Lange Nacht der Wissenschaften an der Freien Universität : Von Sandkörnern und Meteoriten

Mit vielen neuen Angeboten ist der GeoCampus Lankwitz in der Malteserstraße 74-100 in diesem Jahr wieder bei der Langen Nacht der Wissenschaften dabei.

Marina Kosmalla
Gigant auf dem Mars: Der Olympus Mons ist mit einer Höhe von 22 Kilometern der höchste Vulkan unseres Sonnensystems. Das Bild stammt von einer Hochleistungskamera, die von Wissenschaftlern der Freien Universität mitentwickelt wurde.
Gigant auf dem Mars: Der Olympus Mons ist mit einer Höhe von 22 Kilometern der höchste Vulkan unseres Sonnensystems. Das Bild...Foto: ESA/DLR/FR (G. Neukum)

Einen Schwerpunkt bildet das Thema „Wasser“ – ob aus dem Hahn oder als dicke Tropfen von oben, ob als kleines Flüsschen im Bachmodell oder gefährliches Hochwasser in der hydraulischen Messrinne. Berlin ist die einzige Großstadt in Europa, die sich zu 100 Prozent mit Trinkwasser aus dem eigenen Stadtgebiet versorgt. Viele Menschen in der Stadt nutzen trotzdem Flaschenwasser, aber warum eigentlich? Ist Leitungswasser eine Alternative? Ein Experiment zeigt die Fähigkeit des Berliner Untergrunds, Wasser zu säubern und als trinkbares Leitungswasser zu nutzen.

Die sehr gute Qualität des hiesigen Trinkwassers wird jedoch gelegentlich durch veraltete Wasserleitungen in Altbauten beeinträchtigt. Stagnationswasser, das länger in solchen Leitungen steht, kann stärker durch Schwermetalle wie Blei und Kupfer belastet sein. Wie hoch ist der Anteil von Blei, Cadmium, Antimon, Uran und Kupfer im Wasser, das aus Ihrem Hahn kommt? Die Geologen in Lankwitz untersuchen Trinkwasser auf Spuren von Schwermetallen. Dafür sollten etwa 100 Milliliter Leitungswasser in einer sauberen Wasserflasche aus Plastik mitgebracht werden.

Regenwasser als wertvolle Ressource

Ob Regen oder Sonnenschein – die Gelegenheit, ausgiebig über das aktuelle Berlin-Wetter zu diskutieren und einen Einblick in die Technologie der Wetterbeobachtung zu erhalten, bietet sich bei einer Führung durch die neu errichtete meteorologische Station auf dem GeoCampus Lankwitz (17.00 bis 21.00 Uhr, jeweils 15 Minuten, Haus C). Mit etwa 590 Litern Niederschlag pro Quadratmeter in einem durchschnittlichen Jahr gehört Berlin zu den trockenen Regionen Deutschlands. Trotzdem ist Regenwasser eine wertvolle Ressource, die oft ungenutzt, aber kostenpflichtig in die Kanalisation eingeleitet wird.

Studierende der Master-Studiengänge „Umwelthydrologie“ und „Environmental Earth Sciences“ zeigen Interessierten die Vorteile von Regenwasserspeicherung, Energieeinsparung, Gebäudesicherung und Gemüseanbau auf dem Dach. Sie erläutern außerdem die Möglichkeiten, Regenwasser vom Hausdach zu sammeln und zu nutzen und zeigen auf, welche Kosten auf diese Weise eingespart werden können (18.00 bis 23.00 Uhr, Haus C).

Mit dem Fließen von Gesteinen befassen sich die Geologen unter dem Titel „Die dynamische Erde“. Festgefügt im Gestein, können Strukturen wertvolle Hinweise auf Druck- und Temperaturbedingungen während der Verformung geben. Interessierte können solche Gefüge in Gesteinsstücken und unter dem Mikroskop sehen und die unterschiedlichen Eigenschaften im Vergleich zu Materialien wie Zahnpasta, Pudding oder Silikon erkunden.

Spannende Entdeckungen in einer Handvoll Sand

Interaktive Experimente und Demonstrationen bietet das Institut für Geologische Wissenschaften auch rund um das Thema „Sand“. Dass Sand als Allerweltsmaterial oft unterschätzt wird, kann anhand von mitgebrachtem Strandsand untersucht werden. In jeder Handvoll offenbart sich das spezifische Zusammenwirken von Erosionsgebiet, Transportprozessen, Klima, Tektonik, Biologie und Ablagerungsraum. Wie Sand Rückschlüsse auf Transportprozesse und die Sedimentationsumgebung gibt, kann auf dem Rütteltisch mit Murmeln, Glaskugeln und Korngemischen selbst untersucht werden (17.00 bis 0.00 Uhr, Haus B).

Die für die Lange Nacht der Wissenschaften typische Vielfalt der Angebote zeigt sich auch in Lankwitz, wo neben Sandkörnern auch Planeten unter die Lupe genommen werden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass vor rund 4,5 Milliarden Jahren ein Körper etwa so groß wie der Mars mit der Erde kollidierte und so der Mond entstand. Aber auch nach diesem Ereignis gewann die Erde durch Einschläge mehrerer kleiner Himmelskörper an Masse.

Wie Asteroiden die Erde veränderten

Wie Einschläge von Asteroiden in der späten Entstehungsphase der Erde die Frühgeschichte und die weitere Entwicklung unseres Heimatplaneten beeinflussen, erforschen Wissenschaftler des geowissenschaftlichen Sonderforschungsbereichs (SFB) Transregio 170 „Late accretion onto terrestrial planets“ („Spätes Wachstum erdähnlicher Planeten“). Ziel des SFB ist es unter anderem, diese späte Bildungsphase der Erde zu verstehen und dabei die Herkunft, die Masse und die chemische Zusammensetzung der Körper möglichst genau zu bestimmen, die am Ende der Planetenbildung mit der Erde und den erdähnlichen Planeten kollidierten.

In der Langen Nacht der Wissenschaften erklären die Wissenschaftler des SFB anhand von Computersimulationen planetarer Kollisionen und Meteoriteneinschlägen die Auswirkung der Einschläge großer und kleiner Körper auf Planetenoberflächen. Zudem präsentieren sie Impaktgesteine zum Anfassen und zum Betrachten unter dem Mikroskop (17.00 bis 23 Uhr, Haus D).

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