Portugals Außenminister an der Freien Universität : Für europäische Kultur und Austausch

Augusto Santos Silva sprach zum Thema „Europe – From Culture to Economy".

Catarina von Wedemeyer
Portugals Außenminister Augusto Santos Silva im Gespräch mit Studierenden der Freien Universität Berlin.
Portugals Außenminister Augusto Santos Silva im Gespräch mit Studierenden der Freien Universität Berlin.Foto: Glyn Lowe

Flüchtlingspolitik, Großbritanniens möglicher Austritt aus der Europäischen Union, die Zukunft Brasiliens – bei einem Besuch des portugiesischen Außenministers Augusto Santos Silva an der Freien Universität ging es um die aktuellen Fragen. Der Politiker hielt im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin eine Rede zum Thema „Europe – From Culture to Economy“. Anstatt, wie es der Titel nahezulegen schien, einen Abgesang auf den kulturellen Zusammenhalt Europas anzustimmen, plädierte der Außenminister angesichts der Krisen für eine erneute Vergegenwärtigung der gemeinsamen europäischen Kultur. Darunter versteht er Ideale wie etwa soziale Verantwortung, interkulturelle Zusammenarbeit und Anerkennung von Diversität.

Insgesamt zeichnete Santos Silva ein Bild von Europa, das sowohl aus Sozialstaaten als auch aus Individuen bestehe, die sich bei politischen Entscheidungen engagierten. Dabei betonte er die gemeinsame Verantwortung des Bündnisses bei der Aufnahme von Geflüchteten. Als Beispiel für den erfolgreichen politischen Austausch erinnerte Santos Silva daran, dass seine eigene Partei, die Sozialistische Partei Portugals, 1973 in Bad Münstereifel bei Bonn gegründet worden war. Während der Spätphase des repressiven Salazar-Regimes hatte die Bundesrepublik die Etablierung demokratischer Strukturen in Portugal unterstützt.

Der Außenminister lehrt auch als Soziologe an der Wirtschaftsfakultät der Universität Porto – einer der Gründe, warum der portugiesische Botschafter João Mira Gomes den Deutschland-Besuch des Ministers um den Aufenthalt in Dahlem ergänzt hatte. Dort nahmen ihn Professor Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität, und Susanne Zepp, Professorin für romanische Literaturwissenschaft, in Empfang.

In den Mittelpunkt seiner Rede hatte der Politiker Konzepte von John Maynard Keynes und der politischen Ökonomie gestellt. Auf die Frage, ob er in einer universitären Umgebung und angesichts seiner Betonung des kritischen Individuums nicht lieber die Bildung ins Zentrum stellen wolle, antwortete er, dass diese in der Tat zentral sei. Für die Zukunft Europas erhoffe er sich, dass Akteure aus Wirtschaft, Kunst und Kultur mehr miteinander sprechen und voneinander lesen. Nach seinem Vortrag zeigte sich Santos Silva sehr offen für die Diskussionsbeiträge der Studierenden, mit denen er auch beim anschließenden Empfang das Gespräch suchte.

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