Junges Musikpodium in Berlin : Kultureller Dialog über die Grenzen hinaus

Jedes Jahr tritt das Musikpodium Dank wohlwollenden Förderern in historischen Villen, Palästen und Theatern Venetiens auf, bevor es nach Dresden geht. Zum zweiten Mal findet jetzt auch ein Konzert in Berlin statt.

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Foto: Waldemar Gielarek

Gefangen in Andrea Palladios Palazzo Valmarana! Um ein Haar wäre der Konzertabend in Vicenza stilvoll ins Wasser gefallen. Doch die Tochter des Hausherrn Graf Braga Rosa lotst die Besucherin per Telefon gerade noch rechtzeitig durch einen dunklen Saal mit imposanten Renaissancegemälden, bis zum einzigen noch offenen Ausgang. Im nahegelegenen Teatro Olimpico, wie andere Palladio-Bauten als Unesco-Welterbe geschützt, tritt nur wenig später das Junge Musikpodium Dresden-Venedig an, um alte Kulturtraditionen neu zu beleben.

Vor Vincenzo Scamozzis atemberaubender Bühnenarchitektur, deren Gänge endlos in die Tiefe zu fluchten scheinen, spielen Nachwuchsmusiker aus Deutschland, Italien, Frankreich und Litauen so mitreißend Vivaldis Le Quattro Stagioni, dass sie die jahrzehntelange Trivialisierung des Werks vergessen machen. Nicht nur Streicher kommen zum Einsatz, sondern auch Bläser, von denen sich Vivaldi während seiner Aufenthalte bei der Dresdner Hofkapelle inspirieren ließ. Mit Arien aus Johann Adolf Hasses Oper Cleofide, 1731 in Dresden uraufgeführt, schlägt das Ensemble eine weitere Brücke nach Sachsen. Einst erntete Hasses Frau, die legendäre venezianische Sängerin Faustina Bordoni, dafür stürmischen Applaus. Nun zeigt die junge Sopranistin Giulia Semenzato ihr Können.

Die meisten Instrumentalisten kommen vom staatlichen Sächsischen Landesgymnasium für Musik 'Carl Maria von Weber'. Das grenzüberschreitende Projekt, das im nächsten Jahr sein 15. Jubiläum feiert, geht zurück auf eine Initiative von Ulrike Gondolatsch, damals verantwortlich für das Sponsoring der Dresdner Musikfestspiele. "In den neunziger Jahren war Barockmusik in Dresden kaum präsent, obwohl die Tradition der Stadt so stark durch Italiener geprägt worden ist. Da kam mir die Idee, dieses wichtige Erbe mit jungen Musikern wiederzubeleben und einen kulturellen Dialog über die Grenzen hinaus anzustoßen", erinnert sich Gondolatsch, die für Geschäftsführung und künstlerische Planung zuständig ist.

Dank Förderern wie dem Freistaat Sachsen, der Stadt Dresden und dem Goethe-Institut sowie zahlreichen privaten Sponsoren tritt das Musikpodium seither jedes Jahr im Spätsommer in historischen Villen, Palästen und Theatern Venetiens auf, bevor es gemeinsam nach Dresden geht. Zum zweiten Mal findet jetzt auch ein Konzert im Musikinstrumenten-Museum in Berlin statt, wo die Italienische Botschaft bereits seit 1999 zu den Unterstützern gehört.

Dem begabten Nachwuchs stehen erfahrene Musiker zur Seite, etwa der Lautenist Ivano Zanenghi, eines der Gründungsmitglieder von Andrea Marcons Venice Baroque Orchestra. Stefano Montanari, Violinprimus des Alte-Musik-Ensembles Accademia Bizantina und Dirigent, hat in diesem Jahr dem 23-jährigen Cellisten Massimo Raccanelli Zaborra den Stab übergeben. Konzertmeister ist der Stimmführer der zweiten Geigen am Teatro La Fenice, Alessandro Cappelletto.

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