FSME-Impfung : Gefährlicher Blutsauger

Zecken übertragen etliche Krankheiten - und wegen der milden Winter nimmt das Risiko zu. Eine FSME-Impfung schützt.

Roland Knauer
Zecken suchen sich ihre Einstichstellen bevorzugt unter den Armen, zwischen den Beinen und in den Kniekehlen. Wer sich viel in der Natur aufhält, sollte auf eine FSME Impfung zurückgreifen und sich so gegen Krankheiten schützen.
Zecken suchen sich ihre Einstichstellen bevorzugt unter den Armen, zwischen den Beinen und in den Kniekehlen. Wer sich viel in der...Foto: Prof. Dr. Heinz Mehlhorn, Düsseldorf

Wenn nach einem Picknick in der Kniekehle, in den Leisten oder hinter den Ohren plötzlich ein Hubbel auftaucht, könnten dort auch acht winzige Beinchen zappeln. Der Hubbel entpuppt sich prompt als Zecke, die gern auch Holzbock genannt wird und die man sich im Gras aufgelesen hat. Auf ihren acht Beinchen staksen die Spinnentiere so lange über die Haut, bis sie eine weiche Stelle gefunden haben, an der sie zustechen können. Das Riskante an Zecken-Bissen: Die Gefahr an FSME zu erkranken steigt; mit einer FSME-Impfung kann man vorsorgen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die FSME-Impfung Kindern und Erwachsenen, die in Kontakt mit Zecken kommen können.

Gerade im Frühjahr und Frühsommer häufen sich Kontakte mit solchen blutsaugenden Parasiten aus zwei Gründen: Mensch und Tier drängt es nach einem langen Winter besonders stark aus Häusern und Ställen ins Freie. In Europa aber tummeln sich fast jedes Jahr mehr Holzböcke, weil der Klimawandel diesen Achtbeinern zugute kommt: Strenge Winter sind selten geworden. Die dezimierten früher kräftig jene Mäuse, bei denen sich die Holzböcke besonders gern ihre Blutmahlzeit holen. Höhere Temperaturen bescheren also mehr Zecken, die wiederum für mehr Infektionskrankheiten sorgen.

FSME-Impfung kann Leben retten

Die meisten Menschen merken es nicht einmal, wenn sie sich mit FSME infiziert haben. Nur in 30 Prozent aller Fälle verursacht der Erreger eine „Sommergrippe“. Erst wenn das Virus wie in jedem zehnten Patienten auf das Nervensystem überspringt, ist Gefahr in Verzug. In diesem Fall kann der Arzt nur noch die Symptome lindern, die Viren aber können mit Medikamenten nicht vernichtet werden. Da ist es mit Sicherheit besser, wenn man gegen FSME geimpft ist, empfiehlt auch die Ständige Impfkommission (STIKO). Die FSME-Impfung ist nicht nur gut verträglich, sondern auch sehr gut wirksam. Drei Impfungen sind normalerweise für den vollständigen Impfschutz notwendig. Die zweite Impfung folgt etwa ein bis drei Monate nach der ersten; die dritte und letzte FSME-Impfung wird dann nach fünf bis zwölf Monaten gespritzt. Eine Auffrischung der FSME-Impfung sollte nach etwa drei Jahren passieren.

Bei der Lyme-Borreliose sieht die Situation anders aus. Erreger dieser Krankheit ist ein Bakterium, das in Baden-Württemberg je nach Region in 14 bis 24 Prozent aller Zecken vorkommt. Da jeder vierte infizierte Holzbock den Erreger an den Menschen weitergibt, könnte in bestimmten Regionen jeder zehnte Zeckenbiss eine Borreliose nach sich ziehen. Die beginnt häufig mit einer Rötung der Haut. Danach kann eine Sommergrippe folgen. Schließlich können sich die Erreger in den Gelenken oder Nerven festsetzen und heftige Schmerzen verursachen.

Anders als bei FSME gibt es noch keine Impfung gegen Borreliose, die in allen Bundesländern auftreten kann und häufig auch in Vorgärten und Parks übertragen wird. Andererseits kann man die für Deutschland vermuteten jährlich rund 50 000 Borreliose-Neuinfektionen gut mit Antibiotika behandeln.

So schützen Sie sich vor FSME

Besser ist es allerdings, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Das erfordert das Ignorieren der weit verbreiteten Kleiderordnung, bei sommerlichen Temperaturen möglichst viel Haut sehen zu lassen. Wer sich vor Zeckenbissen schützen möchte, sollte lange Ärmel und Beine in möglichst hellen Farben tragen, auf denen man die dunklen Zecken relativ leicht erkennt. Da Holzböcke meist an der Spitze längerer Grashalme auf ihre Opfer warten, sollte man sich nach Möglichkeit nur auf kurz gemähten Wiesen niederlassen, auf denen Vögel Zecken meist rasch vertilgen.

Wer dann noch nach jedem Aufenthalt im Grünen die gesamte Kleidung einschließlich der Unterwäsche gut ausschüttelt, anschließend duscht und danach den Körper nach Zecken absucht, hat gut vorgesorgt. Denn für alle Erreger und vor allem für die Lyme-Borreliose gilt, dass eine Infektion umso wahrscheinlicher wird, je länger der Holzbock ungestört Blut saugt. Je schneller eine Zecke am besten mit einer spitzen Pinzette entfernt wird, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion.

So verringert man auch die Übertragung anderer Erreger wie Rickettsia helvetica. Dieses Bakterium wurde in der Schweiz entdeckt, ist aber auf dem Weg nach Norden. In Baden-Württemberg fand Peter Kimmig in 8,9 Prozent aller Holzböcke den Erreger, von dem noch unbekannt ist, ob er Krankheiten auslöst.

Ebenfalls zu den Rickettsien gehört Coxiella burnetti, Erreger des Q-Fiebers. Überträger ist die Schafzecke. Der Erreger kann in Staub oder Schafwolle monatelang überleben und Menschen sehr effektiv anstecken: Nachdem vor einem Wohnblock in Jena eine Schafherde geweidet hatte, erkrankten dort mehr als 300 Menschen an Q-Fieber. Diese Infektion mit grippeartigen Symptomen und einer Sterblichkeit von einem Prozent lässt sich zwar mit Antibiotika ebenfalls gut behandeln. Allerdings kann der Erreger sich festsetzen und muss dann bis zu vier Jahre lang behandelt werden.

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