Spitzbergen : Nahe am nördlichsten Punkt der Welt

Biologiestudentin Janna Einöder hat ein halbes Jahr auf Spitzbergen verbracht – Erinnerungen an besondere Momente.

Janna Einöder
Gipfelstürmerin Janna Einöder bei einem Ausflug in die Bergwelt von Spitzbergen. Um sich vor Eisbären zu schützen, musste sie eine Waffe tragen.
Gipfelstürmerin Janna Einöder bei einem Ausflug in die Bergwelt von Spitzbergen. Um sich vor Eisbären zu schützen, musste sie eine...Foto: privat

Ich sitze auf dem Deck unseres Forschungsschiffes, das in Ny-Ålesund für die Nacht angelegt hat. Morgen werden wir Richtung Norden aufbrechen. Es ist Mitternacht in Spitzbergen, Ende August, der Fjord ist auch jetzt noch taghell und sonnenüberflutet. In der Ferne glitzert das blaue Eis eines massiven Gletschers, der sich ins Tal schlängelt. Die spitzen, kahlen Berge, die so charakteristisch für diesen Ort sind, umranden ihn.

Eine Gruppe von Papageientauchern flattert von einer Eisscholle auf eine andere und stimmt in das Schnatter-Konzert der Möwen und anderen Seevögel ein, die auch um diese Uhrzeit nach Futter suchen. Sonst ist es absolut still. Ich bin auf dem 78. nördlichen Breitengrad, nahe am nördlichsten Punkt der Welt – und einfach nur überwältigt. Ein Bild, das ich nie vergessen werde.

Ein halbes Jahr habe ich über das Erasmus-Programm in der Arktis verbracht, nun bin ich wieder in Berlin und studiere im 6. Semester weiter Biologie an der Freien Universität. Meine Zeit auf Spitzbergen, eine Inselgruppe am Rande des Polarkreises, hat mir die unglaublichsten Erlebnisse beschert und die wertvollsten Erfahrungen meines bisherigen Lebens. Ich habe Eisbären in ihrem natürlichen Umfeld beobachtet – nachdem ich einen Schießtest bestanden hatte: Hier muss jeder zum Schutz vor Eisbären eine Waffe mit sich führen.

Ich habe auf Socken Seminare besucht, denn an der Universität herrscht Sockenpflicht. Ich habe laut geflucht, als ich nach einem sechs Kilometer-Marsch durch den Schneesturm merkte, dass ich die Schokolade im Supermarkt vergessen hatte. Und ich saß auch mal bis fünf Uhr morgens am Schreibtisch, um meine Ökologie-Hausarbeit fertigzuschreiben. Aber wenn ich nachts auf einer Isomatte im Schnee lag und, einen Glühwein in der Hand, über die tanzenden Nordlichter am Himmel staunte, war all das vergessen.

In der Serie „Post aus…“ im Online-Magazin campus.leben der Freien Universität haben Janna Einöder und weitere acht Kommilitonen regelmäßig über ihre Aufenthalte aus acht Ländern und vier Kontinenten berichtet. Lesen Sie im Internet Janna Einöders Post aus Spitzbergen: www.fu-berlin.de/campusleben/post

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