"Made in Berlin" : Barcoo: scannen, informieren, kaufen

Preisvergleiche, Testberichte, Gesundheitsinfos: Die Scanner-App Barcoo bietet Nutzern beim Einkauf alles, was sie über das Produkt wissen müssen. In ihrem Kreuzberger Büro feilen die Gründer schon an einer neuen Idee.

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Schnell den Barcode mit dem Smartphone scannen - und schon stellt die App eine Reihe an Informationen zur Verfügung.
Schnell den Barcode mit dem Smartphone scannen - und schon stellt die App eine Reihe an Informationen zur Verfügung.Foto: Barcoo/ Flickr.com

Sind die Knusperflocken wirklich so bio, wie sie aussehen? Woher kommen die Zutaten für den Multivitaminsaft? Und passen die Cracker zu einer ausgewogenen Ernährung? "Wer im Supermarkt steht, hat oft nicht die Informationen parat, die er für eine Kaufentscheidung braucht", sagt Benjamin Thym. Er hat deshalb mit Freunden im Jahr 2009 die App Barcoo auf den Markt gebracht: Nutzer müssen nur den Strichcode eines Produktes mit dem Smartphone einscannen und erhalten dann Informationen darüber, was das Produkt anderswo kostet, wie es von Nutzern bewertet wird, wie nachhaltig es produziert wurde und wie gesund es ist.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz haben bereits 14 Millionen Menschen die App installiert, mehr als sechs Millionen Produkte befinden sich in der Datenbank - darunter nicht nur Lebensmittel, sondern auch Bücher sowie Drogerie- und Kosmetikprodukte. In ihrem Büro in einem Kreuzberger Hinterhof feilen die Barcoo-Gründer Benjamin Thym, Tobias Bräuer, Tarik Tokic und Martin Scheerer gemeinsam mit ihren 40 Mitarbeitern bereits daran, ihr Angebot noch auszuweiten.

Nach der Pro7-Sendung brach der Server zusammen

Vor fünf Jahren sah es noch nicht so aus, als ob Barcoo einmal eine der meist installierten Gratis-Apps in Deutschland werden würde. Damals unterhielt sich Wirtschaftsinformatiker Thym mit Freunden aus Tübingen darüber, dass die Bio- und Ökosiegel auf den Lebensmitteln oft undurchsichtig sind - und man die Erklärungen dazu mobil parat haben sollte. Die Idee zu Barcoo war geboren. "Wir waren naiv", sagt der heute 34-Jährige. In der Hoffnung zwei Monate nach der Gründung einen Investor zu haben, kündigten die Freunde ihre gut bezahlten Jobs und zogen nach Berlin.

Mit zwei Freunden aus Tübingen kam Benjamin Thym auf die Idee für Barcoo.
Mit zwei Freunden aus Tübingen kam Benjamin Thym auf die Idee für Barcoo.Foto: Barcco/ Flickr.com

Ein Investor war dort zunächst nicht in Sicht, doch zumindest ein Gründerstipendium half ihnen auf die Beine. Mit Unterstützung der Humboldt Universität beantragten die Gründer Fördergelder der EU. Die Uni stellte ihnen auch Räume zur Verfügung. Das erste eigene Büro hatte Barcoo in einem Plattenbau in Berlin Mitte. Ein Mini-Office mit 15 Quadratmetern, in dem auch der Server stand. "Der lief über das Uni-Netz der HU. Als einmal ein Beitrag über uns auf Pro7 lief, brach der Server natürlich gleich zusammen", erzählt Thym.

Seine Produktdatenbank baute Barcoo gemeinsam mit verschiedenen Partnern auf. Dazu zählen etwa die Informationsplattform Lebensmittelklarheit.de, die Beratungsgesellschaft co2online, Greenpeace oder die Tierschutzorganisation PETA.. Online-Shops und Hersteller stellen Preise sowie Produktbeschreibungen zur Verfügung. Auch die Nutzer können Bewertungen hinzufügen oder neue Produkte anlegen.

Flop in Frankreich und Großbritannien

Weil sich Barcoo in Deutschland gut entwickelte, wollten die Gründer 2010 nach Frankreich und Großbritannien expandieren. "Der Dienst war aber nicht so weit", sagt Thym heute. Die Nutzer im Ausland störten sich an kleinen Macken der App, gleichzeitig gab es zu wenige, die Nutzerbewertungen einspeisten. "Ein Henne-Ei-Problem", sagt Thym. Barcoo wurde in Frankreich und Großbritannien wieder eingestellt.

In Deutschland hat das Unternehmen mittlerweile einen Umsatz im siebenstelligen Bereich, verrät Thym. Dabei generieren sich die Einnahmen aus Werbung, die in der App angezeigt oder auf der Barcoo-Webseite ausgespielt wird. Dort finden die Nutzer viele redaktionelle Service-Beiträge - vom richtigen Binden eines Schals bis hin zu Bratapfel-Rezepten.

Mittlerweile feilen die Macher an einer neuen Anwendung, der App Wunderkauf. Diese fragt den Nutzer nach Produkten, die er besonders gern mag, und sobald es für diese Produkte Sonderangebote in der Nähe gibt, wird er informiert. Dabei ist es für Thym und sein Team nützlich, auf die Barcoo-Nutzer zurückgreifen zu können. Wunderkauf will Thym auch international voranbringen - und hofft, dass er bald nicht mehr 40 Mitarbeiter in seinem Büro sitzen hat, sondern 400. Das Kreuzberger Hinterhof-Büro, dessen Meeting-Räume nach Star-Wars-Figuren benannt sind und dessen bunte Wände noch immer nach Start-up aussehen, wäre dann viel zu klein.

Gemeinsam mit dem rbb erkundet der Tagesspiegel in der Serie "Made in Berlin - Gute Ideen und andere Katastrophen" die Berliner Start-up-Szene. Die nächste Sendung: Mittwoch 29. Oktober um 22.45 Uhr. Die Themenseite des rbb finden Sie hier.

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