Serie: Aus der Uni auf den Markt : Ein Shuttle für die Arznei

Die Firma DendroPharm arbeitet daran, Medikamente an ihren Einsatzort im Körper zu navigieren.

Marion Kuka
Auch Tiere profitieren vom Arznei-Shuttle (v.l.n.r.): Gründer Emanuel Fleige, Tierärztin Laura Schneidewind, Gründer Sam Moré und die Direktorin der Kleintierklinik der Freien Universität Prof. Barbara Kohn.
Auch Tiere profitieren vom Arznei-Shuttle (v.l.n.r.): Gründer Emanuel Fleige, Tierärztin Laura Schneidewind, Gründer Sam Moré und...Foto: Michael Fahrig

Die Entwicklung neuer Medikamente scheitert häufig daran, dass die Substanzen im Körper der Patienten nicht dorthin gelangen, wo sie wirken sollen. Die Arbeitsgruppe von Rainer Haag, Professor für Organische Chemie an der Freien Universität Berlin, hat Nanocarrier, also winzige Transportmoleküle, entwickelt, die dieses Problem lösen können: Die Nanoteilchen schließen den Wirkstoff ein und transportieren ihn zum Einsatzort im Körper. Dort werden sie beispielsweise durch körpereigene Enzyme oder den veränderten pH-Wert im kranken Gewebe zerstört und setzen den Wirkstoff an der Stelle frei, an der er benötigt wird. So können unerwünschte Nebenwirkungen auf dem Weg durch den Körper vermieden werden.

Unter Leitung des Geschäftsführers Sam Dylan Moré entwickelt die Ausgründung der Freien Universität DendroPharm GmbH die Technologie dafür mit zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiter. Finanziert wird das Spin-off aus Eigenmitteln der Gründer und eines Privatinvestors sowie mit Geld aus der Pro FIT-Frühphasenfinanzierung und der Pro FIT-Projektförderung der Investitionsbank Berlin.

„Unsere Technologie basiert auf dem Einsatz besonders stabiler Transportmoleküle, den sogenannten dendritischen Kern-Multischalen-Nanocarriern“, erläutert Sam Moré. Diese seien in der Lage, sowohl fett- als auch wasserlösliche Wirkstoffe in die Haut, in Tumorgewebe, Knochen oder Knorpel zu befördern. „Ein Baukastensystem macht es möglich, die Eigenschaften der Carrier perfekt auf die Anforderungen unserer Kunden einzustellen“, sagt der industrieerfahrene Chemiker, der an der Freien Universität promoviert hat. Für ihn liegen die Vorteile auf der Hand: „Die Technologie kann helfen, neue Wirkstoffe schneller für Patienten verfügbar zu machen.“

Per Crowdfunding wirbt das Team um Unterstützung

Und genau das will Sam Moré nun selbst in die Hand nehmen: Zusammen mit Professor Christoph Stein, dem Leiter der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin an der Charité, treibt sein Team die Entwicklung eines Opioids zur Behandlung chronischer Schmerzen voran, das durch das Einbetten des Wirkstoffs in einen Nanocarrier weder suchterzeugende noch sedierende Eigenschaften hat. Mit einer Crowdfunding-Kampagne auf dem Portal indiegogo wirbt das Team um finanzielle Unterstützung, um den Eigenanteil für ein Forschungsprojekt zu diesem Thema aufbringen zu können.

Die Nanocarrier sollen aber nicht nur Zwei-, sondern auch Vierbeinern helfen: Dank DendroPharm müssen etwa chronisch kranke Katzen ihre täglich benötigten Medikamente nicht mehr in Form von Tabletten verabreicht bekommen. Herrchen oder Frauchen reiben stattdessen die Haut des Tieres am Ohr mit einer Salbe ein, die die Wirkstoffe enthält. Tierärzte und Patienten der Kleintierklinik der Freien Universität in Berlin-Düppel haben diese „konfliktarme“ Darreichungsform bereits erprobt – mit hervorragenden Ergebnissen. Jetzt sucht das Team auch niedergelassene Veterinäre, die sich an einer größeren Studie zu der Katzensalbe beteiligen wollen.

Profund Innovation ist die zentrale Service-Einrichtung für den Wissens- und Technologietransfer an der Freien Universität Berlin. Das Team unterstützt Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Alumni dabei, Forschungsergebnisse nutzbar zu machen. Zum Angebot gehören die Beratung zu Erfindungen und zum Schutz des geistigen Eigentums, etwa über Patente oder Marken, Entrepreneurship Education und die Unterstützung bei Gründungen.
Einen Einstieg in das Thema Entrepreneurship bietet der Funpreneur-Wettbewerb: Studierende entwickeln eine Geschäftsidee und setzen sie innerhalb von fünf Wochen um. Dabei werden sie von Wirtschaftspaten unterstützt. Zum Abschluss werden die Ergebnisse einer Jury präsentiert, die Preisgelder in Höhe von insgesamt 2500 Euro vergibt. Die nächste Runde startet am 26. April 2016 um 18.15 Uhr in Raum 102 am Fachbereich Wirtschaftswissenschaft in der Garystraße 21.

0 Kommentare

Neuester Kommentar