Bernd Matthies zum neuen Guide Michelin : Tischgespräch

Der Guide Michelin hatte mal wieder ein zurückhaltendes Jahr und vergab in Berlin nur zwei neue Sterne: einen überfälligen und einen überraschenden. Drunter blüht der »Bib«. Und was macht Billy Wagner?

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Endlich den verdienten Stern: Sonja Frühsammer
Endlich den verdienten Stern: Sonja FrühsammerFoto: Mike Wolff:

Der Unterschied zwischen Guide Michelin und Gault & Millau: Der Michelin muss seine Urteile nicht begründen. Deshalb können wir also auch in diesem Jahr nur raten, was die reisenden Scharfrichter zu ihren Entscheidungen in Berlin bewogen hat. Ganz klar: Der frisch funkelnde Stern für Sonja Frühsammer ist mehr als verdient und war schon lange überfällig. Und man darf die Vermutung riskieren, dass die zurückhaltende und bescheidene Küchenchefin keine Neider hat – nicht einmal Markus Semmler, der wieder einmal in die Röhre guckt. An seiner Stelle darf Alexander Koppe jubeln, der Küchenchef im Lichtenberger »a.choice«, den absolut niemand auf der Liste hatte. Nicht, dass er nicht gut kocht – aber da das Restaurant schon seit Anfang des Jahres komplett unter das Dach des Hotels umziehen soll, was nun offenbar bis Weihnachten gelingen soll, wäre gewisse Zurückhaltung sicher verständlich gewesen. Diese Zurückhaltung hat diesmal bei den zwei und drei Sternen gewaltet. Die Spekulationen waren heftig, kann Hendrik Otto in die Königsklasse aufsteigen, bekommt Matthias Diether den zweiten? Aber irgendwo muss auch ein großer Guide Spesen sparen, und so möchte man beim Michelin verstärkt den »Bib Gourmand« in den Vordergrund rücken, die Auszeichnung für gut und günstig. Dort dürfen drei Gänge maximal 35 Euro kosten, was auch für Regis Lamazère zutrifft, den Spitzenreiter unserer Frankreich-Top-Ten. Außerdem neu dabei in dieser Kategorie sind »44«, »Buchholz Gutshof Britz«, »Jungbluth« und »Kochu Karu« – ein buntes Sträußlein also zwischen bieder und exaltiert, zwischen Hotel, Szene und Landgasthaus ...
Ein Restaurant hätte den Bib ganz sicher verdient, schade, dass es noch gar nicht existiert: Billy Wagners »Nobel­hart & Schmutzig«. Langsam verdichtet sich der Verdacht, dass es gar nicht existieren soll. Und mit Absicht virtuell bleibt?

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