Hertha-Gegner Lissabon : Javier Saviola: Die kleine Weltkarriere

Javier Saviola hätte ein Superstar werden sollen, am Donnerstag spielt er mit Benfica Lissabon bei Hertha BSC.

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Treffen auf niedrigem Niveau. Javier Saviola stand bei Barcelona und Real Madrid unter Vertrag. -Foto: AFP

Berlin - Wieder nicht dabei. Javier Saviola war voller Hoffnungen vor dem Dienstag, den die portugiesische Sportzeitung „Record“ zu seinem ganz persönlichen D-Day ausgerufen hatte. Die vielleicht letzte Chance, sich noch vor der Weltmeisterschaft in Südafrika für Argentiniens Nationalmannschaft zu empfehlen. Doch als Diego Maradona seine Nominierung für das Länderspiel am 3. März gegen Deutschland bekannt gab, fehlte Saviolas Name. Vorerst also muss das einstige Wunderkind des argentinischen Fußballs seine internationalen Ambitionen ein paar Etagen tiefer ausleben. Am Donnerstag tritt er mit Benfica Lissabon zum Play-off-Spiel der Europa League bei Hertha BSC an. Im Berliner Olympiastadion, wo vor bald vier Jahren sein Abstieg begann.

Alle hatten an jenem 30. Juni 2006 damit gerechnet, dass Javier Saviola auflaufen würde im WM-Viertelfinale gegen den Gastgeber Deutschland. Argentinien war bis dahin Titelkandidat Nummer eins, spätestens seit der Gala gegen Serbien, die ohne ihn vielleicht gar keine Gala geworden wäre. Saviola bereitete die ersten drei Tore vor, unter anderem jenes über 26 Stationen, es war das schönste des gesamten Turniers. In Argentinien nennen sie Saviola „El conejo“, das Häschen, und genauso hüpfte er bei diesem 6:0 über die Serben vom Platz. Als er ihn nach einer Stunde verließ, verabschiedeten ihn die argentinischen Fans mit Ovationen, sogar Diego Maradona winkte hinunter aus seiner Loge.

Im Dezember ist Javier Saviola 28 Jahre alt geworden. Er sieht immer noch aus wie ein Schulbub, die viel zu große weiße flattert ihm über die Knie. Er ist kein Wunderkind geworden und hat die Erwartungen, die er als Teenager geweckt hat, nie halten können. Mit 16 schoss er für River Plate Buenos Aires sein erstes Ligator, mit 17 wurde er Südamerikas Fußballer des Jahres, mit 19 Torschützenkönig und bester Spieler der Junioren-WM. Nach dem WM-Sieg wechselte Saviola für 33 Millionen Euro zum FC Barcelona, womit er River Plate ganz allein vor der Pleite rettete.

Es heißt, Maradona habe ihn damals gewarnt vor dem Wechsel, aus eigener, unglücklicher Erfahrung, denn schon das Jahrhunderttalent Maradona war gescheitert an dem, was er heute „die Hölle Barça“ nennt. Saviola bekam zwar keine Probleme mit Kokain, aber er hoppelte eher glücklos über den Camp Nou. 44 Tore in drei Spielzeiten reichten den Katalanen nicht, sie schimpften über Saviolas Stil, er würde zu oft Freistöße und Elfmeter schinden. Davon hat er sich nicht so recht erholt. Barça reichte den mit einem Sechsjahresvertrag ausgestatteten Saviola in Spanien und Frankreich herum, danach versuchte er es noch zwei Jahre in Madrid, im vergangenen Jahr schob ihn Real ab nach Lissabon.

Die portugiesische Liga zählt nicht zu den großen Europas. Javier Saviola ist bescheiden geworden und spricht davon, dass er sich in Lissabon so wohl fühle wie noch nie in seinen fast schon zehn Jahren in Europa. Endlich werde ihm das Vertrauen entgegengebracht, das ihm in Barcelona oder Madrid, aber auch von Diego Maradona immer verwehrt worden sei. Zehn Tore hat Saviola in zwanzig Ligaspielen erzielt, dazu vier in fünf Spielen der Europa League. Ähnlich erfolgreich war er zuletzt zu Beginn des Jahrtausends, als ihn der FC Barcelona noch als künftiges Wunderkind pries.

Am Donnerstag wird sich wahrscheinlich Herthas Kapitän Arne Friedrich um Benficas argentinisches Häschen kümmern. So war das eigentlich auch für das WM-Viertelfinale von 2006 geplant, aber kurzfristig und völlig überraschend stellte Trainer José Pekerman nicht Javuer Saviola, sondern Carlos Tevez auf. Das Ende der Geschichte ist bekannt. Friedrich schaltete Tevez komplett aus und Argentinien flog aus dem Turnier. Javier Saviola hat seitdem nur noch ein Länderspiel gemacht. Vor zweieinhalb Jahren in der WM-Qualifikation beim 2:0 gegen Chile, es war ein Kurzeinsatz über vier Minuten.

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