Miguel de Cervantes : Abenteuer des Lebens

Vor 400. Jahren starb der Autor des "Don Quijote". Auch an der Freien Universität wird zu seinem Werk geforscht.

Marina Kosmalla
Einen Blick in den Original-"Don Quixote" kann man noch bis zum 22. Mai bei der Ausstellung "Miguel de Cervantes - vom Leben zum Mythos" in Madrid werfen, die zum 400. Todestag des Autors stattfindet.
Einen Blick in den Original-"Don Quixote" kann man noch bis zum 22. Mai bei der Ausstellung "Miguel de Cervantes - vom Leben zum...Foto: dpa

Die Geschichte über einen verarmten Landadeligen, der – verwirrt durch die übermäßige Lektüre von Ritterbüchern – Wirklichkeit und Fiktion nicht mehr auseinanderhalten kann und sich ins Abenteuer stürzt, um gegen Riesen zu kämpfen und Edelfrauen zu retten, gilt nicht nur als Beginn des modernen Romans, es ist eines der wichtigsten Werke der Weltliteratur: El ingenioso hidalgo Don Quijote de La Mancha. Auch mehr als 400 Jahre nach der ersten Veröffentlichung 1605 wird die Geschichte über den „Ritter von der traurigen Gestalt“ noch gelesen.

Der Autor, Miguel de Cervantes Saavedra, führte ein abenteuerliches Leben: Der Sohn einer verarmten Adelsfamilie aus Alcalá de Henares studierte Theologie in Salamanca und Madrid und trat 1569 in Rom in die Dienste eines kirchlichen Würdenträgers. Wenig später verpflichtete er sich als Soldat im spanischen Heer. Aus der Seeschlacht von Lepanto im Herbst 1571 trug er eine schwere Verletzung an der linken Hand und den Spitznamen „El manco de Lepanto“ („Der Einarmige von Lepanto“) davon. 1575 wurde sein Schiff auf der Rückreise nach Spanien von Piraten überfallen, Cervantes verbrachte fünf Jahre in algerischer Gefangenschaft. Zurück in Spanien arbeitete er als Kaufmann, wurde Beamter, landete nach misslungenen Geschäften im Kerker, geriet unschuldig in einen Mordprozess und entwickelte eine große literarische Aktivität. Er schrieb über Themen, die alle Menschen bewegen: Liebe, Familie, Erziehung und Religion. Am 23. April 1616 starb Cervantes mit 69 Jahren in Madrid.

Was macht sein Werk für heutige Leser noch interessant?

Bereits zu Lebzeiten war Miguel de Cervantes ein berühmter Schriftsteller und Dichter. Doch was macht seine Werke für heutige Leser noch interessant? Die Antwort fällt Paolo Brusa nicht leicht, weil man Cervantes nicht auf einen Aspekt reduzieren könne: „Sein Stil, seine differenzierte Sprache, mit der er das ganze Spektrum der Gesellschaft seiner Zeit abbildet, und sein verständnisvoller Umgang mit der Liebeskrankheit seiner Charaktere sind herausragend“, sagt der gebürtige Italiener, der gerade den sprachenübergreifenden Masterstudiengang Romanische Literaturwissenschaft an der Freien Universität mit einer exzellenten Masterarbeit zu Cervantes’ 1584 veröffentlichtem Erstlingsroman La Galatea abgeschlossen hat. La Galatea sei literaturwissenschaftlich interessant, aber keineswegs so mächtig und schön wie Don Quijote, sagt Brusa.

Auf Don Quijote ist Paolo Brusa zufällig bei einem Schlussverkauf in einer Buchhandlung gestoßen. „Ich habe mir gedacht, dass das eine gute Gelegenheit ist, dieses literaturwissenschaftlich wichtige Werk zu lesen – habe es also eher aus Pflichtgefühl zur Hand genommen.“ Der heute 28-Jährige war begeistert von der Geschichte und erstaunt, wie gut und fließend sie sich liest im Vergleich zu anderen Texten der Epoche. „Wer sich von der Länge nicht abschrecken lässt, hat eine lustige und interessante Unterhaltungslektüre. Und je mehr man liest und den Text untersucht, desto interessanter wird es.“ Auch heute könne man noch über die Figur des Quijote lachen und sich in sie einfühlen. Überraschend findet das Paolo Brusa, da der Text aus einer Zeit mit Moralvorstellungen stammt, die uns heute sehr fremd seien. Dass wir uns trotzdem wiederfinden, sei „eine der schönsten Überraschungen der Literatur“, meint Brusa.

An der Freien Universität würdigt Susanne Zepp, Professorin am Institut für Romanische Philologie, Cervantes’ 400. Todestag. Sie leitet ein Seminar, in dem in Ausschnitten nicht nur Quijote, sondern das gesamte Werk in den Blick genommen wird – ganz im Sinne Friedrich Schlegels, der schon 1799 in der Berliner Zeitschrift Athenaeum schrieb, lesen müsse man alles oder nichts von diesem unsterblichen Autor.

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