a la minute : Neu in Berlin

Die spannendsten Restauranteröffnungen im Genuss-Check.

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Foto: Promo

Roy & Pris

Der nächste Streich der Macher von „Toca Rouge“, „Long March Canteen“ und „Yumcha Heroes“ trägt den etwas verwirrenden Beinamen „starkitchen“, was sich weniger auf die Küchenleistung als das futuristische Interieur bezieht: großformatige Bilder weit entfernter Galaxien, neonfarbene Leuchtschnüre und eine punktuelle Erhellung der Tische, die das Essen in den Vordergrund und die Begleitung ins schemenhaft Wahrnehmbare stellt. Küchenchef Guanfeng Guan greift hier die Idee einer in Häppchen präsentierten modernen chinesischen Küche auf, die er schon im viel zu früh geschlossenen „Soya Cosplay“ verfolgte: großartiger süßgeschmorter Schweinebauch, Morcheln mit Chili und säuerlich eingelegten Sardinen, Frühlingsrollen mit Ente und Maronen gefüllt, flambiertes Lachs-Sashimi - alles geschmacklich auf den Punkt und ohne Reis oder sonstige Beilagen serviert. Es bietet sich unbedingt an, die kunstvoll arrangierten Gerichte zu teilen, inbesondere den Taschenkrebs Hong-Kong-Style: grandios im Geschmack, aber unmöglich ohne ausufernde Kleckerei zu essen. Was dank der Beleuchtung aber keiner bemerken wird. Fazit: Space-Design, Schummerlicht und moderne chinesische Häppchenküche, die auch ohne Science Fiction funktionieren würde.

Modern Chinesisch - Preisniveau: moderat, Geöffnet seit Januar 2016, Weinbergsweg 8 a, Mitte, Tel. 0176 22 01 82 45, www.royandpris.com

Foto: Promo

Tucholsky's

Unter neuer Regie hat sich das „Tucholsky's“ vom Traditionslokal mit deftiger deutscher Küche zu einem modernen Restaurant entwickelt. Die Farben Blau und Anthrazit kombiniert mit leuchtenden modernen Kunstwerken bestimmen das Ambiente. Der Service ist flott und freundlich. Deutsche, französische und italienische Weine sind gut zusammengestellt für den eher klassischen Geschmack, zum Beispiel der unaufdringliche Pfälzer Riesling, der dem Mahl eine erfrischende Note gibt (22 Euro). Die Maronen-Sellerie-Suppe war durch Apfelwürfel und knuspernde Thymiancroutons modisch bereichert (6,50 Euro). Eine eigene Note besaß auch der Wintersalat zwischen säuerlich und süß mit Walnusskrokant, Liebstöckel und Anisbirne (8,50 Euro). Zur Roulade vom Brandenburger Weiderind mit Kartoffelkloß und Apfelrotkohl passte die Barolo-Grappa-Sauce (17 Euro), zum Schweinekrustenbraten mit Semmelknödeln und Wacholder-Sauerkraut die kräftige Dunkelbiersauce (17 Euro). Schließlich zeigte auch das Tannenhonigparfait mit Pflaumen und Rosmarin die dezente Kreativität der Küche (7 Euro). Fazit: Modernisierte deutsche Küche, gut geeignet für Einheimische ebenso wie für Touristen auf der Suche nach Abwechslung.

Deutsch - Preisniveau: moderat, Geöffnet seit November 2015, Torstraße 189, Mitte, Tel. 27 58 20 53, www.restauration-tucholsky.de

Foto: Mike Wolff

Einsunternull

Irgendwo zwischen „Reinstoff“, „Horvath“ und „Nobelhart & Schmutzig“ müsste noch Platz sein? Jetzt nicht mehr. Ivo Ebert, einst Reinstoff-Mitgründer, hat der neuen hyperregionalen Küche ein kleines Tempelchen gebaut, perfektionistisch in jedem Detail bis zu den Glas-Unikaten und Tellern. Mittags wird oben, abends im Keller gegessen. Küchenchef Andreas Rieger hat schon im letzten Sommer alles eingeweckt und fermentiert, was sich nicht wehren konnte, und er verbindet diese Basis mit frischen Saisonprodukten zu gemüsebetonten, nuancierten Gerichten in Pastelltönen, nichts knallt, nichts fetzt. Vorneweg eine klare Brühe aus gelben Beten, Topinambur mit Kartoffeln und geröstetem Mehl, Beten-Scheiben mit etwas Salat und süßlichem Püree, feinste Schattierungen von Saison und Region nach Art des Luxus-Landwirts. Ähnlich konzipiert ist auch die kleine Kombi von gesäuertem Kohlrabi, eingeweckten Birnen und einer cremigen Hanf-Emulsion. Die Spannrippe von Rind und Knollensellerie ist der erste nicht vegetarische Gang: Das geschmorte Fleisch hat die ideale Konsistenz, also noch Biss, und es liegt auf einer enorm intensiven Sellerie-Jus und kommt mit gehobelter Knollensellerie; zum perfekt gegarten Stör gibt es milchsauer vergorenen Spargel. Nicht billig (Menüs 77/107 Euro), aber seinen Preis wert, jedenfalls für alle Foodies, die diese modisch introvertierte Küche zu schätzen wissen. Auch die Weinkarte ist nicht unanstrengend, passt aber mit ihren „Naturwein“-Einschlag genau. Fazit: Edle, gelassene und kulinarisch etwas offenere Alternative zum brutal lokalen „Nobelhart“. Sollte im Herbst zum Stern reichen.

Neu Regional  - Preisniveau: hoch, Geöffnet seit Dezember 2015, Hannoversche Straße 1, Mitte, Tel. 27 57 78 10, www.einsunternull.com

Foto: Klaus Lange/Promo

Tulus Lotrek

Okay, was muss denn unbedingt sein, wenn wir abends essen wollen? Eine einigermaßen ­originelle, menschenfreundlich kalkulierte Karte, gutes Handwerk am Herd, spannende Weine. Und das alles in entspannter Atmosphäre mit gut gelauntem Service. Selten? Ja. Aber im „Tulus Lotrek“ ist alles da. Küchenchef Max Strohe und Ilona Scholl im Service haben das verblichene „Le Cochon Bourgeois“ entrümpelt und mit einfachen Mitteln modisch eingekleidet, ohne den Alt­berliner Charme der Ladenwohnung zu überdecken. Das ist schon mal gelungen. Der Name führt all jene in die Irre, die aus dem Namen auf deutsch-französische Küche schließen, denn was hier aufgetischt wird, lässt sich regional nicht zuordnen, und es fällt überhaupt angenehm durch die ­Abwesenheit von anstrengenden Konzepten auf. Im „Spiegelei royal“ finden Jakobsmuscheln, Sellerie­püree, Bottarga und getrocknete Aprikosen unter einem weichen Eigelb zueinander, das herrlich geschmeidige Tatar vom trocken gereiften Milchkuh-Fleisch kommt mit Trompetenpilzen, und zum Tatar vom Hirsch gibt es gehobelte Leber und Liebstöckel-Pulver. Auch der Hirschrücken wird europäisch gebraten - aber mit frisch-scharfem koreanischem Kimchi angenehm erleichtert. Diese Küche ändert sich ständig, ohne ihre Richtung aufzugeben, hat Kraft und Geschmack. Man muss also kein Hellseher sein, um dem „Tulus Lotrek“ Erfolg vorauszusagen. Außer dem katastrophalen Parkplatzmangel hat es keine Nachteile. Fazit: Ein Lieblingsrestaurant, originell, aber ohne anstrengendes ­Konzept, einfach und sympathisch.

Freistil  - Preisniveau: gehoben, Geöffnet seit November 2015, Fichtestraße 24, Kreuzberg, Tel. 41 95 66 87, www.tuluslotrek.de

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