem sozialen und ökonomischen Leben sowie künstlerischen, symbolischen und spirituellen Lebensäußerungen des frühen Menschen im alten Europa. Das Institut für Prähistorische Archäologie an der Freien Universität gehört zu einem der angesehensten und größten seines Faches. Zwei Professoren und eine Professorin decken in ihrer Forschung einen Zeitraum von der Jungsteinzeit (ab circa 8000 v. Chr.) über die Eisenzeit bis zur Zeit der Völkerwanderung ab (bis ca. 500 n. Chr.) und befassen sich insbesondere mit Mittel-, Ost- und Südosteuropa. „Wir betreiben vor allem Siedlungsarchäologie“, erklärt Professor Michael Meyer. „Mithilfe unserer Grabungen rekonstruieren wir das Alltagsleben der Menschen, die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen, den technologischen Wissensstand, die Produktions- und Distributionsweisen, das Konsumverhalten, das rituelle Leben, aber auch die Gestaltung von Räumen.“

Meyer ist Experte für die Geschichte der Eisen- und Kaiserzeit, die 800 v. Chr. beginnt. Er organisiert Ausgrabungen in Deutschland und Polen, aber auch in Moldawien. Die Wissenschaftler suchen nach Keramiken, Schmuck und Werkzeugen und erforschen technische Anlagen und Reste von Häusern. „So setzen wir die Puzzlestücke zusammen und rekonstruieren die alten Gesellschaften.“ Zurzeit untersucht er dabei ein Siedlungsgebiet bei Nordhausen in Thüringen, in das zwischen 150 und 50 v. Chr. Gruppen aus dem südpolnischen Raum einwanderten – anhand des Fundmaterials, das sich von den einheimischen Gepflogenheiten klar unterscheidet, gelingt so bereits für vorgeschichtliche Epochen der Nachweis einer Migration.

Der Forschungsschwerpunkt von Institutsleiter Professor Wolfram Schier liegt in der Jungsteinzeit, also den Anfängen der Sesshaftwerdung in Südost- und Mitteleuropa. Gegenwärtig untersucht er an mehreren Plätzen große, kreisförmige Grabenanlagen des fünften Jahrtausends v. Chr., die über Sichtachsen auf herausragende Landschaftsmerkmale und astronomische Phänomene orientiert sind.

Seit Kurzem wird das Team durch Elke Kaiser verstärkt, die eine neu eingerichtete Professur für die Archäologie Eurasiens innehat. Die Räume, die seit dem Ende des Eisernen Vorhangs für gemeinsame Forschungen zur Verfügung stehen, sind jetzt erstmals in Deutschland mit einer eigenen Professur vertreten und damit Gegenstand der Lehre.

Das Institut ist in seiner Forschung sehr erfolgreich. Seit 2007 beteiligt es sich am Forschungsverbund Topoi – einer Kooperation zwischen Universitäten und altertumswissenschaftlichen Instituten, die von der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert wird. Michael Meyer ist der Sprecher des Clusters. „Wir sind aber auch jenseits von Topoi aktiv“, sagt er. „Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und andere Einrichtungen fördern viele Einzelprojekte, unsere Drittmittelbilanz kann sich sehen lassen.“

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