Zum Stand der Exzellenzinitiative : Klare Botschaft und Auftrag

Evaluationen und Leistungsberichte sind das Graubrot des Wissenschaftssystems: selten erhellend, meist durch Plattitüden und Wiederholungen langweilend. Wer Genaueres über den Forschungsstandort Deutschland erfahren möchte, der sollte die öde Prosa der Rapporte ignorieren und hinter den Kulissen nachfragen: bei Spitzenwissenschaftlern, erfahrenen Gutachtern, geübten Administratoren.

Peter-André Alt
Professor Peter-André Alt ist Literaturwissenschaftler und seit 2010 Präsident der Freien Universität.
Professor Peter-André Alt ist Literaturwissenschaftler und seit 2010 Präsident der Freien Universität.Foto: Thilo Rückeis

Er wird dabei mehr über den Status quo der akademischen Landschaft erfahren als durch Hunderte von Seiten bedruckten Papiers, auf denen wir lesen, was wir längst wussten: dass die deutschen Universitäten unterfinanziert sind, zu wenig Professoren zu viele Studierende unterrichten und der Mut zum Risiko durch komplizierte Kommunikationssysteme beschränkt wird. Zum Glück gibt es Ausnahmen. Der Ende Januar veröffentlichte Bericht der Imboden-Kommission zu Stand und Fortentwicklung der Exzellenzinitiative ist bemerkenswert. Das nach ihrem Vorsitzenden – dem Schweizer Umweltphysik-Professor Dieter Imboden – benannte Gutachten ragt heraus durch analytische Qualität und Klarheit der Empfehlungen. Abgefasst in einer schnörkel- und floskellosen Sprache, bringt es auf den Punkt, welchen Zwecken der Wettbewerb in Zukunft dienen soll. Der Bericht sagt nicht nur, was in der Vergangenheit gut und weniger gut lief; er unterbreitet auch sehr konkrete Vorschläge für das weitere Verfahren. Sie sind ebenso einfach wie überzeugend; vor allem aber: umsetzbar.

Mehr Spielraum für die Entwicklung der Projekte

Die Kernbotschaften: Die Expertenkommission empfiehlt erneut insgesamt fünf Milliarden Euro für zehn Förderjahre – die Bund und Länder bereits in Aussicht gestellt haben. Damit ein ausreichender Zeitraum für Antragstellung und Begutachtung neuer Vorhaben bleibt, sollen die laufenden Projekte nicht 2017 enden, sondern bis 2019 weiterfinanziert werden. Der Wettbewerb muss sich auf die Programmlinie der Exzellenzcluster – Spitzenforschung in großen Verbünden – konzentrieren, für die jedes Jahr 350 Millionen Euro zur Verfügung stehen würden. Gefördert werden bis zu 40 Cluster, wobei die im Verfahren erfolgreichen Universitäten eine Pauschale von 20 Prozent zusätzlich erhalten sollen, um fachübergreifende Zukunftsaufgaben zur Fortentwicklung ihrer Institution zu realisieren. Die Laufzeit der neuen Cluster beträgt sieben Jahre, was mehr Spielraum für die Entwicklung der Projekte schaffen würde als der bisherige Fünfjahresrhythmus. An den Platz der Zukunftskonzepte tritt eine Exzellenzprämie für zehn Universitäten, die in den Bereichen Drittmitteleinwerbung, Forschungspreise und internationale Reputation herausragen. Jede soll jährlich 15 Millionen Euro für die Verwirklichung strategisch wichtiger Projekte erhalten. Damit entfiele der zeitaufwendige und ressourcenraubende Wettbewerb der Zukunftskonzepte.

Insgesamt ein stimmiges Konzept, das zwar punktuell Platz für Modifikationen bietet – man könnte auch 15 Top-Universitäten mit dann nur zehn Millionen Euro fördern, und man benötigt neue Programmlinien für die auslaufenden Graduiertenschulen. Aber unter dem Strich bleibt nur ein Fazit: Die Politik wäre gut beraten, wenn sie diese Vorschläge direkt umsetzte, ohne sich in Detailstreitigkeiten zu verlieren. Der Wissenschaftsstandort Deutschland würde davon profitieren – in der Spitze und in der Breite.

Der Autor ist Präsident der Freien Universität.

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