Kolumne : Auf eine Flasche Wein mit Günther Jauch

Eine Flasche Wein, ein Gast, ein Gespräch - am Ende kennt man Wein und Gast ein wenig besser und die Flasche ist leer. Diesmal traf Kai Röger von Tagesspiegel Genuss den erfolgreichen Winzer Günther Jauch, um mit ihm über seine Weine, seine Nebentätigkeit beim Fernsehen und die Probleme, im Fokus der Regenbogenpresse zu stehen, zu sprechen

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Erfolgreicher Winzer, macht nebenbei irgendwas mit Medien: Günther Jauch vom Weingut von Othegraven
Erfolgreicher Winzer, macht nebenbei irgendwas mit Medien: Günther Jauch vom Weingut von OthegravenFoto: David Heerde

Der Vorteil, sich mit einem Winzer auf eine Flasche Wein zu verabreden, ist, dass man den Wein nicht selbst mitbringen muss. Wenn man sich obendrein mit einem Winzer verabredet, der so prominent ist, dass er zum »beliebtesten« und »intelligentesten« Deutschen gewählt wurde, spart man sich nicht nur den Wein, sondern auch die epische Vorstellung seiner Person. Günther Jauch ist so ein Glücksfall: 2010 hat er das Weingut von Othegraven an der Saar übernommen. Nebenberuflich macht er recht erfolgreich irgendwas mit Medien.

Wir haben uns nahe der Glienicker Brücke in der Weinlounge der Garage du Pont verabredet. Standesgemäß erscheint Jauch im »Winzerlook«, wie er es nennt: leger gekleidet und unrasiert. Begleitet wird er von seiner Frau Thea, im Gepäck führt er vier Rieslinge seines Gutes. »Welchen möchten Sie probieren?«, fragt Jauch. Ich will wissen, welchen er bevorzugen würde. »Meine Frau und ich trinken gerade sehr gerne den Kupp Riesling Kabinett«, sagt er. »Aber wenn Sie … «, ja, eigentlich lieber das Große Gewächs vom Herrenberg … Thea Jauch öffnet beide Flaschen. »Vielleicht zuerst das Große Gewächs«, empfiehlt Jauch. »Der Kabinettwein hat doch eine ordentliche Restsüße.« Ich widerspreche nicht, auch wenn mir die andere Reihenfolge – feinherb und leicht, dann gehaltvoll und komplex – sinnvoller erscheint. Doch wer will dem Winzer vorschreiben, wie er seinen Wein zu trinken hat? Also zuerst das Große Gewächs: »Trocken, mineralisch, man merkt, dass der Wein Luft und Zeit braucht«, sagt Jauch und schwärmt von der langen Tradition des Gutes, und dass die Weine um 1900 fast doppelt so teuer waren wie die edelsten aus dem Bordeaux. Ich sage nicht, dass ich das bereits gelesen habe. Ich ärgere mich, dass mir keine noch nie gestellten Fragen einfallen.
Jauch bleibt geduldig, wirkt interessiert, und sei es nur aus Höflichkeit. Oft blickt er zu seiner Frau Thea, vergewissert sich, das Passende gesagt zu haben und nicht genervt zu wirken. Thea Jauch ist immer präsent, ist Rückhalt und Erdung. Und sie achtet darauf, dass ihr Mann keine Vorlage liefert: »Wenn man im Fokus der Regenbogenpresse steht«, sagte Jauch zu Beginn des Gesprächs, »kann schon aus einem unbedeutenden Nebensatz eine Schlagzeile werden.« Der Nachteil, sich mit einem so prominenten Winzer wie Günther Jauch zu treffen, ist, dass über ihn fast alles gesagt ist, bis auf das, was nicht gesagt werden soll. Mein Notizblock wird zum Friedhof der Zitatleichen.

Wir kommen zum Kabinett Riesling. Er faste gerade, sagt Jauch. Aber die Arbeit – das bin ich – sei wichtiger. Ich schenke nach. Seit dreieinhalb Jahren, sagt Jauch, arbeite er sieben Tage pro Woche. Auf Monate im Voraus könne er sagen, wann er wo ist und was er dort tun wird. Wie hält er das aus? Thea Jauch springt ein: »Entspannung entsteht nicht durchs Nichtstun, sondern weil andere Sinne angesprochen werden.« Ihr Mann nimmt den Faden auf: »Im Weinberg bin ich abhängig von Dingen, die ich nicht beeinflussen kann. Die Natur lässt sich nicht kontrollieren.« Kontrollieren. Unter Beobachtung stehen. Immer vorsichtig sein. Und dabei wie der nette Winzer von nebenan wirken. Es ist wohl nicht leicht, Günther Jauch zu sein.

Ich schließe meinen Notizblock, leere das Glas und lasse Stille mein einziges Geschenk an die beiden sein. Ihre unaufgeregte Gegenwart ist angenehm. Sie sind ein harmonisches Team, in dem keiner führt, aber Wachsamkeit und Betriebsamkeit oberstes Gebot sind. Ich genieße diesen Moment, bis Günther Jauch seine Hände auf die Oberschenkel schlägt. Es ist spät geworden, die Arbeit ist getan. Morgen wird wieder gefastet, wenn es die Pflicht nicht anders verlangt.

Die Weine

2012 HERRENBERG RIESLING TROCKEN GROSSES GEWÄCHS
Leicht und vielschichtig, mit milder Süße – old school im besten Sinne.

2012 KUPP RIESLING KABINETT
Feinherb und schon jetzt mit finessenreichem Fruchtspiel, bei 9 Prozent Alkohol. Der ideale Sommeraperitif

Der Ort

GARAGE DU PONT
Eine historische Tankstelle an der Glienicker Brücke, die ihre Wiederauferstehung als schmuckes Restaurant und Eventlocation feiern durfte, ist heute unaufgeregter Treffpunkt der Potsdamer Gesellschaft.
Berliner Str. 88, Potsdam, garagedupont.de

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