Bärenmarke : Knut tut der Wirtschaft gut

Das Geschäft mit dem Eisbären brummt und brummt. Staatsgäste werden mit Porzellan-Knut beschenkt. Knut-Haribo macht Kinder froh und Knut-Hasser kommen bei "Shoot Knut" auch auf ihre Kosten. Nebenbei ist der Eisbär sogar zum "Umweltschützer" geworden.

Maren Martell[dpa]
Knut
Knut schmiegt sich liebvoll an seinen Ziehvater Thomas Dörflein. -Foto: dpa

BerlinKnut ist zwar längst nicht mehr so süß, doch als bärenstarke Marke füllt er weiterhin die Kassen. Ob Plüschtiere, Porzellanfiguren, Silberschmuck oder Klingeltöne - alle Produkte rund um das Berliner Eisbärkind finden gut ein halbes Jahr nach seiner Geburt immer noch reißenden Absatz. Auch wenn das mittlerweile halbstarke, meist verdreckte Fellknäuel sein knuddeliges Aussehen aus der Babyzeit verloren hat - der Hype hält an. Manche Unternehmen haben schon Knut-Produkte für das Weihnachtsgeschäft aufgelegt und als "Umweltbotschafter" wird der weltberühmte Bärenjunge wohl noch viele Jahre für den Klima- und Artenschutz werben.

Haribo-Knut zum Klassiker

Allein der Berliner Zoo hat bisher mehr als 50.000 Knut-Plüschtiere verkauft. Schon im März - gleich nach dem erstem öffentlichen Auftritt des Eisbärenkinds - hatte sich die Zooleitung die Markenrechte gesichert. Mittlerweile gibt es rund 25 offizielle Lizenznehmer, von der Königlichen Porzellanmanufaktur KPM bis zum Modeschmuckhersteller Miss Bijou. Bis Jahresende könnte der Publikumsliebling dem Zoo Zusatzeinnahmen von rund 5 Millionen Euro bescheren.

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Knut als Porzellanfigur der Königlichen Porzellan Manufaktur. -Foto: dpa

Der Süßwarenhersteller Haribo produziert täglich rund eine Million süße Schaumgummi-Eisbären. "Der Knuddel-Knut'sch hat große Chancen zum Klassiker zu werden", betont Sprecher Marco Alfter. Die Haribo-Werke in Solingen und Bonn kämen mit der Produktion kaum hinterher. Es gebe Anfragen aus Japan, der Schweiz und dem Baltikum. "Dorthin können wir noch nicht liefern, weil wir mit der Produktion für Deutschland und Österreich völlig ausgelastet sind", sagt Alfter. 10 Cent pro verkaufter Knut-Dose gehen als "Kindergeld"-Spende an den Berliner Zoo. Bislang seien schon rund 40.000 Euro zusammengekommen. Sie sollen unter anderem für die Knut-Aufzucht verwendet werden.

Staatsgäste werden mit Porzellan-Knut beschenkt

 

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Mmhh, lecker! Knut gibt es jetzt in Speck von Haribo. -Foto: dpa

Japanische Filmteams kommen nach Berlin, nicht nur, um das Eisbärkind im Zoo zu filmen. Sie drehen auch Beiträge über die
Produktion des Porzellan-Knuts in der Königlichen Manufaktur KPM, berichtet Sprecherin Uta Petersen. Mehr als 2000 Exemplare des 14 Zentimeter großen, handgefertigten Exemplars seien weltweit verkauft worden, auch nach China, Russland und in die USA. Die Lieferzeit betrage gut drei Wochen. "Mit der Figur wurden schon viele Staatsgäste in Berlin beschenkt", betont Petersen.

Die Plüschtierfirma Steiff hat bereits mehr als 50.000 Plüsch-Knuts abgesetzt. "Die Erwartungen sind bei weitem erfüllt", heißt es am Firmensitz im schwäbischen Giengen. Seitdem Knut zum Maskottchen der UN-Naturschutzkonferenz im kommenden Jahr gekürt wurde, sei die Nachfrage besonders aus den USA enorm gestiegen. Bereits beim G8-Gipfel Anfang Juni in Heiligendamm waren Plüsch-Knuts an die Journalisten vergeben worden. Zu Weihnachten plant Steiff einen Plüschanhänger "Knut" für den Christbaum.

rbb verkaufte 40.000 Knut-DVDs

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Knut gibt sich beim heißen Wetter gelassen. -Foto: dpa

Knut gibt es auch auf EC-Karten. Rund 35.000 Zoo-Cards hat die Berliner Volksbank schon ausgegeben. Gut 70 Prozent davon sind Knut-Karten gewesen, wie ein Sprecher betont. Neben dem Eisbären gebe es noch zehn weitere Tiermotive aus dem Berliner Zoo. Die Knut-CD "Knut ist gut" wurde bereits 7000 Mal verkauft. Der Song war drei Wochen lang in den Charts, berichtet der Berliner Verlag Pool-Music. Demnächst soll das Lied auf Englisch, Französisch und Italienisch herauskommen.

  Der deutsche Handyklingelton-Marktführer Jamba bietet neben Klingeltönen ("Alles wird Knut") auch Bildschirmschoner, Spiele und Logos an - insgesamt sind es 200 Knut-Produkte. "Sie sind im Moment die Topseller unseres Sortiments, die auch in Italien, Österreich, Schweden, Spanien, Portugal, Großbritannien und in den USA erfolgreich sind", betont Sprecher Niels Genzmer. Knutgegner kommen ebenso auf ihre Kosten: Für sie seien spezielle Internet-Spiele wie "Shoot Knut - Schieß Knut" oder Anti-Knut-Songs im Angebot. Auch übers Internet wird allerhand Kitsch rund um Knut vertrieben, von der Baby-Krabbeldecke bis zur Steinfigur für den Vorgarten. Der rbb-Sender verkaufte mittlerweile mehr als 40.000 seiner Knut-DVDs.

"Weil er einfach wie Knut aussah"

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Knut umarmt die Welt, in Kettenform. -Foto: dpa

"Mit so einem Riesenerfolg hatten wir nicht gerechnet", berichtet Zoo-Vorstand Gerald Uhlich. Dazu beigetragen habe auch, dass fast zeitgleich die Klimadiskussion hochkochte. "Außerdem war jeder froh, mal eine positive Nachricht zu hören", betont Uhlich. Zu seinem Erfolgsnamen ist der kleine Eisbär wohl eher zufällig gekommen: Sein Tierpfleger Thomas Dörflein soll ihn nach seiner Geburt aus einer Laune heraus so genannt haben, "weil er einfach wie Knut aussah".

  Für den Berliner Zoo sei der Arten- und Klimaschutzgedanke auch wichtiger als der kommerzielle Effekt. "Mit Knuts Hilfe wollen wir verstärkt für einen respektvollen Umgang mit der Natur werben", betont Uhlich. Dafür sei die Marke "Respect Habitats.Knut" aufgelegt worden, die alle Gesellschaftsschichten ansprechen soll: "Das ist ein sehr langfristiges Projekt und völlig unabhängig von Knuts Alter." 

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