Lange Nacht der Wissenschaften : Die "Klügste Nacht" beginnt in Dahlem

Am 24. Juni können sich Besucher wieder von der Vielfalt und Innovationskraft der Berliner Wissenschaft überzeugen. Der Startschuss fällt in diesem Jahr an der Freien Universität

Peter-André Alt
Professor Peter-André Alt ist Literaturwissenschaftler und seit 2010 Präsident der Freien Universität.
Professor Peter-André Alt ist Literaturwissenschaftler und seit 2010 Präsident der Freien Universität.Foto: Bernd Wannenmacher

Unsere Gesellschaft sei in den letzten Jahren zunehmend wissenschaftskritisch geworden, so heißt es. Immer mehr Menschen bezweifeln angeblich die Evidenz grundlegender Forschungsergebnisse. Erkenntnisse aus Biologie, Medizin und Verhaltenslehre werden mit sogenannten alternativen Fakten konfrontiert. Viele wendeten sich, so die Einschätzung, von einer Wissenschaft ab, deren Befunde manchmal zu pessimistisch, gelegentlich zu widersprüchlich, uneindeutig ausfielen.

Wie bei allen Trendmeldungen ist aber auch hier Vorsicht angebracht. Von einer pauschalen Wissenschaftsmüdigkeit, gar von allgemeinen Aversionen gegen objektive Fakten zu sprechen, wäre ungenau und vereinfachend. Wohl gibt es eine gewisse Skepsis gegenüber schnell ausgerufenen Sensationserkenntnissen, Wunderheilungen und Methodenrevolutionen. Es gibt berechtigten Zweifel an einer Forschung, die um jeden Preis Resultate erzielen will und dabei ihre ethischen Selbstbindungen ignoriert. Doch dort, wo das Wissenschaftssystem die Öffentlichkeit auf seriöse Weise aufklärt, wo es mögliche Antworten auf die drängendsten Fragen transparent macht und auch Unwägbarkeiten und Risiken anzeigt, ist ihm eine breite Resonanz sicher.

Mit dem wachsenden Angebot nahm die Neugierde des Publikums zu

Das beste Beispiel dafür bietet die Lange Nacht der Wissenschaften. 2002, im ersten Jahr, hatte sie bereits mehr als 10 000 Besucher; 2016 waren es fast dreimal so viele interessierte Menschen aller Altersstufen. Mit dem wachsenden Angebot nahm die Neugierde des Publikums zu. Am 24. Juni beteiligen sich nun 71 Einrichtungen an einem vielfältigen Angebot mit rund 2000 Veranstaltungen, das sich über Berlin und den Potsdamer Telegrafenberg verteilt. Neben den Universitäten und der Charité öffnen Forschungsinstitute aus dem ingenieurwissenschaftlich-technischen Sektor, Fachhochschulen und private Universitäten ihre Tore. Man kann an Experimenten mit Licht und Klang und Messungen von Hirnströmen teilnehmen, auf mikroskopische Entdeckungsreise ins Innere von Zellen und Membranen gehen und auch die vielfältige Welt der Literatur erkunden – um nur einige Programmbeispiele zu nennen. Ob in Adlershof, Dahlem, Mitte, Wedding oder Charlottenburg: überall können sich die Besucher von der Vielfalt und Innovationskraft der Berliner Wissenschaft überzeugen.

Wer gleich zum Start der Langen Nacht der Wissenschaften mit dabei sein möchte, sollte am nächsten Sonnabend an die Freie Universität kommen. Im Henry-Ford-Bau wird um 16 Uhr die spannende Wissenschaftsnacht voller neuer, überraschender Erkenntnisse mit einer unterhaltsamen Quizshow über das Leben in der Antike eröffnet. Auch der Regierende Bürgermeister hat sich für den Start in Dahlem angekündigt. Seien Sie dabei, wenn die Reise in die faszinierende Welt der Wissenschaften beginnt!

Der Autor ist Präsident der Freien Universität Berlin.

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