Wettbewerbsrecht : Von Damaskus nach Dahlem

Der Syrer Ehab Shamah beendete 2013 sein Masterstudium in Beirut und bewarb sich an der FU für einen internationalen weiterbildenden Mastersutdiengang - den er mit Erfolg absolviert hat

Manuel Krane
Ehab Shamah hat sein Studium erfolgreich abgeschlossen und ist jetzt als Jurist für die Deutsche Bank tätig.
Ehab Shamah hat sein Studium erfolgreich abgeschlossen und ist jetzt als Jurist für die Deutsche Bank tätig.Foto: Manuel Krane

Als Ehab Shamah im Februar 2013 sein rechtswissenschaftliches Masterstudium im libanesischen Beirut beendet hatte, zog es ihn zunächst zurück in seine Heimat, ins syrische Damaskus. Doch der 2011 ausgebrochene Bürgerkrieg dauerte fort, und Shamah wollte weg. „Ich wollte mich in Europa beruflich weiterentwickeln“, sagt der Jurist. Bei seiner Suche wurde er schließlich an der Freien Universität Berlin fündig: Der englischsprachige, weiterbildende Masterstudiengang „Europäisches und Internationales Wirtschafts-, Wettbewerbs- und Regulierungsrecht“ („Master of Business, Competition and Regulatory Law“) war für ihn das Richtige: Juristisches Rüstzeug brachte er aus Studium und Beruf mit.

Fast acht Jahre lang hatte Ehab Shamah in Damaskus für die größte syrische Rechtsanwaltskanzlei „Sarkis & Associates“ gearbeitet – zeitweise sogar neben seinem Studium. Manchmal war er zweimal in der Woche zwischen Damaskus und Beirut gependelt. In der syrischen Hauptstadt hatte er internationale Klienten betreut und vor Gericht vertreten.

Ehab Shamah bewarb sich also an der Freien Universität – und wurde genommen. Mit der Zusage konnte er ein Studenten-Visum beantragen und in die Bundesrepublik einreisen. Die Dozenten des international ausgerichteten Studiengangs kommen aus verschiedenen europäischen Ländern, die Studierenden aus der ganzen Welt. „Es herrscht hier eine besondere Atmosphäre“, sagt Shamah, „es sind tolle Kontakte und richtige Freundschaften entstanden. Ich war überrascht, wie freundlich alle waren und wie gut ich aufgenommen worden bin.“

Geschätzt hat er fiktive Gerichtsverhandlungen

Die Gewöhnung an das deutsche Rechtssystem fiel ihm nicht schwer. Eines sei allerdings ungewohnt gewesen: „Juristen in Deutschland sind stark spezialisiert, manchmal auf sehr kleine Gebiete.“ In Syrien sei es üblich, größere Themenkomplexe abzudecken. „Dort gibt es mehr Generalisten.“ Das Studium in Berlin habe ihn bei seiner eigenen Spezialisierung im Bereich Wirtschaftsrecht unterstützt. Besonders geschätzt habe er die „Moot Courts“, das sind fiktiv durchgespielte Gerichtsverhandlungen, bei denen die Teilnehmer jeweils eine Prozesspartei vertreten. Die Simulationen seien eine gute Vorbereitung für die spätere Berufspraxis, sagt Shamah.

Seinen Studienabschluss feierte der Syrer kürzlich gemeinsam mit den anderen Absolventen seines Jahrgangs. 31 Teilnehmer aus 25 Nationen hatten von Oktober 2015 bis September 2016 an der Freien Universität „Business, Competition and Regulatory Law“ studiert. „Sie haben sich für das Gebiet des internationalen Wettbewerbsrechts entschieden in Zeiten, in denen nationalen Interessen Vorrang eingeräumt wird“, sagte die Leiterin des Studiengangs Professorin Heike Schweitzer auf der Abschlussfeier. Der Studiendekan des Fachbereichs Rechtswissenschaft Andreas Fijal ergänzte: „Sie haben eine großartige Zukunft vor sich, aber Sie haben auch die Verantwortung für diese großartige Zukunft.“ Shamah hat für seine Zukunft bereits Pläne: Er hat in Berlin für eine deutsch-spanische Anwaltskanzlei gearbeitet und ist jetzt für die Deutsche Bank tätig. „Ich möchte mich hier beruflich etablieren. Es war schon lange mein Traum, in Deutschland zu arbeiten.“ Manuel Krane

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