Hertha - Benfica 1:1 : Eine Halbzeit Fußball

Hertha BSC spielt in der Europa League gegen Benfica Lissabon eine starke zweite Halbzeit, dennoch reicht es wieder nur zu einem Unentschieden.

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Hertha BSC - Benfica Lissabon
Auf Augenhöhe. Steve von Bergen (r.) im Duell mit Benficas Pablo Aimar. -Foto: ddp

In letzter Zeit gab es gute Gründe, einen Bogen um das Berliner Olympiastadion zu machen. Zu freudlos fielen die Auftritte des hier beheimateten Fußball-Bundesligisten Hertha BSC aus, der abgeschlagen am Tabellenende der Bundesliga klebt. Gestern hatten sich nur noch 13 684 Zuschauer im riesigen Rund verirrt. Egal, die Delegation von Benfica Lissabon wird nicht ungern vorbei gekommen sein, weil sie sich mit vergleichsweise geringem Aufwand eine ordentliche Ausgangsposition für das Erreichen des Achtelfinals der Europa League erspielt hat. In der Runde der letzten 32 erzielte der derzeitige Tabellenführer der portugiesischen Liga im Hinspiel ein 1:1 (1:1). Hertha darf sich für das Rückspiel Außenseiterchancen ausrechnen, weit wichtiger dürfte den Berlinern aber ohnehin das Spiel am kommenden Sonntag in Freiburg sein.

Friedhelm Funkel hatte für das Spiel gegen Portugals Rekordmeister ein paar personelle Veränderungen vorgenommen. Im Vergleich zum Spiel am vergangenen Wochenende gegen Mainz begann Steve von Bergen in der Innenverteidigung. Im Mittelfeld schonte Herthas Trainer Fabian Lustenberger und Florian Kringe, der erst nach einer Stunde aufs Feld kam. Für die beiden standen Maximilian Nicu und Patrik Ebert in der Startelf. Im Sturm ersetzte Raffael Theofanis Gekas; Cicero übernahm die Position seines Landsmannes im zentralen Mittelfeld.

Benfica kickte munter drauf los

Doch im Unterschied zu den behäbigen Mainzern kickte Benfica munter drauf los. Hertha hatte erst gar keine Zeit, das Spiel wie zuletzt so oft zu verschlafen, da waren sie schon in Rückstand geraten – und das auf denkbar einfachste Art. Ein langer Pass aus der Hälfte der Portugiesen von Carlos Martins in die Spitze genügte, um Herthas Hintermannschaft in Verlegenheit zu bringen. Da Lukasz Piszczek den freien Raum statt seines Gegenspielers deckte, hatte Angel Di Maria keine Probleme, den Ball im Tor der Berliner unterzubringen. Der Torschütze steht im Aufgebot der Argentinier für das Länderspiel Anfang März in München gegen Deutschland. Bei den Berlinern lief so gut wie gar nichts zusammen. Nicht, dass die Portugiesen drückend überlegen gewesen wären. Nein, sie taten zunächst in etwa das, was sie für gewöhnlich in einer ambitionierten Trainingseinheit anbieten. Gelegentlich blitze die individuelle Klasse der Gegner auf, bei den Gastgebern hingegen gab es weitgehend das tempolose und ungenaue Passspiel zu sehen, mit dem die Berliner nicht weg kommen vom Tabellenende der Bundesliga.

So wäre es wohl weitergegangen, hätte es Javi Garcia nicht plötzlich im Fuß gejuckt. Nach rund einer halben Stunde hielt der defensive Mittelfeldspieler seinen Fuß in einen eigentlich harmlosen Flachpass von Piszczek. Der Ball wurde derart abgefälscht, dass Benficas Torwart Julio Cecar nur noch mit den Fingerspitzen, und damit erfolglos eingreifen konnte und der Ball zum 1:1-Eigentor ins Netz trudelte. Der Ausgleich ließ das Spiel viel ausgeglichener werden. Zunächst hatte Hertha Glück, dass es keinen Strafstoß gab, als Arne Friedrich im eigenen Strafraum Ramires von den Beinen holte. Beinahe im Gegenzug traf Nicu nach einer Flanke von Ebert den Pfosten, kurz darauf scheiterte Raffael mit einem Schuss am Torwart der Gäste. Die Berliner waren im zweiten Abschnitt mutiger und zielstrebiger, fast alle im Team steigerten sich. den Portugiesen fiel es nun schwer, die nötige Wettkampfspannung aufzubauen, nachdem sie wohl angenommen hatten, Hertha im Vorbeigehen schlagen zu können. Das letzte Risiko gingen beide Mannschaften nicht ein. Kommenden Dienstag sehen sie sich in Lissabon zum Rückspiel wieder.

Die, die gestern gekommen waren, werden es nicht bereut haben. Hertha hatte sich vergleichsweise ordentlich geschlagen. Sehr wahrscheinlich aber waren die Zuschauer Zeuge des für sehr lange Zeit letzten Auftritts Herthas im Europapokal. Es sei denn, Hertha gelingt mal eine Überraschung.

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